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Cyber-Crime in fünf Jahren verdoppelt

Schleswig-Holstein Cyber-Crime in fünf Jahren verdoppelt

Betrug beim Online-Banking, Erpressung mit Spam-Attacken, Verbreitung von Kinderpornografie. Cybercrime wächst und wächst. BKA-Präsident Ziercke setzt auf internationale Kooperation der Polizei und die bisher in Deutschland verbotene Vorratsdatenspeicherung.

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Die Kriminalität im Internet hat sich nach Angaben des Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt.

Quelle: dpa

Kiel. Die Kriminalität im Internet hat sich nach Angaben des Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. „Und das Gefährdungspotenzial ist unverändert hoch“, sagte Ziercke am Mittwoch in Kiel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner (SPD).

Laut Kriminalstatistik stieg die Zahl der Cybercrime-Fälle in Deutschland im Vorjahr im Vergleich zu 2011 um acht Prozent auf fast 64 000. Dazu zählen neben Betrugsdelikten — etwa beim Online-Banking - auch Beleidigung, Erpressung, Androhung von Amokläufen oder die Verbreitung von Kinderpornografie.

Die Aufklärungsquote von 30 Prozent nannte Ziercke völlig unbefriedigend. Denn in der Statistik seien viele Fälle nicht erfasst. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch“, sagte Ziercke. Außerdem würden einzelne Attacken, die aber Tausende Internetnutzer treffen, nur als ein Fall in der Statistik gezählt.

Einen drastischen Rückgang der Kriminalität gab es im Bereich Online-Banking durch Phishing („Identitätsdiebstahl“). Die Zahl der gemeldeten Fälle sank um 46 Prozent auf 3440. Dies sei auf die Einführung der SMS-TAN als Sicherungsverfahren der Banken zurückzuführen, erklärte Ziercke. Beim Online-Banking erhält der Kunde für jede Transaktion auf sein Handy einen Code per SMS. Für einen Betrug müsse also nicht nur der Rechner, sondern auch das Handy von Kriminellen angezapft werden. Je Phishing-Fall im Zusammenhang mit Online-Banking betrug der Schaden im Durchschnitt 4000 Euro im vergangenen Jahr.

Ziercke betonte, dass Smartphones als mobile Endgeräte aber zunehmend von Cyber-Kriminellen attackiert werden — vor allem Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android. Die Zahl entdeckter Schädlinge sprang zur Jahresmitte auf über 100 000 hoch, wie die russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky Lab feststellte. „99,9 Prozent aller neuen schädlichen Dateien greifen Android an, alles andere spielt keine Rolle mehr“, sagte kürzlich Kaspersky-Analyst Christian Funk. Auch in Apples App Store für iPhone und iPad komme es — wenn auch „sehr, sehr selten“ — vor, dass präparierte Software durch die Kontrollen des Unternehmens rutsche.

Als Hauptgrund für die geringe Aufklärungsquote der Cyber-Straftaten nannte Ziercke Datenschutz-Bestimmungen. „Wir gehören zu den Sicherheitsexoten in Europa, weil wir keine Vorratsdatenspeicherung haben.“ Breitner plädierte hier für eine einheitliche europäische Regelung, der sich dann auch Deutschland anschließen sollte. Ziercke setzte außerdem auf eine engere internationale Kooperation der Sicherheitsbehörden weltweit.

Für den Kampf gegen Internet-Kriminalität soll die Polizei in Schleswig-Holstein in Zukunft besser gewappnet sein. Breitner kündigte an, die Landespolizei zügig weiter aufzurüsten. Seit 2007 werden im Norden jährlich durchschnittlich 7600 Fälle von Cybercrime erfasst. Auch Breitner sprach von einer hohen Dunkelziffer, weil viele Fälle nicht gemeldet würden oder der Ort der Täter im In- und Ausland nicht klar sei.

Im Landeskriminalamt (LKA) soll künftig eine zentrale Ansprechstelle Cybercrime entstehen. Außerdem ist eine bessere Ausbildung und die Einstellung von IT-Spezialisten vorgesehen. Zusätzliches Geld hierfür gebe es nicht, dies müsse durch Umschichtungen im Etat erreicht werden.

Als ein Beispiel für erfolgreiche Ermittlungsarbeit nannte Breitner die Festnahme eines Cyber-Kriminellen in Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) am Mittwoch. Drei Wohnungen in Schleswig-Holstein und eine Wohnung in Hamm (Nordrhein-Westfalen) hatten Sicherheitskräfte am Morgen durchsucht. Der 20-Jährige soll sich in die Datenserver verschiedener Unternehmen gehackt und Kundendaten gestohlen haben, die er für weitere Straftaten genutzt haben soll. Außerdem soll er mit einem gleichaltrigen Mittäter bundesweit mit Phishing-Mails Konto- und Kreditkartendaten abgeschöpft haben. Gegen den 20-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen.

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