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Fiete ist jetzt Franzose

Delfin aus Kiel Fiete ist jetzt Franzose

Aus Frankreich kommt eine kleine Sensationsmeldung: Delfin Fiete ist in der Nähe von Kiels Partnerstadt Brest aufgetaucht. Der Ort heißt St. Malo und hat Schleusenanlagen, genau wie das 1800 Kilometer entfernte Kiel. Der Meeresbiologe Boris Culik ist sich sicher: Das ist Fiete.

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Delfin Fiete ist 1800 Kilometer von Kiel entfernt in Frankreich aufgetaucht.

Quelle: Association AL LARK

Kiel/St. Malo. Die örtliche Zeitung „Ouest France“ berichtet seit Tagen von dem Großen Tümmler, der extrem zutraulich sei und ohne Scheu die laut ratternden Schleusen herein- und herausschwimme. Nachdem der Kieler Biologe Boris Culik im Internet davon erfahren hatte, nahm er Kontakt auf und ließ sich Fotos schicken. „Anhand der fünf Narben am linken Auge kann man eindeutig erkennen, dass es Fiete ist“, sagte er unserer Zeitung. „Das ist wie ein Fingerabdruck. So ein Muster gibt es nicht zwei Mal.“

Von Kiel bis ins französische Saint-Malo (54000 Einwohner) sind es auf dem Wasserweg rund 1800 Kilometer. Eine enorme Strecke, die Fiete da zurückgelegt hat. „Dieses Wanderverhalten ist schon außergewöhnlich“, so Culik. „Beobachtet wurde bisher eher, dass Delfine einige 100 Kilometer zurücklegen. Nur in Ausnahmefällen auch über 1000 Kilometer. Fiete nimmt da schon einen Spitzenplatz ein.“ Da der Große Tümmler nach einem aufregenden Spätsommer in Kiel Ende Dezember vor Skagen gesichtet wurde, liegt nahe, dass er um Dänemark herum geschwommen ist.

Rund zwei Wochen machte Fiete nun den Hafen von St. Malo unsicher und sei immer wieder ohne Stress in die Schleusen geschwommen, berichtete die französische Biologin Morgane Perri. Sie arbeitet für die Association Al-Lark, eine Vereinigung, die Wal- und Delfinstudien betreibt. Bewusst habe ihre Organisation anfangs die Nachricht der Delfin-Sichtung im Hafenbecken zurückgehalten. Man habe Sorgen gehabt, dass es zu Menschenansammlungen und Problemen für das Tier kommen könnte. Ziemlich schnell verbreitete sich dann aber doch die Neuigkeit in den sozialen Netzwerken und später in der regionalen Zeitung. Es wurde aber immer wieder gewarnt, dem Tier nicht zu nahezukommen. Zusammen mit den Hafenbehörden und den Umweltschutzverbänden setzte die Organisation Al-Lark einen „Appel à la prudence“ – einen Appell der Vorsicht – auf. In den Hafenzonen wurde das Baden, Paddeln, Segeln und Wasserskifahren vorerst verboten. Es wurde vor ansteckenden Krankheiten wie dem Maltafieber (la brucellose) oder einer Pilzerkrankung der Haut (la lobomycose) gewarnt. Auch, dass der Meeressäuger rund 250 Kilogramm wiege und „Schläge“ oder Stupser den Menschen schwer verletzten könnten.

„Der Delfin hat anscheinend in der Schleuse eine Art Spiel für sich entdeckt“, schilderte Biologin Perri. „Mit den Schiffen schwimmt er in bestimmte Bassins mit hinein und auch wieder heraus.“ Sie äußerte ihre große Sorge, dass das Tier von einer Schiffsschraube verletzt werden könnte. In einem internen Video berichten französische Taucher zudem davon, dass der Delfin sehr, sehr freundlich Menschen gegenüber sei. Dass er sich immer wieder auf den Rücken gedreht habe, um gekrault zu werden. Dass er immer wieder gekommen sei, um zu spielen. Keiner der Artikel erwähnt jedoch, dass der Delfin aus der Kieler Förde stammt. Auf die Spur hat die Franzosen erst der Kieler Boris Culik gebracht, nachdem er die Fotos und das Video gesehen hatte. Inzwischen stehen die Experten im regen Austausch.

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„Dass es sich hier in Frankreich um Fiete handelt, beweisen nicht nur die fünf parallelen Narben am linken Auge, die unterschiedlich lang und gezackt sind“, so Culik. Auch die Narbe am Hals, die er sich hier an der Kieler Bucht zugezogen hatte, sei eindeutig auf den Bildern zu erkennen. Woher übrigens die Narben am Auge stammen, könne man nicht sagen. „Sie sind sehr oberflächlich. Vermutlich hat er mal als Jugendlicher was abbekommen. Vielleicht wurde er von Artgenossen gebissen.“ Die Schleusen-Liebe des Großen Tümmlers überraschte schon in Kiel. „Es kann sein, dass er den Trichtereffekt nutzt und beim Öffnen der Schleusentore die Fische besser fangen kann“, erklärte Culik.

Wo Fiete derzeit ist, weiß niemand. Vor rund einer Woche verließ er die rund neun Grad kalte raue See vor St. Malo. „Kann sein, dass wir demnächst in britischen Zeitungen von ihm lesen“, sagte der Kieler Boris Culik. Mal sehen, wann er mit den Engländern spielen will.

Hier sehen Sie Bilder von den Delfinen in der Kieler Förde.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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