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Jugendkutter als Schule fürs Leben

Deutsch-lettische Begegnung in Kiel Jugendkutter als Schule fürs Leben

Der Internationalen Austausch auf dem Wasser pflegt noch bis zum kommenden Wochenende das Kieler Jugendkutterprojekt. Gemeinsam mit angehenden Seeleuten des Marytime Sea College aus Liepaya in Lettland üben die Gastgeber auf der Förde in gemischten Besatzungen das seglerische Miteinander ein. Das soll erst der Auftakt zu einem weit größeren Törn sein.

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Auftakt im Sportboothafen Wellingdorf. Die Segel der „Seestern“ sind gehisst, die deutsch-lettische Crew ist startklar.

Quelle: Martin Geist

Kiel.  Mit dabei ist Vladimir Dreimanis, Direktor der lettischen Matrosenschmiede, die ihren Schülerinnen und Schülern eine komplette Berufsausbildung vermittelt. Entsprechend will Dreimanis „so viel wie möglich“ davon sehen, wie die Deutschen ihren Nachwuchs aufbauen. Ein Besichtigungstermin in der Seemannsschule in Travemünde ist bereits fest vereinbart.

 Im Mittelpunkt stehen aber die 15 bis ungefähr 25 Jahre jungen Teilnehmer der Aktion. Sie sollen lernen, sprachliche Barrieren zu überwinden, was dank Englischkenntnissen auf beiden Seiten ganz gut klappt. Sie sollen aber auch erfahren, dass Segeln hilft, den Horizont zu erweitern.

 „Stimmt“, sagt Sonja Winzler, die vor elf Jahren über eine Arbeitsgemeinschaft der damaligen Fridtjof-Nansen-Schule im Jugendkutter gelandet ist. Seither ist sie der „Clara“, der später hinzugekommenen „Seestern“ und nicht zuletzt Skipper Jürgen Pautke engstens verbunden. „Das Segeln hat mir sehr weitergeholfen“, nennt die 23-Jährige den Grund. Vor allem hat sie beobachtet, dass durch die Gemeinschaft an Bord und die gewachsene Erkenntnis des eigenen Leistungsvermögens ihr Selbstvertrauen viel größer geworden ist. Die Konsequenz. Sonja Winzler holte nach der Hauptschule den Realschulabschluss und das Abitur nach, schloss eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau im Segelsportgeschäft ab und beginnt jetzt an der Fachhochschule Kiel Schiffbau und marine Technik zu studieren. Klar, dass sie die Entscheidung fürs Segeln als so ziemlich die beste ihres Lebens betrachtet: „Ich würd’s immer wieder machen.“

 Dass diese Geschichte keine Ausnahme ist, zeigt das Beispiel von Sonja Winzlers ebenfalls auf dem Jugendkutter groß gewordenen Freundin Nadine Neuenfeldt. Auch sie startete mit der Hauptschule, steht jetzt kurz vor dem Abitur und strebt ein Studium der Sozialen Arbeit an.

 Die beiden jungen Frauen gehören inzwischen längst zu den erfahrenen Kräften in der Crew von Skipper Pautke. Ehrensache für sie, dass sie nun auch die deutsch-lettische Begegnung unterstützen. Wobei dieses erste Treffen im Grunde erst zum Aufwärmen dient. Zwar will man am Wochenende eine ordentliche Tour nach Puttgarden machen, von wo aus die Letten dann mit der Fähre wieder nach Hause fahren. Im kommenden Jahr soll es dann laut Pautke aber erst den „sehr großen Törn“ mit einer erneut gemischt besetzten Fahrt von Kiel nach Lettland geben.

 Ganz schön Geld kostet das, obwohl die Jugendlichen an Bord wie an Land sehr bescheidene Ansprüche stellen. Froh ist der Skipper deshalb, dass das finanziell traditionell spärlich ausgestattete Kutterprojekt mittlerweile auch private Gönner anspricht. Bei einer Geburtstagsparty gab es jüngst keine Geschenke, sondern Spenden und unterm Strich eine 1500-Euro-Geldspritze für „Clara“ und „Seestern“.

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