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Keiner verrenkt sich so wie der „Gummimann“

Cesar Pindo im Video Keiner verrenkt sich so wie der „Gummimann“

Cesar Pindo ist als Schlangenmensch einer der Publikumslieblinge im Zirkus Charles Knie, der zurzeit auf dem Wilhelmplatz in Kiel zu Gast ist. In einer Extra-Vorführung im Fitnessstudio Vitarium in Kiel-Schilksee demonstrierte er seine Fähigkeiten.

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Impressionen aus der Manege: Cesar Pindo kann seinen Körper extrem verbiegen – den Besuchern stockt der Atem.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Ein bisschen verrückt muss man schon sein, um sich freiwillig in ein Schließfach zu quetschen und dann auch noch zu lächeln. Aber für Cesar Pindo ist es ein Klacks. Fast jeden Abend tritt der 36-Jährige als „Kontorsionist“ im Zirkus Charles Knie auf. Was so viel heißt wie „Verdreher“. Diesmal zeigt der biegsame Mann aus Ecuador seine Künste einmal an einem ungewöhnlichen Ort. Das Fitnessstudio Vitarium in Kiel-Schilksee hat sich bereit erklärt, den Damenumkleideraum zur Bühne zu machen. Sehr zur Verwunderung der Gäste.

Mit federndem Gang betritt Cesar Pindo seinen neuen Auftrittsort. Noch trägt er einen schwarzen Trainingsanzug mit roten und gelben Streifen. Zwei Tänzerinnen vom Zirkus begleiten ihn. Immer wieder lässt er seine Arme kreisen, macht Verrenkungen und versucht, sich warm zu halten. „Der Körper darf nicht kalt werden“, sagt er auf Spanisch. Der Zirkus-Pressesprecher Patrick Adolph übersetzt. Und dann geht alles ganz schnell. Schließfach Nummer 28 soll es sein. Die hübschen Begleiterinnen haben ihre Alltagskleidung mit blau-weißen Fräcken getauscht, Netzstrümpfe und lange weiße Stiefel angezogen. Cesar Pindo schmeißt sich noch einmal das rechte Bein über die Schulter, streift den Trainingsanzug ab und ist in wenigen Sekunden auch schon im türkisfarbenen Schrank verschwunden. Komplett! Ein letzter Blick auf sein kleines Publikum, und die Tür geht zu.

Als er die Metalltür wieder aufstößt, hat er den hinteren Arm am Kopf vorbei nach vorne geholt und winkt. Wie will er da wieder herauskommen? Aber Cesar Pindo scheint aus Knetgummi zu sein. Ruckizucki steht er auch schon wieder in voller Größe auf den Fliesen des Umkleideraums. Nochmal! Nochmal! Nochmal! Und jetzt wird genauer geschaut: Elegant schiebt er das linke Knie in die hinterste Ecke des Schließfaches, legt das Bein ab und setzt sich vorsichtig. Dann zieht er das rechte Bein an der Nase vorbei, faltet es, ruckelt sich tiefer in den Schrank, verstaut die Füße unter den Achseln und schließt die Tür. Oben über seinem Kopf hätte man sogar noch einen kleinen Rucksack verstauen können, so klein macht sich der 1,62 Meter große und 62 Kilogramm schwere Mann.

Er brachte sich die Kunst selbst bei

In Ecuador wuchs er bei seinen Eltern auf einer Bananenplantage auf. Schon als kleiner Knirps war Cesar beweglicher als andere in seinem Alter. Gymnastik war damals seine Sportart. „Mehrere nationale Wettbewerbe habe ich gewonnen“, sagt er. „Mit 15 hab’ ich dann damit aufgehört und bin zum Zirkus gegangen. Das hatte mich schon immer fasziniert.“ In seiner Heimat seien Zirkusse hoch angesehen. Zunächst fing er als Akrobat an. Machte Handstand, jonglierte. „Beim Dehnen und Warmmachen habe ich schnell gemerkt, dass ich meinen Körper sehr belasten kann“, erzählt er. Als er andere Artisten beim „Verdrehen“ sah, verliebte er sich in diese Kunst und brachte sich den „Kontorsionismus“ selbst bei.

Er kletterte in Waschmaschinen, Holzkisten, Aquarien. Faltete sich immer wieder zusammen. Er stellte fest, dass ein voller Magen nicht gut für die Übungen ist. Seitdem isst er nur morgens und spät abends nach den Vorstellungen. Fit hält er sich jeden Tag. Drei bis vier Stunden. Vor jedem Auftritt macht er sich eine halbe Stunde warm. „Sonst kann man schnell Krämpfe bekommen“, sagt er. Und das sei das Letzte, das man in so einer eingequetschten Situation gebrauchen kann.

Zirkus Charles Knie

Noch bis Sonntag gastiert Zirkus Charles Knie auf dem Kieler Wilhelmplatz.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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