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Kieler Know-how für Missionen ins All

Christian-Albrechts-Universität Kieler Know-how für Missionen ins All

Als heute vor genau 30 Jahren die Raumstation „Mir“ Richtung Weltall abhob, schaute die ganze Welt zu. Auch Kieler Wissenschaftler hatten das gigantische Projekt damals im Blick. Seit den 60er-Jahren hat sich die Christian-Albrechts-Universität (CAU) einen hervorragenden Ruf in der Teilchen-Messung erarbeitet.

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Diese Bauteile von Kieler Experimenten waren damals schon mit auf der Raumstation „Mir“. In der Teilchenforschung sind die Kieler Wissenschaftler, zu denen die Weltraumphysiker Prof. Robert Wimmer-Schweingruber (links) und Dr. Sönke Burmeister gehören, nach wie vor weltweit ganz weit vorn.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. So kam es, dass auch Instrumente aus der Landeshauptstadt in den 90er-Jahren zur „Mir“ mit in den Orbit geschickt wurden, um die Strahlungsumgebung zu messen. Seitdem vergeht kaum eine große Mission, bei der nicht das Kieler Know-how mit an Bord ist. Vielleicht können mit Hilfe der Kieler eines Tages die Ur-Fragen der Menschheit beantwortet werden: Woher kommen wir? Gibt es irgendwo da draußen noch weiteres Leben?

„Das klingt jetzt sehr philosophisch“, sagt Dr. Sönke Burmeister (44) verschmitzt, „aber solche Fragen stellen wir uns tatsächlich.“ Im Alltag beschäftigt sich der Weltraumphysiker zwar eher mit sehr praktischen Dingen, aber im Grunde stehe hinter all den Bemühungen das Verstehen der Welt. Aktuelles Beispiel ist gerade die Mars-Mission mit dem Fahrzeug „Curiosity“, bei der die Kieler kräftig mitmischen. „Wenn wir wissen, wie sich das Klima auf dem Nachbarplaneten entwickelt hat, können wir auch Rückschlüsse auf unsere Klimaentwicklung ziehen“, sagt Burmeister, der in der Extraterrestrischen Physik des Instituts für Experimentelle und Angewandte Physik arbeitet. „Egal ob wir die Sonne, den Mond, den Weltraum oder Schwarze Löcher untersuchen. Immer können wir daraus Schlussfolgerungen ziehen – entweder auf unsere Erde oder aber auch auf Planeten, die 100 Milliarden Kilometer weit entfernt sind.“

"Wir arbeiten gerne mit Nationen zusammen"

Unter der Leitung von Prof. Robert Wimmer-Schweingruber (52) und Prof. Bernd Heber (53) steht bei den Kieler Projekten immer die Teilchenmessung im Mittelpunkt. Die ersten Detektoren, die Wissenschaftler an der CAU dafür entwickelten, wurden schon 1969 bei der deutschen „Azur“-Mission eingebaut, drei Jahre später bei der „Apollo 16“-Mission. Auch beim amerikanisch-russischen „Apollo-Soyuz“-Testprojekt in den 70er-Jahren, bei dem Docking-Manöver im Weltraum geübt wurden, waren die Nordlichter involviert.

Aktuell beobachten Instrumente aus Kiel die Sonne („Soho“-Mission), sie messen den Sonnenwind in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung („Ace“-Mission), sind beim zweidimensionalen Blick auf die Sonne dabei („Stereo“-Mission) oder zeichnen auf der ISS-Raumstation die Strahlenbelastung für Astronauten auf. „Wir Wissenschaftler arbeiten gerne mit allen Nationen zusammen“, sagt Prof. Wimmer-Schweingruber und fügt lächelnd hinzu: „Das ist auch eine wichtige friedensstiftende Maßnahme.“

Die Zukunft liegt in den Sternen

Dass die Raumfahrt auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, ist für die beiden Wissenschaftler keine Frage. „Darauf sind wir heutzutage angewiesen“, sagt Prof. Wimmer-Schweingruber. „Das fängt schon bei den profanen Dingen wie der Kommunikation an. Fernsehen, telefonieren, navigieren. Auch die Kieler Schleuse oder der Hamburger Hafen wären ohne Satelliten aufgeschmissen.“ Dann fällt ihm noch Indien ein, das jahrzehntelang die Raumfahrt für die Bildung forciert hätte. „Unterrichtsprogramme werden dort per Satellit in weit entfernte Schulen übermittelt.“ Das sei viel billiger, als Leitungen zu legen. Auch bei Operationen, in der Landwirtschaft, bei der Wettervorhersage seien Satelliten nicht mehr wegzudenken. Und irgendwann gibt es bestimmt auch eine Antwort auf die Frage: Sind wir alleine im Universum? Die pfiffigen Kieler arbeiten dran.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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