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Handgemacht: Bier aus Kiel

Craft Beer Handgemacht: Bier aus Kiel

Zwischen Kompost-Toiletten, Textilkunst und Longboards aus Lattenrosten entsteht Kiels erstes und bislang einziges Craft Beer. In der Alten Mu, der ehemaligen Muthesius Kunsthochschule im Lorentzendamm, haben sich Max Kühl (32) und Florian Scheske (31) ein Brau-Labor eingerichtet, um Industriebier geschmackliche Vielfalt entgegenzusetzen.

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Florian Scheske (links) und Max Kühl setzen Industriebier geschmackliche Vielfalt entgegen. Seit den ersten Brauversuchen 2014 ist über ein Jahr vergangen. Inzwischen gibt es ihr Bier in über 15 Kieler Kneipen zu kaufen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Seit den ersten Brauversuchen 2014 ist über ein Jahr vergangen. Inzwischen gibt es ihr Bier in über 15 Kieler Kneipen zu kaufen. Aber auch einige Bars in Hamburg hat „Lille“ schon erobert. Sogar aus Indien kam eine Anfrage. Die Idee zu einem eigenen Kieler Bier kam Florian Scheske auf einer Australien-Reise. „Dort war Craft Beer überall. Es gab fast kein Industriebier in den Bars.“ Zurück in Deutschland schrieb er seinem Freund aus dem Design-Studium an der Muthesius Kunsthochschule eine SMS. „Ich weiß, was wir jetzt machen“, stand darin.

Designer sind Kopfmenschen

Sie trafen sich in einem Café. „Flo erzählte, dass wir Bier brauen können und dazu nur ein 2000-Euro-Gerät brauchen“, erinnert sich Max. Er war sofort begeistert. „Designer sind ja eher Kopfmenschen. Plötzlich war da etwas Reales, etwas, das man fühlen, schmecken und riechen kann.“ Noch am gleichen Abend bestellten sie einen Braumeister, ein Gerät, in dem sich alle vier Brauphasen durchführen lassen. „Bis der geliefert wurde, dauerte es vier Wochen. Die Zeit haben wir genutzt, um einen Braukurs zu belegen und uns einzulesen“, sagt Florian.

Kieler Craft Beer: Max Kühl bei der Zubereitung.

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Gleichzeitig wurden sie Experten, was den Bier-Geschmack angeht. „Wir haben in dieser Zeit bestimmt 100 Biere getrunken“, erzählt Florian. Vom leichten zum schweren, mit Augenmerk auf Aroma, Schaumigkeit und Farbe. „Craft Beer ist ein eigenes Universum.“ Es gehe um Genuss, nicht ums Saufen. Und darum, immer wieder neue Geschmacksnoten zu finden.

Einmieten als "Kuckuksbrauer"

In ihrem Labor im Impulswerk der Alten Mu experimentierten die Freunde so lange mit Hopfen, Malz und Hefe, bis sie ein Rezept gefunden hatten, nach dem sie ihr erstes Lager brauten. Dafür mieteten sie sich als „Kuckuksbrauer“ in einer Brauerei in Neustadt in Holstein ein. Im Kieler Labor experimentierten sie immer weiter. Dem Lager folgte ein Sommerbier. In diesem Jahr sollen zwei weitere dazukommen. Inzwischen ist das Bier der Firma „Lillebräu“, die nach Lillebror aus Florians Lieblingskinderbuch „Karlsson vom Dach“ benannt ist, so erfolgreich, dass die Freunde ihre eigene Brauerei in Kiel aufbauen wollen. Gemeinsam kreieren sie nicht nur neue Rezepte, brauen danach und füllen das Bier in Flaschen ab. Alles von Markenbildung über Geschäftskontakte bis hin zur Auslieferung machen sie selbst. „Wie das geht, lernen wir durch Ausprobieren“, sagt Max. Inzwischen kooperieren sie sogar mit einer Hotelküche, in der der Küchenchef aus dem Treber, einem Abfallprodukt beim Brauen, Brioche backt. Auch Braukurse bieten die Kieler Bier-Pioniere an. Ursprünglich wollten die beiden Hamburger, die unabhängig voneinander zum Studium nach Kiel kamen, nach dem Abschluss zurück in die Hansestadt. Diesen Plan haben sie inzwischen verworfen. „In Kiel sind inzwischen viele bunte, kreative Orte entstanden. Wir fühlen uns hier wohl und wollen zum Aufbau einer Kieler Craft-Beer-Szene beitragen“, sagt Florian.

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