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Cravan: Alternative zu den Etablierten

OB-Wahl in Kiel Cravan: Alternative zu den Etablierten

Vier Männer und eine Frau wollen als Oberbürgermeister-Kandidaten bei der Direktwahl am 28. Oktober das Kieler Rathaus erobern: Susanne Gaschke (SPD), Gert Meyer (CDU), Andreas Tietze (Grüne) sowie die parteiunabhängigen Kandidaten Jan Barg und Matthias Cravan. In der letzten Woche vor der Wahl beleuchten wir die persönlichen Seiten der Kandidaten.

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OB-Kandidat Matthias Cravan versteht sich als Sprachrohr der Bürger, die mit wenig Geld auskommen müssen.

Quelle: Eisenkrätzer

Kiel. Ein Interview zu Hause in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung in der Muhliusstraße lehnt der Kandidat ab. Matthias Cravan kommt lieber in die Redaktion, um zu erzählen, was ihn angetrieben hat, sich um das Oberbürgermeisteramt zu bewerben. Dabei hat er viele Jahre auf dem Bau gearbeitet, was ihn die Gesundheit kostete. Erst 45 Jahre alt, ist der gebürtige Lauenburger heute Frührentner. Und doch kandidiert er für eine Spitzenposition, die einen als Chef eines Verwaltungsapparates von 4400 Mitarbeitern bekanntermaßen bis zu 60, 70 Stunden in der Woche auf Trab hält.

Cravan ist offen: „Ich halte es für utopisch, gewählt zu werden.“ Also eine reine Spaßkandidatur? Nein, widerspricht der Kandidat, er traut sich Führung („kenne ich vom Bau und aus dem Privatleben“) und lange Bürozeiten zu. Mehr Transparenz und mehr echte Bürgerbeteiligung – dafür trete er an: „Als Unabhängiger möchte ich die Wahlbeteiligung erhöhen, um Alternativen zu den Parteipolitikern zu bieten.“ Die Parteipolitiker hätten sich schon größtenteils von den einfachen Bürgern entfernt, klagt er: „Da ich aus eigener Erfahrung deren Nöte wie Überleben mit wenig Geld und fehlende Arbeit kenne, will ich diesen Menschen ein Sprachrohr geben.“ Denn gingen zu wenige zur Wahl, gefährde das die Demokratie.

Die Idee zur Kandidatur tauchte kurz vor der Räumung im Occupy-Camp auf, das der Unterstützer der Bankenkritiker oft besuchte. Eine spontane Entscheidung, die aber schnell an Dynamik gewann, nachdem er die dazu nötigen 245 Unterschriften von Kielern und Kielerinnen eingesammelt hatte. Heute sieht sich der Einzelbewerber als Wahlkämpfer ohne Partei-Apparat im Rücken vor ungeahnte Probleme gestellt: Es fehle an zuverlässigen Leuten, um Plakate zu kleben oder ihm zu helfen, eigene Veranstaltungen zu organisieren. Vor allem fehlt es an Vorbereitungszeit und Geld: Cravan finanziert die 150 Plakate, die ihn vor dem Kieler Rathaus zeigen, selbst, obwohl er nach Abzug aller Kosten gerade mal 350 Euro zum Leben im Monat hat. „Geld ist mir egal“, sagt der Junggeselle. Freunde seien viel wichtiger.

Auch ist er nicht geübt, vor großem Publikum zu reden, gesteht Cravan ein und erinnert sich ungern an den einen oder anderen Aussetzer während einer Vorstellungsrunde. Die Folge: Er sagte alle weiteren Runden ab. Dabei, betont er, habe er klare Positionen: Die Idee einer Stadtregionalbahn? Schön, aber nicht zu finanzieren. Er lehnt einen Kiel-Kanal ebenso ab wie die geplante Ansiedlung von Möbel Kraft. Vorhandene Sportstätten und Bäder sollte man eher sanieren statt neu zu bauen, meint er und ist skeptisch, ob ein Zentralbad nicht mit zu hohen Eintrittspreisen abschreckt.

Und: Als Oberbürgermeister will er die Gesamtverantwortung für die Stadt im Blick behalten, keine Einzelinteressen verfolgen und vor allem keine Aufsichtsratsposten annehmen. Die Kandidatur, das habe er in den vergangenen Wochen gelernt, bringe ihn persönlich weiter. Was aber macht er als Wahlverlierer nach der OB-Wahl? Er werde wieder Badminton spielen, um 30 bis 40 Kilo abzunehmen, erklärt Cravan mit Blick auf den allzu prallen Bauch. „Ich koche zu gern, deutsche Hausmannskost mit zu viel Fleisch.“ Auch wird der bekennende Bücherfreund, der gern auf Flohmärkten nach Bänden stöbert, wieder mehr Zeit zum Lesen haben. Auf jeden Fall, kündigt er an, will er sich kommunalpolitisch weiter engagieren. Schließlich werde ja im Mai 2013 eine neue Ratsversammlung gewählt.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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