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Dem Plastikmüll auf der Spur

Citizen-Science-Projekt Dem Plastikmüll auf der Spur

Das Wetter war den Achtklässlern zu gönnen, ihre Aufgabe weniger. Unter blauem Himmel über Kiel klaubten die Schülerinnen und Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Neumünster aus dem Sand des Falckensteiner Strandes alles heraus, was andere liegen gelassen oder irgendwann ins Meer geworfen hatten.

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Alexander-von-Humboldt-Gymnasiasten aus Neumünster mit Lehrerin Heike Beushausen (hinten, links) am Falckensteiner Strand mit Minister Robert Habeck (vorn, Mitte), CAU-Vizepräsidentin Prof. Ilka Parchmann (vorn, rechts), Dr. Katrin Knickmeier und Katrin Kruse (vorn, 1. u. 3. von links) von der Kieler Forschungswerkstatt

Quelle: Christian Trutschel

Kiel. Dabei galt ihr Haupt-Augenmerk am Mittwoch Plastik in allen Varianten, also der Sorte Müll, die mittlerweile den ganzen Globus und alle Weltmeere belastet – und am Ende der Nahrungskette auch die Verursacher. Die Aktion war Teil einer systematischen und länderübergreifenden Plastikmüll-Erfassung und -Kartierung. In einem Transsekt genannten Areal, das in Falckenstein von der Wasserlinie bis zum Deichweg reichte, wurden sechs Felder à drei mal drei Meter nach definierten Kriterien gleichmäßig verteilt, abgesteckt und dann sauber abgesammelt. Wie die Schüler aus Neumünster nahmen und nehmen 31 andere deutsche Schulklassen und, mehr als 10000 Kilometer entfernt, 40 chilenische Schulklassen Stichproben nach derselben Methode, jeweils entlang der gesamten Küstenlinie, die in Deutschland auf fünf Bundesländer verteilt und in Chile fünfmal so lang ist. Für den Austausch von Daten und die Kommunikation, auf Spanisch oder Englisch, nutzen die Schüler das World Wide Web. Die Website www.save-ocean.org ist in Teilen für externe Nutzer einsehbar und noch im Werden.

„Dem Plastikmüll auf der Spur“ ist das erste Citizen-Science-Projekt der Kieler Forschungswerkstatt. Zum operativen und unterstützenden Netzwerk gehören das ozean:labor unter Leitung der Meeresbiologin Dr. Katrin Knickmeier, die Biologie- und Chemie-Lehrerin Katrin Kruse, der Exzellenzcluster Ozean der Zukunft, das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), das Landesministerium für Schule und Berufsbildung und die Lighthouse Foundation.

Die Schirmherrschaft für den schleswig-holsteinischen Part hat Landesumweltminister Robert Habeck übernommen. „Projekte wie „Dem Plastikmüll auf der Spur“ geben Schülerinnen und Schülern das so wichtige Handwerkszeug für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt mit“, erklärte Habeck, als er am Mittwoch eine Stunde lang mit den Schülern sprach und Interviews gab. „Die Vermüllung der Meere zu stoppen, ist mir ein Herzensthema, und ich freue mich sehr über das Engagement der Kieler Forschungswerkstatt, jungen Menschen diese Thematik näher zu bringen.“ Zu den Schülern sagte Habeck: „Meeresschutz ist ein Megathema, aber es ist sehr schwer, es auf die politische Agenda zu bekommen. Viele trauen sich da nicht ran, weil dieses Problem so groß ist, und weil das Meer niemandem gehört. Irgendjemand muss anfangen, so wie ihr, danke dafür. In 20, 30 Jahren werdet ihr es sein, die politische Verantwortung tragt.“

Ob und wie sich auch die Einstellung der Schüler entwickelt, ob sie sich zutrauen, etwas zu verändern, oder Interesse bekommen, Wissenschaftler zu werden, untersuchen im Laufe des Projekts die Kieler Universität (CAU) und IPN gemeinsam. Eine solche Kooperation „gibt es nirgendwo in Deutschland“, betonte Prof. Ilka Parchmann, CAU-Vizepräsidentin und Chemie-Didaktikerin am IPN.

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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