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Coop-Erpressung: Polizei fasst Tatverdächtigen

Zwei Durchsuchungen Coop-Erpressung: Polizei fasst Tatverdächtigen

Der mutmaßliche Marzipan-Erpresser, der drei Millionen Euro von Coop forderte, ist am Montagmorgen in seiner Wohnung festgenommen worden. Der 38-Jährige hatte nach Informationen der Kieler Nachrichten erneut mit Gift-Anschlägen gedroht. Zeitgleich gab es eine weitere Durchsuchung in Kiel.

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Die Polizei stürmte in den frühen Morgenstunden die Wohnung des mutmaßlichen Coop-Erpressers.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Der Coop-Erpresser, der seit Tagen in Kiel Angst und Schrecken verbreitet hat, ist offenbar gefasst. Am Montagmorgen um vier Uhr stürmte ein Sondereinsatzkommando der Polizei eine Erdgeschoss-Wohnung in der Innenstadt von Kiel und nahm einen Mann fest, wie LKA-Sprecherin Jana Maring vor Ort bestätigte. Der Mann wurde gegen 6.20 Uhr abgeführt und mit einem Streifenwagen zur Polizei gebracht. Noch im Laufe des Montags soll er einem Haftrichter vorgeführt werden. Aktuell befindet sich der 38-Jährige im Polizeigewahrsam.

"Wir können damit eine weitere Bedrohung in Kiel ausschließen", sagte LKA-Sprecherin Jana Maring den Kieler Nachrichten. Der Unterricht an den Kieler Schulen konnte somit wie geplant am Montag aufgenommen werden. Zugleich erinnerte ein Polizei-Sprecher an die bestehende Warnung, bei gefundenen Lebensmitteln besondere Vorsicht walten zu lassen. Vom Verzehr werde dringend abgeraten.

Wohnung an der Kiellinie durchsucht

Zeitlgeich zum Einsatz an der Fleethörn wurde am Montagmorgen eine Wohnung an der Kiellinie gestürmt - und zwar die der Eltern des mutmaßlichen Epressers. Das LKA bestätigte gegenüber den Kieler Nachrichten, dass die Durchsuchung im Zusammenhang mit dem Erpressungsfall stünde. Eine Festnahme habe es nicht gegeben.

Coop wird erpresst: Hier sehen Sie Bilder vom Einsatz von der Festnahme des mutmaßlichen Marzipan-Erpressers im Morgengrauen in der Straße Fleethörn in Kiel.

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Die Ermittlungen seien trotz der Festnahme des 38-Jährigen noch nicht abgeschlossen, hieß es am Montagmorgen. Eine zweite Person, die sich in der Wohnung aufhielt, soll nicht an dem Erpressungsversuch beteiligt gewesen sein.

Tatverdächtiger saß offenbar in China im Gefängnis

Nach dpa-Informationen soll es sich bei dem Festgenommenen um einen Kieler handeln, der vor einigen Jahren 14 Monate in China im Gefängnis saß. Gemeinsam mit seiner Mutter soll er eine Webseite betreiben, auf der unter anderem über die Schicksale inhaftierter Deutscher im Ausland berichtet wird.

Erpresser drohte mit weiteren Gift-Anschlägen

Der Erpresser hatte am Wochenende erneut mit Gift-Anschlägen gedroht und von Coop drei Millionen Euro in der Internetwährung Bitcoin verlangt. Dabei habe der Täter jedoch einen Weg vorgeschlagen, der nach Angaben eines Coop-Vorstandsmitglieds rein technisch gar nicht möglich sei. Der Erpresser beharrte jedoch darauf, dass Coop – anders als behauptet – sehr wohl die geforderte Summe in Bitcoins zahlen könne. Polizeisprecher Torge Stelck betonte dagegen: Es sei nicht ohne weiteres möglich, eine größere Summe an Bitcoins zu beschaffen. „Hier ist eine vorherige Absprache mit privaten Tauschbörsen und Betreibern von Bitcoin-Börsen notwendig.“

Hintergrund: Bitcoin

Bitcoin ist eine digitale Währung, die im Internet entstand. Sie ist seit 2009 im Umlauf. Bitcoins werden in komplizierten Rechen-Prozessen erzeugt, können aber auch im Internet mit etablierten Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. Sie kommen vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz. Bitcoins sollen einen Zahlungsverkehr ermöglichen, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert. Wegen geringer Kontrolle und großer Schwankungen sind Bitcoins umstritten. Als Urheber des Bitcoin-Konzepts gilt eine Figur namens Satoshi Nakamoto. Wer sich dahinter verbirgt, ist ungeklärt.

Gleichzeitig stellte der Marzipan-Erpresser am Wochenende erstmals einen Zusammenhang zu der geplanten Fusion zwischen Coop und dem Lebensmittelkonzern Rewe her.

Der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt hatte am Sonntagabend das Vorgehen des Täters als „besonders hinterhältig“ kritisiert. Details zu dem Einsatz will die Polizei im Laufe des Vormittags bekanntgeben.

Stadtspitze gratuliert der Polizei

Mit großer Erleichterung reagiert auch die Kieler Stadtspitze auf die Festnahme des Tatverdächtigen. „Die Polizei hat mit großer Tatkraft ermittelt und wurde belohnt. Wir bedanken uns bei allen, die zum Fahndungserfolg beigetragen haben, ganz herzlich. Das war richtig gute Arbeit“, sagten Bürgermeister Peter Todeskino und Schuldezernentin Renate Treutel am Montag. Der mutmaßliche Erpresser habe Eltern und Kinder in Angst und Schrecken versetzt. Es sei beruhigend zu wissen, dass er nun in Gewahrsam genommen sei und dass sichergestellt werden konnte, dass kein Kind zu Schaden gekommen ist. „Die weiteren Ermittlungen werden zeigen, welchen Hintergrund der Erpressungsfall hat. Eltern können ihre Kinder nun wieder ohne Sorgen zur Schule schicken“, machte Treutel klar. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der zurzeit mit dem Aufsichtsrat des Kieler Seehafens in Göteborg unterwegs ist,  sprach via Facebook den Ermittlern ebenfalls „ein dickes Dankeschön“ dafür aus, dass sie dem „beängstigenden Spuk“ ein Ende bereitet haben.

Chronologie der Coop-Erpressung

Die Erpressung begann in der vergangenen Woche: In der Nacht zum Dienstag hatte die Reventlou-Schule in Kiel eine Mail mit dem Hinweis bekommen, dass auf dem Hof vergiftete Marzipan-Herzen ausgelegt worden seien. Sie waren mit einer Substanz versetzt, die gesundheitliche Beschwerden hätte auslösen können. Schwere Folgen oder gar Lebensgefahr schlossen Experten aber aus.

Am Freitag sprach der Erpresser weitere Drohungen aus: An drei Kieler Schulen sollen sich explosive Gegenstände befinden. Die Polizei hat daraufhin drei Schulen in Kiel räumen lassen und durchsucht. Spürhunde und Sprengstoffexperten waren an der Muhliusschule, der Käthe-Kollwitz-Schule und die Hebbelschule im Einsatz. Am Nachmittag gab die Polizei Entwarnung für die drei überprüften Schulen.

Immer wieder werden Konzerne erpresst

Die Handelskette Coop ist nicht das erste Unternehmen, das Opfer von Erpressern wurde. Mit Bomben und vergifteten Produkten setzten Erpresser in den vergangenen Jahren Unternehmen unter Druck und forderten oft Millionenbeträge.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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Polizei rät zu Vorsicht
Foto: Die Handelskette Coop wird seit vergangener Woche erpresst. Wer dahinter steckt, ist unklar.

Noch immer ist der Marzipan-Erpresser, der drei Millionen Euro von der Handelskette Coop fordert, nicht gefasst. Nach der Durchsuchung von drei Schulen am Freitag will die Polizei am Montag aufmerksam den Schulbeginn beobachten.

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