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Seit 25 Jahren eine Institution

„Chaplin’s“ in Kiel Seit 25 Jahren eine Institution

Es gibt Orte, die sind einfach wie sie sind. Seit 25 Jahren trifft das fürs „Chaplin’s“ zu. Klassisch eingerichtet, dezente Musik, kein Schnickschnack – und Gäste, die genau dies zu schätzen wissen.

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Paolo Lascari und seine Frau Tanja sind auch beruflich ein eingeübtes Gespann.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Der Gründer des „Chaplin’s“ ist Legende. Billy Ogleby mixte im März 1991 seine ersten Cocktails in dem Haus in der Waisenhofstraße und eroberte sich bald eine treue Fangemeinde. Es passte halt auch wirklich schön mit dem Engländer und seiner stilecht englisch gehaltenen kleinen Bar. Zehn Jahre später packte Ogleby gleichwohl die Wanderlust. Er zog nach Teneriffa, wo er bis heute ein Hotel managt. Und natürlich eine Bar dazu.

 „Billy war eine Institution“, erinnert sich Andy Kock, Stammgast der ersten Stunde und immer noch befreundet mit dem „Chaplin’s“-Gründer. Und natürlich, so berichtet Kock, freut sich der Ausgewanderte von ganzem Herzen, dass sein Kieler Baby allen Launen der gastronomischen Szenen zum Trotz nach wie vor ein gedeihliches Dasein fristet.

 So ganz selbstverständlich ist das nicht. „Der Wechsel war sehr schwierig“, sagt Paolo Lascari, der Barkeeper im Hotel „Maritim“ gewesen war und dann die Nachfolge des legendären Billy antrat. Das Publikum musste sich erst einmal daran gewöhnen, dass nun ein Neuer hinterm Tresen stand, kein Engländer, sondern ein Italiener.

 Geändert hat sich davon abgesehen wenig. „Der Stil und das Konzept sind gleichgeblieben“, betont Lascari, dessen Cocktail-Karte jede Menge eigene Kreationen umfasst und der nach eigenen Worten allergrößten Wert auf „Top-Qualität“ legt: „Es gibt nichts, was ich nicht probiert und für gut befunden habe.“

 Dennoch lebt der Gast nicht vom Drink allein. Lascari, an dessen Seite seit sieben Jahren seine Frau Tanja arbeitet, ist in diesem Sinne ein Gastgeber wie aus dem Lehrbuch. Hat stets einen Blick auf die Bedürfnisse der Besucher. Er kommuniziert, ohne sich aufzudrängen, prägt mit seinem Stil den ganzen Raum. Hoch geschätzt wird der 52-Jährige von Frauen, die sich in seiner Bar bestens behütet fühlen, wenn sie ohne Begleitung kommen. Aufdringlichkeiten duldet Lascari unter keinen Umständen: „Ich bin ja der Kapitän auf dem Schiff. Und wenn jemand belästigt wird, gehe ich sofort dazwischen.“

 Nötig ist das selten. Die Atmosphäre des „Chaplin’s“ scheint irgendwie ganz von allein auf die Gäste abzufärben. Und so wundert es nicht, dass deren Altersspektrum von 18 bis 80 reicht, weil sich halt alle wohlfühlen. Lorenz Kock und Birte Matthiessen gehören zu den Jüngeren, schauen immer mal wieder in der Waisenhofstraße vorbei. „Ein schönes Ambiente, gute Qualität, faire Preise“, begründet Lorenz Kock das in knapper, norddeutscher Art.

 Andy Kock, mit seinem Nebensitzer nicht verwandt, ist derweil seit 22 Jahren Stammgast. Das „Chaplin’s“ ist für ihn „the finest bar in town“, war zeitweise sein zweites Wohnzimmer. Heute kommt er nicht mehr ganz so oft, aber „immer wieder gern“, wie er betont.

 In gewisser Weise ist das „Chaplin’s“ sogar die älteste Cocktailbar der Stadt. Zwar können Hotelbars von „Astor“ und Co. auf eine längere Geschichte verweisen, als eigenständige Einrichtung hat Paolo Lascaris Haus aber die wohl größte Tradition in Kiel. Und die kreativste sowieso: Fast alle Bilder, die an den Wänden hängen, sind vom Chef persönlich gemalt. Darunter selbstverständlich auch einige Porträts von Charlie Chaplin.

 Sein 25-jähriges Bestehen feiert das „Chaplin’s“ den ganzen März über mit besonderen Cocktail-Angeboten. Und am 17. März in geschlossener Gesellschaft mit den Stammgästen.

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