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Meere vom Plastikmüll befreien

Verschmutzung Meere vom Plastikmüll befreien

Ein Netzwerk aus deutschen Unternehmen will weltweit Plastikmüll aus den Meeren fischen und damit Geld verdienen. Die dafür entwickelte industrielle Systemlösung soll ab 2018 einsatzbereit sein, wie Projektkoordinator Dirk Lindenau am Dienstag in Kiel sagte.

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Umweltminister Robert Habeck lobt das Projekt deutscher Unternehmer.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Bis zum Jahr 2050 könnten mehr Plastikteile als Fische in unseren Meeren schwimmen. Das besagt eine Studie, die auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos präsentiert wurde. Insgesamt befinden sich aktuell 140 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen. Jährlich kommen acht Millionen Tonnen hinzu. Dieser Entwicklung will nun ein Kooperationsnetzwerk aus zehn Unternehmen mit Hilfe eines maritimen Abfallwirtschaftssystems entgegenwirken. „Den Plastikabfall umweltverträglich abzufischen und stofflich und energetisch zu verwerten, ist das Ziel unseres Projekts“, erklärte Projektmanager Dirk Lindenau am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Kiel. Die Koordination des Projekts „Marine-Debris-to-Energy-Ship-System“ (MDE-Ship-System) übernimmt das Projektentwicklungs- und Ingenieurbüro des Kieler Schiffsbauunternehmers.

Gelingen soll die Reinigung der Meere mit Hilfe von umgebauten Fischereischiffen, die mit 180 Meter breiten Netzen Plastikteile an der Wasseroberfläche einsammeln. Die Kunststoffe sollen anschließend auf weiteren Schiffen recycelt und später zu Strom und Trinkwasser umgewandelt werden. Der Verkauf der erzeugten Ressourcen soll zu einem Teil zur Kostendeckung des Projekts beitragen. Über die restliche Finanzierung oder konkrete Zahlen konnte Lindenau noch nicht sprechen: „Wir sind erst in der zweiten Phase des Projekts und wollen bis zum Juni 2017 einen Businessplan erstellen.“ Bis dahin möchte Lindenau auch Kontakte zu betroffenen Ländern geknüpft haben. Das Kooperationsnetzwerk konzentriert sich dabei auf sogenannte Punktquellen. Dies sind Küstenstreifen von Ballungsgebieten oder Flussmündungen, in denen sich durch Strömungen besonders viel Plastik ansammelt. Lindenau nannte als Beispiel den 500 Kilometer langen Küstenstreifen zwischen Sao Paulo und Rio de Janeiro, auf dem etwa 70.000 Tonnen Plastikmüll umherschwimmen. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) befürwortete auf der Pressekonferenz die Ziele des Konsortiums und sah in Schleswig-Holstein aufgrund seiner „besonderen Verantwortung“ als Land zwischen zwei Meeren den geeigneten Standort zur Realisierung der Vision. Damit die Schiffe wissen, wo und wann sie den von Wind und Wetter getriebenen Müll einsammeln können, entwickelt die Kieler Firma „WetterWelt“ ein Routenplanungssystem. „Unsere Herausforderung wird sein, ein Ortungssystem mit einer hohen Prognosegüte zu entwickeln, damit wir wissen, wo der Müll auf dem Meer landet“, erklärte Diplom-Meteorologe und Geschäftsführer Meeno Schrader.

Die „Seekuh“, ein gemeinsam von Unternehmer Lindenau und einer Lübecker Werft entworfener Katamaran, gehört nicht zur Flotte des MDE-Ship-Systems. Das Schiff sei ebenfalls zum Zweck der Müllbeseitigung zu Wasser gebaut worden, komme aber in kleineren Gebieten zum Einsatz und stehe mit dem vorgestellten Projekt nicht in Verbindung, erklärte Lindenau.

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