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Im Sog von Selfie und Delfie

Delfin-Flüsterin aus Kiel Im Sog von Selfie und Delfie

Seit drei Wochen sind die Großen Tümmler Selfie und Delfie in der Kieler Förde unterwegs. Egal wo sie auftauchen, sorgen sie für Faszination und Begeisterung. Von Anfang an von den Delfinen verzückt ist auch Judith. Die 31-jährige aus Kiel-Friedrichsort steht täglich am Ufer und versucht einen Blick auf die beiden zu werfen.

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Delfine sind Judiths Leidenschaft, das Stofftier hat sie schon seit ihrer Jugend. Jeden Tag hält sie nach den Großen Tümmlern in der Förde Ausschau.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Judith schaut durch ihr Fernglas. Die Kapuze in die Stirn gezogen, den Reißverschluss ihrer Jacke bis zum Kinn geschlossen, blickt sie angestrengt auf das Meer. Der Wind weht eisig am Leuchtturm in Friedrichsort. Judiths Hände sind rot von der Kälte. Aber die 31-Jährige stört das nicht. Sie weiß, weshalb sie hier steht. „Seitdem die Delfine da sind, stelle ich mich mindestens einmal am Tag irgendwo ans Ufer und suche sie“, erzählt sie. Das braucht sie für ihr Wohlbefinden. „Das ist etwas ganz Besonderes, dass diese Tier hier bei uns sind. Das möchte ich nutzen, wer weiß, wie lange sie noch bleiben.“

 Seit ihrer Kindheit ist Judith fasziniert von den Meeressäugern. Die junge Frau mit den langen roten Haaren muss überlegen, wie es dazu kam. „Ich weiß es nicht, eigentlich war das schon immer so“, sagt sie dann und lacht. Vor etwa 15 Jahren hatte sie eine besonders extreme Phase, erzählt sie. „Da war mein ganzes Zimmer mit Delfin-Postern tapeziert.“ Auch eine Delfin-Patenschaft für ein Tier in den Gewässern vor Peru hat sie übernommen. „Ich wollte so meinen Beitrag zum Schutz der Tiere leisten“, erzählt Judith voller Begeisterung.

Bei den Holtenauer Schleusen haben Frauke und Lars Knickrehm "Selfie" und "Delfie" beobachtet.

Quelle:

 Da war es zu erwarten, dass diese Leidenschaft wieder entfacht, wenn sich zwei Delfine plötzlich direkt vor ihrer Haustür tummeln. Ihr Wissen über die Tiere scheint Judith jetzt zugute zu kommen. „Jedes Mal, wenn ich mich ans Ufer stelle, sehe ich die beiden“, erzählt sie. Selbst wenn sie nur eine Viertelstunde Zeit hat, findet sie sie. Obwohl Judith nicht mal ein besonders gutes Fernglas hat, wie sie betont. „Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Vielleicht weiß ich einfach, wo ich gucken muss. Und Glück ist wahrscheinlich auch dabei“, sagt sie. Während Judith spricht, nimmt sie das Fernglas kaum von den Augen, zu groß ist ihre Sorge, Selfie und Delfie zu verpassen. Da taucht plötzlich eine Rückenflosse in der Ferne auf, mitten im Sperrgebiet der „Magnetischen Messstelle“. Judith ist ganz aufregt. Ab jetzt weiß sie, wo sie gucken muss, ab jetzt versucht sie, den Weg der Delfine nachzuvollziehen.

 „Sie springen gerne in die Bugwellen der Schiffe, besonders der Fähren und der großen Containerschiffe“, erzählt sie. Und richtig, als die SFK-Fähre aus Friedrichsort am Sperrgebiet entlangfährt, tauchen immer wieder am Bug Rücken- und Schwanzflossen der beiden Tümmler auf. Judith ist glücklich und legt das Fernglas gar nicht mehr aus der Hand.

 „Ich werde inzwischen schon von Leuten angesprochen, ob ich ihnen helfen kann, die Delfine zu finden“, erzählt sie. Andere freuten sich, wenn sie an die Förde kommt. „Die sind dann richtig erleichtert und sagen: Jetzt wissen wir, dass wir die Delfine bald sehen werden.“ Das sei ein schönes Gefühl, sagt Judith auch wenn sie sich selbst dieses Glück nicht erklären kann. „Manchmal frage ich mich schon, womit ich das verdient habe“, sagt sie nachdenklich.

Bilder der Delfine in der Kieler Förde finden Sie hier.

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 Besonders wichtig sei ihr, dass die beiden gut behandelt werden und die Boote nicht zu nah an die Tiere heranfahren. Auch deshalb komme sie jeden Tag ans Wasser. „Aber ich weiß ja auch, dass sie irgendwann wieder weg sind“, sagt Judith. Angst macht ihr dieser Tag nicht. „Ich habe ja auch noch ein anderes Leben“, sagt sie lachend, das Fernglas hält sie dabei fest vor den Augen.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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