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Viele Strand-Webcams im Norden falsch eingestellt

Datenschützer bemängeln Viele Strand-Webcams im Norden falsch eingestellt

Mehr als nur der schnelle Check des Strandwetters: Viele Webcams an Nord- und Ostsee sind falsch eingestellt, warnt Schleswig-Holsteins oberste Datenschützerin. Werden Persönlichkeitsrechte der Urlauber verletzt, droht Betreibern ein Bußgeld.

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Quelle: Kai Pörsken (Archiv)

Kiel. Viele Webcams entlang der Strände von Nord- und Ostsee nehmen weit mehr auf als vielen Urlaubern lieb sein dürfte. Bei etwa der Hälfte der Kameras gebe es Probleme, sagte die Landesdatenschutzbeauftragte Marit Hansen am Dienstag. In diesem Sommer habe das Unabhängige Datenschutzzentrum (ULD) bereits 15 Beschwerden in diesem Bereich erhalten. Vor drei Jahren habe es dagegen insgesamt nur drei Fälle gegeben. Zuvor hatte NDR 1 Welle Nord darüber berichtet.

Problematisch wird es, wenn Menschen auf den Bildern gut erkennbar sind, die sich vor der Kamera aufhalten. Das kann bereits einen Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte darstellen, selbst wenn die Gesichter auf den Bildern im Internet nur pixelig erscheinen. „Es reicht aus, wenn sie durch etwas Auffälliges - zum Beispiel ihre Kleidung oder das mitgeführte Fahrzeug erkennbar sind“, sagte Hansen. Es reiche aus, wenn die Bekannten die gefilmte Person dadurch klar erkennen könnten.

Hansen und ihre Kollegen setzen sich nach einer Beschwerde mit den Betreibern der Webcam in Verbindung. „Die meisten von ihnen reagieren positiv“, sagte Hansen. Oftmals reiche es bereits aus, die Einstellung des Kamerawinkels zu ändern. Teilweise hilft es auch, die Zoomfunktion der Kamera auszuschalten. In anderen Fällen müsse jedoch ein anderer Ort für die Kamera gefunden werden. Beachten die Betreiber die Hinweise der Datenschützer nicht, droht ihnen im schlimmsten Fall ein Bußgeldverfahren.

Weil sich die Webcam-Betreiber in Schleswig-Holstein bisher einsichtig gezeigt hätten, musste das ULD Hansen zufolge bisher kein Bußgeld verhängen. Auch habe es im nördlichsten Bundesland noch kein Gerichtsverfahren in solchen Fällen gegeben.

Es gibt auch positive Beispiele von Tourismusanbietern im Land. „Zum Glück bekommen wir aber auch viele Anfragen von Menschen, die eine solche Webcam erst aufbauen wollen“, sagte Hansen. Die Datenschützerin geht davon aus, dass es mindestens 100 solcher Webcams im Land gibt.

Webcams an den Stränden und Promenaden von Nord- und Ostsee sind ein wichtiger Service der Tourismusbranche für Urlauber. Sie können sich via Internet über das Wetter vor Ort informieren und erhalten so einen „authentischen und werbefreien Blick“ auf den Urlaubsort, wie der Sprecher der Tourismusagentur Schleswig-Holstein, Marc Euler, sagte. Dennoch appellierte er an die Betreiber der Kameras, die Persönlichkeitsrechte einzuhalten. „Denn ein Gast, der sich beobachtet fühlt, kommt nächstes Jahr nicht mehr wieder.“

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