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Jürgen Engel wirft die Brocken hin

Ortsbeiratsvorsitzender Wik Jürgen Engel wirft die Brocken hin

Der Wiker Ortsbeiratsvorsitzender, Jürgen Engel, tritt aus Frust über Verwaltung und Parteien zurück. Der Grund: „Ich habe keine Lust, Einzelkämpfer, Lückenbüßer und Alleinunterhalter zu sein“, sagt er. Seine Kritik trifft vor allem die Verwaltung, Parteien und auch manche Bürger.

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Seit 13 Jahren ist er aktiv im Ortsbeirat Wik. Nach knapp zwei Jahren als Vorsitzender verlässt Jürgen Engel (60) nun das Gremium. „Die Zeit kann ich mir wirklich sparen“, sagt er resignierend.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Jürgen Engel ist gefrustet. Seit 16 Jahren sitzt er im Ortsbeirat Wik. Erst im Publikum, seit 2003 als Mitglied und seit nun fast zwei Jahren als Vorsitzender des Gremiums. Nun legte der 60-Jährige sein Amt nieder.

„In der Wik bin ich geboren, aufgewachsen und habe mir damals gedacht: Besser als am Stammtisch oder zu Hause zu sitzen, ist es doch, sich für die Wik einzusetzen“, beschreibt der freiberufliche Architekt. Anfangs war er noch parteiloses Mitglied, seit 2004 ist er als Grüner im Ortsbeirat. Die Streuobstwiese an der Feldstraße beispielsweise war seine Idee.

Bärbel Schlenz, Urgestein aus der Wik und seit der ersten Sitzung des Gremiums dabei, betonte, als er sich während der letzten Sitzung verabschiedete: „Er ist einer der Wenigen, die sich wirklich gekümmert haben. Ich bedauere seinen Fortgang sehr.“ Das Geld, die 150 Euro Aufwandsentschädigung als Vorsitzender, seien ihm egal. Für ihn bedeutet Ehrenamt und Engagement in der Freizeit den Ausgleich zum Beruf. „Doch wenn man anfängt, chancenlos gegen Hürden zu kämpfen, muss man fragen, ob sich der Einsatz überhaupt lohnt“.

Als Beispiel: Bei den Schulen am Elendsredder habe das Gremium lange darauf hingewiesen, dass der Fortbestand mit der damaligen Schulleitung nicht laufen könne. Die Schülerzahlen gingen zurück, ganze Jahrgänge verschwanden. „Ich weiß nicht, wie oft wir gesagt haben, dass das so nicht funktioniert, und dann bekamen wir noch Ärger“, macht er sich Luft. Es habe Jahre gedauert, „bis die Stadt und das Land in die Hufe kamen, um die Timm-Kröger-Schule zu retten“.

Am meisten ärgert ihn aber der mangelnde Fluss an Informationen von Seiten der Stadt und der Parteien. „Von mancher Bebauung haben wir doch nur durch Anwohner oder Zufall erfahren“, sagt er. Ortsbeiräte seien wie ein notwendiges Übel, permanent in der Bringschuld, bekämen aber keine Informationen, die sie an die Bürger weitergeben könnten. Besonders bei B-Plänen sei das der Fall. Ihn wurmt, „dass wir nicht rechtzeitig einbezogen werden. Dabei sind wir die Leute vor Ort und kennen die Situation.“ Die Ortsbeiräte würden in seinen Augen degradiert werden, um nur darüber zu entscheiden, ob Knöterich wegzuschneiden ist oder Laternen auszuwechseln sind. „Die Zeit kann ich mir wirklich sparen“, sagt er.

Geärgert hat er sich auch über die Diskussion über den möglichen Standort der Niemeyer-Kapelle an der Orchideenwiese. „Ich bezeichne das mal als Brexitismus: Ohne vernünftige Informationen schreie ich was Falsches heraus“, so Engel. Er habe so viele Anrufe aufgrund fehlender Informationen und eines irreführenden Fotos in der Zeitung bekommen, „da entstanden die wildesten Spekulationen“. Und: Bereits vor Monaten stand das Thema auf der Tagesordnung, doch da sei kein Bürger gekommen. „Da hätten so viele Fragen gestellt werden können“, kritisiert er. Fakt sei, der Standort an der Orchideenwiese werde in Betracht gezogen. „Aber wir brauchen erst einmal Pläne, die im Oktober vorgestellt werden. Dann können alle wunderbar dazu ihre Meinung äußern“, so Engel.

„Ich habe beschlossen, eine Auszeit zu nehmen. Als Ehrenamtler wird man dermaßen vereinnahmt, und es fehlt irgendwie die Wertschätzung“, sagt er. Ähnliche Erfahrungen habe er auch im Kirchenvorstand gemacht und sei auch dort zurückgetreten. „Aber ich komme wieder und stänkere von der anderen Seite“, kündigt er an.

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