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Extra-Portion für die harte Arbeit

Cirkus Krone Extra-Portion für die harte Arbeit

Viel war auf dem Wilhelmplatz am Montag noch nicht zu sehen außer dem rund 3000 Quadratmeter großen Hauptzelt. Damit ab Dienstag die menschlichen und tierischen Stars des Circus Krone im Rampenlicht stehen können, schuftete das routinierte, 60 Mann starke Aufbauteam schwer.

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Das kennen die meisten Besucher: Mit Cirkus Krones Eingangsportal beginnt der Aufbau auf dem Wilhelmplatz.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Vier rote Masten mit je einem blauen Krönchen und eine tiefblaue Zeltplane, die ausgebreitet den größten Teil des Wilhelmplatzes bedeckte: So entstand das Herzstück der rollenden „Zirkusstadt Krone“. Mast für Mast, Meter für Meter wächst das 20 Tonnen schwere Zirkuszelt in den Himmel, immer näher an die Krönchen, bis es nach drei Stunden schließlich aufrecht und fest gezurrt in der Mitte der nostalgischen Holzwagenburg thront.

 „Ein blauer Dom der Freude“, kommentiert Krone-Sprecherin Susanne Matzenau das Bild. Und, nach eigenen Angaben, „Europas größtes Zirkuszelt“. Der Platz, sagt sie, sei „extrem zu klein“ für den Zirkus, der mit 400 Mitarbeitern, 200 Tieren, Zelt, Stallzelten, Außengehegen, Volieren, Schneiderei, Sattlerei, Werkstatt, 330 Wohn- und Gerätewagen, Schule, Küche und vielem mehr eine „Stadt in der Stadt“ sei und eine Fläche von 30000 Quadratmeter benötige.

 In Kiel muss sich die Zirkusstadt in drei Viertel aufteilen. „Manege frei“ heißt es am Wilhemplatz, dort sind auch die Tiere, die Ställe und die Tierpfleger beherbergt. Auf einer Fläche hinter dem Arbeitsamt stehen die Küche und die Wagen der Abteilungsleiter. Artisten, Techniker, die Schule und viele weitere Wagen stehen auf dem Ostufer an der Hörn. „Also wundern Sie sich nicht, wenn sie einen Clown auf einem Motorrad sehen – der fährt zur Arbeit“, sagt Susanne Matzenau, die als Biologin vor zehn Jahren zum Circus Krone stieß und seitdem die Öffentlichkeitsarbeit betreut.

 Auch sie staunt noch immer, mit welcher Geschwindigkeit das Team die Außenhülle hochzieht und per Hand die 1200 Schlaufen sichert. „Der Aufbau ist jung und männlich“, weiß sie aus Erfahrung. Viele kommen aus Rumänien oder Bulgarien, so wie Zeltmeister Anton Kierov, der jeden Handgriff kontrolliert. Die Männer freuen sich auf das Mittagessen mit vielen Kartoffeln. „An den Aufbautagen gibt es 6000 Kalorien pro Mann, die körperliche Arbeit im Zirkus ist hart.“ Bereits am vergangenen Freitag hat das Vorkommando, wie es im Zirkusjargon heißt, den Platz erkundet, die Wagenordnung festgelegt, die Ställe und die Hauptmasten aufgestellt. Die einzelnen Arbeitsschritte erfolgen nach einer strengen Choreographie, jedes Team arbeitet autark, alle Teile kommen aus eigener Fertigung. „Als Erstes machen wir alles für die Tiere fertig, dann kommt das Zelt und schließlich die Elektrik mit sieben Kilometern Kabel“, erklärt Matzenau.

 Vorab bestellt sind Heu und Stroh, frische Zweige und Futter für die Tiere: 20 Tonnen Sand, 3,5 Tonnen Heu und Stroh, 1000 Kilo Fleisch, 500 Kilo Fisch, 500 Tonnen Möhren, Äpfel und Grünfutter. „Ich brauche außerdem Salz für das Wasser der Seelöwen“, sagt Tierlehrer Roland Duss, der die 100000 Liter Salzwasser für seine vier kalifornischen Ohrenrobben selbst mischt. So viel Exotik mitten in der Stadt lockt schon jetzt Zuschauer an. Sie fotografieren den Zeltaufbau und spähen neugierig in die Stallungen und Volieren. Ab heute geht das auch von innen: Der Krone-Zoo ist am Premierentag von 10 bis 13 Uhr kostenlos geöffnet, an allen anderen Tagen ab 10 Uhr zum Preis von vier Euro (Erwachsene) und drei Euro (Kinder). „Dabei können sich Besucher persönlich von unserer guten Tierhaltung überzeugen“, betont Matzenau.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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