4 ° / 3 ° Schneeregen

Navigation:
Einblicke in die Flüchtlingsunterkunft

Containerdorf am Poggendörper Weg Einblicke in die Flüchtlingsunterkunft

Mit einem Tag der offenen Tür informierte die Stadt am Montagabend über das neu entstandene Containerdorf für Flüchtlinge am Poggendörper Weg. Das Interesse war groß. Viele Stadtteilbewohner informierten sich aus erster Hand über die Planungen der Stadt. Insgesamt können in den Wohncontainern bis zu 112 Menschen leben. Die ersten Flüchtlinge sollen im Laufe des Septembers einziehen.

Voriger Artikel
Bunt und vielfältig in die Zukunft
Nächster Artikel
Anonyme spendierten Kiel ein paar Schaukeln

Die zahlreichen Besucher konnten auch Blicke in das Innere des Containerdorfes werfen, das im Laufe des Septembers bezogen wird.

Quelle: Volker Rebehn

Neumühlen-Dietrichsdorf. Insgesamt können in den Wohncontainern bis zu 112 Menschen leben. Die ersten Flüchtlinge sollen im Laufe des Septembers einziehen.

Eigentlich sollte das Dorf gleich nach den Sommerferien genutzt werden können. Die seit April laufenden Arbeiten hätten sich aber, erklärte Stadtrat Gerwin Stöcken, leicht verzögert. Strom- und Wasserleitungen müssten noch gelegt werden. In einigen Tagen sei aber alles fertig. „Wir haben hier keinen Luxus organisiert, sondern bieten den zukünftigen Bewohnern ein anständiges Dach über dem Kopf“, sagte Stöcken. Insgesamt seien 56 Wohncontainer aufgestellt worden, in denen 18 Familien mit jeweils bis zu vier Personen und 40 Einzelpersonen (zwei pro Container) untergebracht werden können. Zunächst sollen die 29 Flüchtlinge einziehen, die bis zu Beginn der Sommerferien in der ehemaligen Adolf-Reichwein-Schule untergebracht waren, dann aber vorübergehend in die Unterkunft im Schusterkrug umgezogen sind.

 Wegen der zuletzt stark zurückgegangenen Flüchtlingszahlen – 2016 kamen bisher etwas mehr als 900 nach Kiel, 2015 waren es von Juni bis Dezember insgesamt 3500 – konnte Stöcken die Frage der Stadtteilbewohner nicht beantworten, wie viele Flüchtlinge wohl nach Neumühlen-Dietrichsdorf kommen würden. Einige zeigten sich verwundert, dass angesichts der aktuell rückläufigen Zahlen einige Unterkünfte in Kiel nur wenig belegt sind (wie auf dem Nordmarksportfeld), in Neumühlen-Dietrichsdorf aber ein neues Containerdorf gebaut werde. Stöcken verwies auf die unterschiedlichen Zuständigkeiten von Stadt und Land und meinte, dass Familien von Flüchtlingen nachkämen und die Zahlen möglicherweise wieder steigen könnten. Für Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge habe die Stadt bisher ungefähr acht Millionen Euro aufgebracht. Dazu kämen weitere drei Millionen Euro für die Containerdörfer auf dem Tempest-Parkplatz in Schilksee und auf dem früheren Gildeplatz in Neumühlen-Dietrichsdorf. In dem Ostuferstadtteil soll das Containerdorf zwei bis drei Jahre stehen.

 „Als die vielen Flüchtlinge 2015 kamen, haben wir von Stunde zu Stunde gedacht, und manchmal habe ich nicht geglaubt, dass wir es schaffen“, räumte Stöcken ein. Doch man habe es hinbekommen. Den Neumühlen-Dietrichsdorfern bescheinigte der Stadtrat, dass „sie es gut gemacht“ hätten. Damit sprach er auch die örtliche Flüchtlingsinitiative an. Der lose Zusammenschluss von Privatpersonen sowie Vertretern von Institutionen und Vereinen hat sich von Beginn an um die Flüchtlinge im Stadtteil gekümmert.

 Gekümmert haben sich etliche Mitglieder auch am Montagabend. Da noch kein Wasser und Strom im Flüchtlingsdorf fließt, haben sie Kaffee und Tee in der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde gekocht, Kuchen gebacken und Sitzbänke aufgestellt. Die Stadtteilbewohner freuten sich. „Wir möchten gerne das Dorfumfeld mit in die Aktivitäten einbeziehen“, sagt Ulrike Zaczek, Mitglied der Flüchtlingsinitiative. Sie kann sich zum Beispiel vorstellen, die benachbarten Kleingärtner an der Begrünung des Flüchtlingsdorfes zu beteiligen.

 Die zahlreichen Besucher waren anfangs skeptisch, als das Dorf errichtet wurde, zeigten sich aber interessiert. „Es ist positiv, dass wir heute Einblicke bekommen haben“, meinten Karin Kleuß und Rüdiger Röhler. „Man sollte die Leute aber nicht nur in die Container setzen und sich selbst überlassen.“ Wichtig sei, dass etwas für die Integration getan werde.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3