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Seniorinnen mit perfider Masche bestohlen

Chauffeur eines Trickdiebs Seniorinnen mit perfider Masche bestohlen

An Verwandten-Besuch glaubte eine 90-jährige Kieler Seniorin, als im März 2015 an ihrer Wohnungstür am Charles-Roß-Ring im Stadtteil Projensdorf ein angeblicher Neffe klingelte. Unter dem Vorwand, Bargeld deponieren zu wollen, ließ sich der vorbestrafte Trickdieb zeigen, wo sie Geld und Schmuck aufbewahrte.

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Die Seniorin ging fälschlicherweise davon aus, dass der Trickdieb als Neffe Geld bei ihr deponieren wollte.

Quelle: Marijan Murat/dpa

Kiel. Und machte rund 3000 Euro Beute. Am Mittwoch war die Masche erneut Gegenstand eines Prozesses im Kieler Amtsgericht. Der einschlägig vorbestrafte Haupttäter (55) aus Neumünster war bereits im Januar wegen besonders schweren Diebstahls in drei Fällen zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht ließ Milde walten, weil er den verunsicherten Opfern mit seinem rückhaltlosen Geständnis den Zeugenauftritt ersparte. Den finanziellen Schaden muss er vier Jahre lang mit monatlich 200 Euro wiedergutmachen.

Sein gestern wegen Beihilfe angeklagter Komplize hatte den Trickdieb in dessen Fahrzeug zu weiteren Tatorten nach Hamburg und Bremen chauffiert. Der 50-jährige Fahrer zeigte sich nach anfänglichen Beschönigungsversuchen ebenfalls voll geständig. Ja, er habe gewusst, worum es bei den Diebestouren ging, räumte er schließlich ein. Das Urteil: sechs Monate auf Bewährung. Der gelernte Maurer, der seit Jahren Hartz IV bezieht, stehe selbst nicht auf der Sonnenseite des Lebens, betonte sein Verteidiger. Wegen chronischer Bronchitis könne er nur stundenweise arbeiten, bessere so seine Sozialhilfe um monatlich 50 Euro auf. Der Haupttäter habe ihn gelegentlich als Bauhelfer beschäftigt.

Geschickter Allround-Handwerker

Für den Chef habe der geschickte Allround-Handwerker auf Abruf Teppiche und Fliesen verlegt, mal ein Fenster ausgewechselt, mal leichtere Estricharbeiten ausgeführt. Dann kam der Auftrag, ihn in Vorstadtgebiete mit Mehrfamilienhäusern zu fahren. Wo die Anonymität groß und die Anteilnahme am Leben der Nachbarn klein ist, so der Plan.

Der perfide Trick des Haupttäters: Als angeblicher Verwandter trug gegenüber den körperlich und geistig eingeschränkten Seniorinnen einen scheinbar unverfänglichen Wunsch vor: Die harmlose Bitte, in ihrer Wohnung für kurze Zeit einen Umschlag voller Geldscheine deponieren zu dürfen, weckte bei den bis zu 91-Jährigen keinen Verdacht. Sie glaubten, der Besucher wolle ihnen nichts wegnehmen, sondern etwas anvertrauen.

150 Euro an den Weißen Ring

Weil der Trickdieb jedoch stets darauf bestand, sein „Urlaubsgeld“ während eines Einkaufs vorübergehend an einem sicheren Ort zu hinterlegen – am besten direkt neben den Wertsachen des Opfers, erfuhr er in allen drei Fällen, wo die Frauen Bargeld und Schmuck verwahrten.

Von den Details der Tatausführung und von den Opfern habe sein verschuldeter Mandant nichts gewusst, gab der Verteidiger zu bedenken. Dafür habe der Fahrer, der im Fluchtwagen auf den Täter gewartet habe, erheblichen Respekt vor diesem gehabt. „Das ist so eine Clan-Familie“, bestätigte der Angeklagte, „da fragt man lieber nicht so viel, weil man keinen Ärger möchte.“ Er muss jetzt 150 Euro an die Opferorganisation Weißen Ring zahlen.

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