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Demo „Gerechtigkeit für Gina“ in Kiel

Nach Tod Demo „Gerechtigkeit für Gina“ in Kiel

Am 31. Januar 2017 ist Gina gestorben - mit gerade einmal 29 Jahren. Für Sonntag hat ihr Vater Michael Behrens, Präsident des Rockerclubs United Tribuns, eine Demonstration organisiert. Zudem will er in der nächsten Woche Strafanzeige gegen unbekannt stellen.

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Michael Behrens (zweiter v.li.) organisierte gemeinsam mit Freunden die Typisierungsaktion für seine Tochter. Die 29-Jährige starb am 31. Januar.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Michael Behrens kann sich genau an jeden einzelnen Tag erinnern, an jede Uhrzeit, an jedes Ereignis, an all das, was das Schicksal seiner Tochter Gina besiegelte. Er blättert durch Papiere, um sicher zu gehen, dass er nichts vergisst. Das ist ihm wichtig, denn schließlich geht es um Gina. Am 31. Januar ist seine Tochter gestorben mit gerade einmal 29 Jahren. „Sie ist in meinen Armen eingeschlafen“, sagt Michael Behrens. Tränen laufen dem Präsidenten des Rockerclubs United Tribuns über die tätowierten Wangen.

 Als seine Tochter starb, hatte sie einen 16-monatigen Leidensweg hinter sich. Im September 2015 erhielt sie die Diagnose: akute Leukämie. Es folgten Chemotherapien, Reha-Aufenthalte und eine von ihrem Vater und der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) initiierte Typisierungsaktion (wir berichteten). Schließlich die rettende Nachricht, dass ein passender Spender gefunden wurde. „Gina war so glücklich“, erinnert sich Behrens. Jetzt sollte alles wieder gut werden. „Nach der OP waren die Werte super.“ Nur ihr Immunsystem sei noch im Keller gewesen, und das linke Bein habe ihr noch weh getan. „Das ist ein eingeklemmter Ischiasnerv, haben die Ärzte gesagt.“ Die Schmerzen im Bein habe Gina von Anfang an gehabt, deswegen sei sie 2015 überhaupt zum Arzt gegangen, erzählt der 53-Jährige.

 „Ich werfe mir heute vor, dass ich sie da nicht früher rausgeholt und eine zweite Meinung einholt habe.“ Behrens greift nach seinem Handy und zeigt MRT-Aufnahmen. Denn Gina hatte keinen eingeklemmten Ischiasnerv, sondern einen Tumor in der Hüfte, der sich schließlich in den Rücken ausbreitete. „Am Ende konnte sie ihr Bein nicht mehr bewegen.“ Irgendwann konnte sie dann auch ihren Arm kaum noch bewegen, die Schmerzen wurden immer schlimmer. „Am Ende hat sie Morphium gekriegt. Anders war das nicht mehr auszuhalten.“ Nach der Diagnose fährt der Vater mit Gina nach Heidelberg zu einem Spezialisten. „Aber der hat nur noch den Kopf geschüttelt. Es war zu spät.“

 Jetzt will Behrens weiter für seine Tochter kämpfen. „Sie hat sich immer wieder gefragt, warum die Ärzte nicht auf sie gehört haben. Dann könnte sie jetzt vielleicht noch leben.“ Schließlich habe sie den Ärzten immer von ihren Schmerzen im Bein erzählt. „Aber die Ärzte sind immer bei der Ischiasnerv-Geschichte geblieben“, so Behrens. Auch als er Gina, die vor Schmerzen schrie, in die Notaufnahme des UKSH gebracht habe, sei die Diagnose nicht revidiert worden. Stattdessen wollte man sie in die Schmerzklinik einweisen und dort medikamentös so einstellen, dass sie schmerzfrei ist. Davor sei ein MRT gemacht worden, darauf war der Tumor deutlich zu erkennen. Das war Ende Dezember.

 „Ich weiß, dass jeder Mensch Fehler macht“, sagt Behrens. Dennoch will er nicht ruhen. „Ich habe Gina versprochen, darauf aufmerksam zu machen, um ihr so Gehör zu verschaffen. Das, was sie bei den Ärzten nie erreicht hat.“ Ihre Geschichte könne doch nicht wie ein Buch einfach so zugeklappt werden, nur weil sie nun sterbe, habe Gina ihm kurz vor ihrem Tod gesagt. „Du musst Dich darum kümmern, hat sie mir gesagt, und dafür sorgen, dass sie zuhören. Auch bei anderen Patienten.“ Wütend macht Behrens vor allem, dass die Ärzte nicht dazu stehen, dass sie eine falsche Diagnose gestellt haben und sich entschuldigen. „Das ist etwas, was ich eigentlich erwarte.“

 Für Sonntag um 12 Uhr hat er eine Demonstration organisiert, vom Schlossgarten bis zum Krebszentrum wollen sie marschieren unter dem Motto „Gerechtigkeit für Gina.“ Zudem will er in der nächsten Woche Strafanzeige gegen unbekannt stellen.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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