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Naturpädagogik als Exportschlager

Chinesische Delegation in Kiel Naturpädagogik als Exportschlager

„Wir sind nicht nur an deutscher Technik interessiert, auch an deutscher Philosophie und Pädagogik.“ Di Wang und 14 weitere Gäste aus China reisen mit ungewöhnlichen Import-Absichten durch Norddeutschland: Sie wollen lernen, wie hierzulande Natur- und Waldkindergartenpädagogik funktioniert.

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Die asiatischen Besucher fotografierten eifrig, wie die Falckensteiner Strandkinder ihre Fänge aus dem Meer sichteten.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Erste Station war am Dienstagmorgen der Strandkindergarten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Falckenstein. Und ganz so, wie es dem Klischee von Reisenden aus Fernost entspricht, wurde dabei aufs Munterste fotografiert. Dabei blieb es jedoch nicht, denn die chinesische Delegation, die überwiegend aus Leitungskräften und Trägern von Kindergärten in Peking besteht, gab sich äußerst wissbegierig. Wer die Kosten trägt, wie die Kinder überhaupt zum Strand kommen – kein Detail blieb ungefragt. Und es offenbarten sich durchaus kulturelle Unterschiede. Eher schwer taten sich die Gäste mit der Vorstellung, dass die 66 die Natur erkundenden Kinder in ihren drei Gruppen zwar unter Aufsicht, aber auch mit viel Freiheit ihren Tag verbringen. Wie es denn mit der Unfallgefahr stünde und ob es überhaupt einen Tagesplan gebe, wollten sie wissen. Kindergartenleiterin Cordula Steinke antwortete entspannt: „Geplant ist nur, wann es losgeht und wann Mittagessen ist, der Rest hängt vom Wetter ab.“

Inhaltlich steht laut Cordula Steinke im Strandkindergarten – wie sollte es anders sein – „alles mit Natur und Umwelt“ im Mittelpunkt. Die Leiterin zeigte der Delegation das Aquarium mit den aus der Ostsee gekescherten Kleintieren, die Kräuter- und Blumenbeete im Garten, eine Reihe von allseits als äußerst putzig empfundenen bepflanzten Gummistiefeln und vieles Unbekannte mehr.

Deutschland als Vorreiter für Asien

„Deutschland ist in der Naturpädagogik Vorreiter für ganz Asien“, weiß Ute Schulte-Ostermann, die als Vorsitzende des Bundesverbands Natur- und Waldkindergartenpädagogik immer mal wieder Gäste aus diesem Teil der Welt durch die Kieler Einrichtungen führt. Vor einiger Zeit waren bereits Interessierte aus Japan und Korea in dem Friedrichsorter Kindergarten, und das offenbar nicht ergebnislos. Vor allem in Korea, so berichtet Schulte-Ostermann, breite sich diese Art der Pädagogik stark aus – bislang allerdings nur in privaten und entsprechend kostspieligen Einrichtungen.

China indes, davon ist Di Wang, der in Erfurt Philosophie und Landschaftsarchitektur studiert hat, fest überzeugt, bietet für Naturkindergärten große Potenziale. Die vielerorts unübersehbare Umweltproblematik in seiner Heimat führe zu einer „Sehnsucht nach Natur“ und auch staatlicherseits zu einem Umdenken. Dass es wichtig sei, jungen Menschen früh einen neugierig-respektvollen Umgang mit ihrer Umwelt beizubringen, sei an den offiziellen Stellen absolut angekommen.

Der Waldorfkindergarten in Kiel und der Naturkindergarten in Preetz standen am Dienstag ebenfalls auf dem Programm der Delegation. Außerdem sind für die nächsten Tage Visiten bei entsprechenden Einrichtungen in Flensburg, Glücksburg und Niedersachsen geplant. Am Donnerstag absolvieren die Chinesen im Naturerlebniszentrum Kollhorst einen erlebnispädagogischen Workshop des Instituts für Weiterbildung der Fachhochschule Kiel.

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