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Kongress in Kiel gibt den Ton an

Deutsche Gesellschaft für Akustik Kongress in Kiel gibt den Ton an

Wie verschafft man sich Gehör bei einer Akustiker-Tagung? Die Kieler Universität ließ sich dafür zwei besondere Zusatzprogramme einfallen: die Nacht der Akustik und ein Fitness-Begleitprogramm.

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Wie reagiert das Gehirn auf akustische Signale? Gerhard Schmidt, Tagungsleiter und Professor für Digitale Signalverarbeitung und Systemtheorie an der Technischen Fakultät, legt seinem Mitarbeiter Marco Gimm eine Mess-Haube an, aus den Lautsprecher-Wänden wird gleich Musik schallen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Vom 6. bis zum 9. März werden etwa 1200 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Akustik (Daga) die neuesten Forschungsergebnisse über Sprachverarbeitung, räumliches Hören, die Stimme und vieles mehr beraten. Der Eröffnungsvortrag im Audimax stimmt bereits mit einer gewaltigen Losung über die Bedeutung der Akustik ein: „Am Anfang war der Ton.“

 Kiel hat in Sachen akustische Technik herausragende Wissenschaftsergebnisse zu bieten: Alexander Behm erfand das Echolot und arbeitete dabei zusammen mit Hermann Anschütz, Erfinder des Kreiselkompasses und Freund Albert Einsteins. Für die Universität ist es also kein Wunder, dass die Daga zum zweiten Mal nach langer Zeit nach Kiel kommt. Vor genau 20 Jahren lud die Forschungsanstalt der Bundeswehr die Akustiker ein und prägte die Tagung durch den Schwerpunkt Wasserschall. Auch dieses Mal ist die Wehrtechnik an Bord mit neuen Erkenntnissen über Orten und Kommunizieren unter Wasser.

 Die Tagung soll die Forschung, aber auch Kiel als Kongressort weiter nach vorn bringen, meint Tagungsleiter Gerhard Schmidt, Professor für Digitale Signalverarbeitung und Systemtheorie an der Technischen Fakultät (45): Um das mit Sport, Spiel, Spannung zu erreichen, setzen die Organisatoren auf „Neuerungen, die einen Heidenspaß machen“. Wer fünf Vorträgen nacheinander im Hörsaal lauscht, braucht Abwechslung und im wahrsten Sinn des Wortes Bewegung. Zusammen mit Koordinatorin Franziska Gruler (46) und ihrem Kommilitonen Hannes Kühne bastelte die Sportstudentin Franziska Richter an einem Sportprogramm für die Tagungsteilnehmer: Walking Bus nennt sie den etwa 45-minütigen Marsch von Hotel zu Hotel, um die Gäste zum Audimax zu Fuß zu begleiten und sie auch mit Informationen über die Stadt zu versorgen. Mit der Tour könnten die Besucher gut in den Morgen starten, sagt die 27-Jährige. Eine Alternative ist das morgendliche Schwimmen in der Uni-Sporthalle. „Badehose und Laufschuhe nicht vergessen“, hatte die Universität den Gästen bereits bei der Anmeldung ans Herz gelegt.

 In den Kaffeepausen gibt es Bewegungsspiele, in der Mittagspause Yoga und Klangyoga – begleitet von einer Harfenistin. Aber in den zwei bis drei Minuten zwischen den Vorträgen planen die Kieler Sportstudenten, die Akustiker spielerisch in Bewegung zu bringen – im Dienst der Wissenschaft: Mit Hilfe von Fragebögen will Richter für ihre Masterarbeit erkunden, ob sich das Bewegungsverhalten auch drei Monate nach der Tagung verbessert hat und ob der Sport die Aufmerksamkeit steigern kann. Auf einen weiteren Effekt hofft auch Koordinatorin Gruler: So falle es den Akustikern, die aus ganz Deutschland anreisten, leichter, miteinander ins Gespräch zu kommen. Ein geselliger Abend im Norwegen-Terminal fehlt ebenfalls nicht: Hier kommen die Tagungsgäste akustisch und visuell auf ihre Kosten. Neben der traditionellen Jam Session gibt es auch ein Science Slam von Nachwuchswissenschaftlern und ein Künstler-Duo, das umgedichtete Musicallieder singt – frei nach dem Motto: Der Ton macht die Musik. Da passt es, dass Schmidt nach seiner Begrüßung ein akustisches Ratespiel startet mit auf dem Uni-Hochhaus gemalten Worten.

 Das Fachprogramm wiederum fängt die Welt der Klänge mit ihren vielfältigen Facetten ein. Ein Vortrag handelt von den technischen Herausforderungen beim Instrumentendesign, ein anderer von der Akustik der Orgel. Der Heikendorfer Prof. Boris Culik widmet sich dem Schutz von Schweinswalen, die man mit Hilfe eines Gerätes in ihrer eigenen Sprache warnt. Prof. Oliver Niebuhr befasst sich mit der Formenvielfalt der Sprechmelodien und ihrer Macht: Lügen, Vortäuschen von Gefühlen und subtile Beeinflussung über die Stimme. Dr. Matthias Hey vom Kieler Uniklinikum spricht über das Cochlea-Implantat, eine elektronische Hörprothese für schwerhörige und gehörlose Menschen. Tagungsleiter Schmidt und Christin Baasch berichten über Fortschritte der Sprachtherapie für Parkinson-Patienten.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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