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Gemeinsam gegen Vorurteile anradeln

Depressionen Gemeinsam gegen Vorurteile anradeln

Aktionstag für einen offenen Umgang mit Depressionen: Die Mut-Tour 2016 hat auf dem Asmus-Bremer-Platz Station gemacht, um gemeinsam mit Beratungsstellen und Vereinen für einen vorurteilsfreien Blick auf die Krankheit zu werben.

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Aufklärungsarbeit auf dem Fahrrad: Rund 60 Kieler starteten vom Asmus-Bremer-Platz aus zur siebten Etappe der Mut-Tour.

Quelle: Lutz Timm

Kiel. Außerdem war die Veranstaltung Auftakt zur siebten Etappe der deutschlandweiten Tour, die von Kiel über Rendsburg nach Flensburg führt. Rund 60 Kieler erklärten sich solidarisch und radelten – zumindest einen Teil der Strecke – mit.

 Am Ende der Mut-Tour wollen Initiator Sebastian Burger und seine Mitstreiter rund 7300 Kilometer quer durch Deutschland zurückgelegt haben – auf Fahrrädern, in Kajaks und auf Eseln. Seit Anfang Juni sind sie unterwegs und machen in verschiedenen Orten Halt, um ihre Botschaft in die Öffentlichkeit zu bringen. „Es gibt immer noch eine diffuse Angst vor dem Thema Depression“, sagte Berger. „Dadurch werden Heilungschancen und ein ehrlicher Umgang verpasst.“ Dabei seien Depressionen in der Gesellschaft weit verbreitet. Die Betroffenen würden jedoch häufig stigmatisiert und als schwach abgestempelt. „Der negative Umgang ist dabei für viele wie eine zweite Erkrankung. Die Menschen haben eh schon Probleme und müssen dann noch Energie darauf verwenden, sich zu verstecken.“ Mit der dritten Auflage der Mut-Tour wollen die Organisatoren Betroffenen Mut machen, zu sich zu stehen, und Nichtbetroffene ermutigen, Erkrankten offener entgegenzutreten. Das Ziel müsse sein, die Angst vor nicht-körperlichen Erkrankungen zu mindern. „Gestern Physiotherapie, morgen Psychotherapie – das sollte irgendwann ganz normal sein“, hofft Burger.

 Einer der Mitfahrer der Nord-Etappe ist Wolfgang Kühnemuth. Der Brandenburger ist seit 30 Jahren von Depressionen betroffen und will mit seiner Teilnahme gegen die „Tabuisierung ankämpfen“. „Depressionen machen vielen Angst, dabei sind etwa 4,9 Millionen Menschen in Deutschland entweder aktuell betroffen oder waren es bereits“, sagte der 57-Jährige. Viele Menschen hätten – etwa nach Anschlägen von vermeintlich Depressiven – ein falsches Bild von der Krankheit. „Der Eindruck entsteht oft durch zu wenige oder falsche Kenntnisse. Daher ist der Gang an die Öffentlichkeit das richtige Rezept“, sagte er. „Wichtig ist es, den Betroffenen Mut zu machen und aufzuhören, Depressionen zu verteufeln. Der normalen Bevölkerung muss außerdem die Angst genommen werden, selbst zu den Betroffenen zu zählen.“ Für ihn sei es befreiend gewesen, mit seiner Nachbarin offen über seine Krankheit zu sprechen.

 Für „leider immer noch notwendig“ hält auch Thomas Voigt, Vorstand der Deutschen Depressionsliga, die Aufklärungsarbeit. „Was ist eine Depression und was ist sie nicht?“, fragt er. „Oft wird alles in einen Topf geworfen.“ Daher seien Aktionen wie die Mut-Tour entscheidend, um die Gesellschaft aufzuklären.

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