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Das ABK-Häuschen hat nur einen Makel

Kleiner Kiel Das ABK-Häuschen hat nur einen Makel

Das stille Örtchen am Kleinen Kiel hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1914 zum ersten Mal erwähnt, diente es als Wartehäuschen. Seit zehn Jahren schaltet und waltet Kai Jürgensen (50) im Auftrag des Abfallwirtschaftsbetriebs Kiel (ABK) in dem Häuschen.

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Auch die Ausgabe von gelben Säcken gehört für Kai Jürgensen (links) zum Job. Lea Hinrichsen (Mitte) und Annabell Dräger freuen sich über die zentrale Lage des ABK-Kundencenters in der Innenstadt.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Und der Arbeitsplatz ist nach seinen Angaben „nicht weit von der Perfektion entfernt“.

 Wer in das denkmalgeschützte Häuschen eintritt, versteht, warum sich der gelernte Ver- und Entsorger in dem heutigen Büro für Abfall- und Umweltberatung so heimelig fühlt: Ein Pelletofen spendet im Winter Wärme, ein hohes Fenster ermöglicht den Blick auf der Kleinen Kiel, eine Glasfront auf die Holstenbrücke. Mit seinem Kollegen Frank Wengler, der derzeit im Urlaub ist, teilt er sich hinter einem großen Tresen den Schreibtisch. Über seiner Hälfte hängt ein Wimpel des Fußballvereins St. Pauli.

 Das Schönste aber, findet Jürgensen, sind die direkten Kontakte zu seinen Kunden, die oft nach einem Einkaufsbummel oder Behördengang Beratung rund um Abfall suchen: „So ist kein Tag gleich.“ Etwa 80 Besucher schauen täglich vorbei, wollen Sperrmüll-Termine vereinbaren, Tonnen anmelden, Abfallsäcke kaufen oder sich über Umweltschutz informieren. Das Umweltschutzamt bietet in den kleinen Räumen sogar Veranstaltungen an. „Nebenbei bin ich Fremdenführer“, sagt Jürgensen und grinst. Und als ob er es geahnt hat, kommt eine ratlose Frau an den Tresen und bittet auf Englisch um Unterstützung: „Ich habe mich verirrt und keine Vorstellung davon, in welche Richtung ich gehen muss.“ Freundlich zeigt ihr der ABK-Mitarbeiter den Weg zum Hauptbahnhof auf der Karte.

 Auch Hundefreude finden bei ihm und seinem Kollegen eine freundliche Aufnahme: „Wir haben vorne eine Schale voller Wasser stehen und auch mal Leckerlis im Büro.“ Als Jürgensen, damals noch im Außendienst, vor zehn Jahren von der Daimlerstraße an den Kleinen Kiel umzog, weil der ABK eine Servicestelle im Zentrum einrichten wollte, war das Häuschen nach Denkmalschutz-Vorgaben frisch renoviert. Ein Gebäude, das zwar viel Wandel erlebte, aber mehr als 100 Jahre seine Aufgabe als öffentliche Bedürfnisanstalt behielt. Seit Kiels geliebte Straßenbahnlinie 1985 eingestellt wurde, nutzten die Reinigungskräfte den früheren Wartebereich an der Ecke Martensdamm/Rathausstraße als Aufenthaltsraum. Beste Lage und schöner Ausblick – 2003 setzte die Stadt darauf, dass wie anderenorts ein kulinarischer Treffpunkt entstehen sollte. Was aber bei den ehemaligen Toilettenhäuschen am Wilhelmplatz und am Schrevenpark gut funktioniert hat, ging bei der Bedürfnisanstalt am Kleinen Kiel schief. Die Stadt fand zwar bald ein Pächterpaar, das im „Aqua-Grill“ Pommes und Döner anbot. Doch das gastronomische Kapitel war nach der Kieler Woche 2005 vorbei. Der Imbiss war im Inneren verkommen. Nur die Wasserklosetts blieben regelmäßig (und vertragsgemäß) geöffnet.

 Nach einer Komplett-Sanierung der Fassade nach Entwürfen des Kieler Architekten Jochen Dohrenbusch eröffnete der ABK im Sommer 2006 sein Büro mitten in der Innenstadt. Man habe sich an der historischen Ansicht des Gebäudes orientiert und alte Pläne studiert, erklärte der Architekt damals. Jürgensen war von Anfang an dabei: Mittlerweile sehe er das Büro schon als „sein Projekt“, beschreibt er seine Verbundenheit mit der Aufgabe. Er betreibt sie „mit Herzblut“, auch wenn er sich manchmal Beschwerden anhören muss.

 Das Häuschen hat für ihn nur einen Makel: Es ist nicht behindertengerecht. Und so richtig still ist das Örtchen auch nicht, tobt doch davor der Verkehr. Das wird sich wohl kaum ändern, wenn nach der Fertigstellung des Kleinen Kiel-Kanals 2019 nur noch Busse und Radler über die Holstenbrücke fahren dürfen. Am ABK-Häuschen vorbei verlaufen dann die Ausweichstrecken für Autofahrer. Dennoch steht eines schon fest: Das Wasserbecken wird ein neues Kapitel in der Geschichte des Klohäuschens aufschlagen – markiert es doch an exponierter Stelle die unterirdische Verbindung zum Kleinen Kiel.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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