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Rückkehr eines chinesischen Freundes

Kiel Rückkehr eines chinesischen Freundes

Dass chinesische Mediziner Kollegen an deutschen Krankenhäusern über die Schultern schauen, ist nicht ungewöhnlich. Aber der Kiel-Aufenthalt von Prof. Hanxin Zhou am Universitätsklinikum 1987 fiel aus dem Rahmen: Der damals 36-Jährige kam, obwohl bereits Oberarzt, als erster Hospitant aus China, um zu lernen, wie man ein Großkrankenhaus managt. Jetzt kehrte Zhou als Ruheständler an seine alte Wirkungsstätte zurück. Es wurde ein Treffen unter Freunden.

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Begleitet von seiner Frau Zhihong besuchte Hanxin Zhou (links) mit Hans-Jürgen Wiese und Chirurg Peter Dohrmann (rechts) nach 27 Jahren wieder das Kieler Universitätsklinikum.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Volker Vollertsen, damals Einkaufschef der Klinik, erinnert sich, wie der junge Arzt damals mit zwei Koffern und einer Reisetasche in Norddeutschland anreiste. Ein Jahr lebte er im Personalwohnheim direkt auf dem Klinikgelände, in dem er sich sehr wohl gefühlt hat. Zhou bedauert daher beim Rundgang über das durch viele Baustellen aufgerissene Areal, dass das Heim verschwunden ist: Dort steht heute das neue Parkhaus und Informationszentrum.

 Auch damals war vieles anders und fremd für den jungen Chinesen aus der Millionenstadt Wu Han: Zhou lernte Deutsch am Goethe-Institut zumindest so gut, dass ihm die Verständigung hinterher kaum Probleme bereitete. Aber warum kam er ausgerechnet nach Kiel? „Kiel hatte damals schon einen guten Ruf. Ich wollte in den Norden, um die Menschen kennenzulernen“, erzählt er. Das ist ihm offenbar gut gelungen. Denn 27 Jahre lang riss der Faden zwischen Vollertsen, dem damaligen Verwaltungsdirektor Hans-Jürgen Wiese und dem damaligen zuständigen Mitarbeiter für den Fuhrpark und Reinigungswesen, Jürgen Howald, nicht ab. Zhou wurde von den dreien kurzerhand in die Familien integriert, feierte Weihnachten mit Wieses, war Gast bei der Hochzeit von Howalds Tochter, radelte mit ihnen gemeinsam um den Lanker See, war bei Ausflügen nach Helgoland und Föhr dabei. Die wichtigste Verbindung in seine Heimat war das Telefon, denn seine Frau Zhihong, eine Anästhesistin, war mit der kleinen Tochter in China geblieben.

 Wiese drückte ihm damals einen Haufen Fachliteratur über das Krankenhauswesen in die Hand, erklärte ihm die Strukturen des Klinikums und nahm ihn mit in Verwaltungsratssitzungen, Direktorenkonferenzen und Pflegesatzverhandlungen. Er durchlief, so Wiese, fast alle Dezernate der Zentralverwaltung und am Ende auch die endoskopische Abteilung, sein Spezialgebiet: „Mir hat es viel Freude gemacht.“ Zhou, der sein einziger Hospitant aus dem Ausland blieb, sagt noch heute: „Ich habe hier am Universitätsklinikum viel gelernt und erlebt, wie freundlich die Menschen sind.“ Kiel empfinde er wie seine zweite Heimat. Vor allem zwei Dinge haben ihn beeindruckt: die Art und Weise, wie in Deutschland Bewerbungen um Spitzenpositionen ablaufen und dass Patientenbehandlungen über Krankenversicherungen finanziell abgesichert sind. „Bei uns war es damals noch üblich, dass immer der Vize nachrückte, niemals einer von außen“, sagt Zhou. Auch war es an der Tagesordnung, dass Familien für die Krankenhauskosten eines Angehörigen aufkommen mussten. Heute, berichtet der Professor, der einige Jahre nach seinem Kieler Aufenthalt die Leitung eines 3000-Betten-Krankenhauses in Chen Zen übernahm, habe China in beiden Bereichen nachgezogen. Bei seinem Rundgang mit Prof. Peter Dohrmann, Leiter der Sektion für Thoraxchirurgie, erfuhr er, wie viel sich auch in Kiel verändert hat: Als er hospitierte, hatte das Klinikum noch 1600 Betten, heute sind es etwa 900.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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