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Der grüne Haussegen hängt schief

Kreisspitze Der grüne Haussegen hängt schief

Unruhe bei den Kieler Grünen: Knapp ein Jahr vor der Landtagswahl muss wieder einmal die Kreisspitze vorzeitig neu besetzt werden. Per Mail haben Karen Jakstadt (30) und Hanno Michel (29) ihren Rückzug angekündigt.

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Wollte bis 2017 die Kieler Grünen führen und bleibt nun doch nur neun Monate im Amt: Karen Jakstadt, die seit Mai für die grüne Fraktionschefin im Landtag arbeitet.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Im Fall von Karen Jakstadt ist die Entscheidung endgültig, Hanno Michel „überlegt noch“, ob er erneut kandidiert. Die Grünen treffen sich am 6. Juli zu einer regulären Kreismitgliederversammlung, wo dann der nächste Kreisvorstand gewählt werden soll. „Wir können nicht laufend Neuwahlen haben, sondern brauchen Konstanz für die nächsten zwei Jahre“, begründete Michel diesen Schritt im Hinblick auf die Wahlen im nächsten Jahr.

 Offiziell sind es berufliche Gründe, die vom bisherigen Spitzenduo für seine Entscheidung genannt werden. Michel steht vor dem Abschluss seiner Promotion. Jakstadt arbeitet seit Mai für die Landespartei als Vorstandsreferentin der grünen Fraktionschefin Eka von Kalben, was sich nach ihrer Überzeugung nicht mit dem Amt der Kreischefin verträgt. Doch Michel räumt auch ein, dass es zuletzt intern Ärger gegeben habe. „Ich habe gemerkt, dass der Tonfall im Kreisverband rauer geworden ist.“ Auch dies habe seine Rückzugsgedanken verstärkt.

 In dem Schreiben an die Kieler Grünen, das den Kieler Nachrichten vorliegt, klagt der Kreisvorstand offen darüber, dass es in der Partei zuletzt „weniger um Inhalte, sondern um persönliche Konflikte und Interessen“ gegangen sei. „Die nötige Unterstützung und Zusammenarbeit leiden nach unserem Gefühl sehr darunter.“ Während der Vorstand rückblickend die internen Debatten um die Zukunft der „Alten Mu“ und den Windpark Meimersdorf als Beispiele für konstruktive Debatten- und Streitkultur lobte, wird der Stil in den Auseinandersetzungen im Umfeld der Jahreshauptversammlung im April und dem Landesparteitag bedauert. Der Brief endet mit einem Appell: „Gemeinsam müssen wir es schaffen, im Umgang miteinander wieder konstruktiv zu sein, uns zuzuhören, Kompromisse zu finden und respektvoll miteinander umzugehen.“

 Die Reaktionen unter Kieler Grünen sind bislang zurückhaltend. Die Ratsfraktionsvorsitzende Lydia Rudow bedauert die Entscheidung, kann sie aber „vor dem Hintergrund der beruflichen Veränderungen nachvollziehen“. Die Landtagsabgeordnete Anke Erdmann spricht von einem „ganz tollen Team“, das nun gehe und „viel gerissen habe“. Die Klagen über einen „rauen Ton“ könne sie nur zum Teil nachvollziehen. „Da habe ich schon ganz andere Sachen erlebt.“ Die Stimmung in der Breite der Partei sei auch jetzt nicht schwierig. Und angesichts der selbst verordneten Trennung von Amt und Mandat leide die Kontinuität zwangsläufig. Erdmann: „Das ist ein Teil grüner Kultur.“ Rückenwind für den amtierenden Vorstand gibt es auch vom Energieexperten Ulrich Hühn, der aber zugleich bekannte: „Die Grünen auf Kreisebene haben ein Problem.“ Er gebe tatsächlich zu viel „Eigennutz, Intrigen und Pöstchengeschacher“. Er könne sich nicht vorstellen, wer die schwierige Aufgabe an der Kreisspitze übernehmen könne.

 Schon bei der Wahl von Karen Jakstadt im vergangenen Herbst gab es Zweifel, dass sie lange im Amt bleibt. Auf Nachfrage stellte sie damals in Aussicht, zumindest bis zum Ende der Wahlperiode Mitte 2017 Kreischefin bleiben zu wollen. Daraus wird nun nichts. „Meine Situation hat sich verändert“, sagt Jakstadt. Immerhin könnte es im Juli ein bisschen Kontinuität geben: Schatzmeister Johannes Steen steht weiterhin zur Verfügung.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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Von außen werden die Kieler Grünen ja gern beneidet. Weil sie so jung wirken, wie die Traditionsparteien gerne wären. Mit Lydia Rudow haben sie eine Fraktionsvorsitzende im Rathaus, die ebenso wie die Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg glaubwürdig den Titel „Nachwuchspolitikerin“ tragen darf.

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