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Sprache als Schlüssel zum Studium

CAU-Deutschkurse Sprache als Schlüssel zum Studium

Deutschkurse für Flüchtlinge gibt es in Kiel und Umgebung mittlerweile recht viele. Doch das Angebot an der Kieler Universität fällt aus dem Rahmen: Neun Lehrkräfte unterrichten ehrenamtlich sechs Stunden täglich insgesamt 24 Flüchtlinge, die den Sprung an eine deutsche Hochschule schaffen wollen.

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Im Raum 234 im Germanistischen Seminar der Kieler Uni hängen neben Vokabel-Zetteln an der Wand auch Regeln für das Miteinander: Britta Steinke bringt den erwachsenen Flüchtlingen, die studieren wollen, Deutsch bei.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Irgendwann während einer Zigarettenpause im September 2015 kamen Nicole Palliwoda und eine Kollegin auf die Idee, einen speziellen Deutsch-Kursus auf die Beine zu stellen. Die 32-Jährige brütete schon damals an ihrer Doktorarbeit in Germanistik über das „Sprachraum-Konzept: Mauer in den Köpfen“, nahm sich aber trotzdem Zeit, sich an der Initiative „Kiel hilft Flüchtlingen“ zu beteiligen. „Wir wollten etwas für die Schutz suchenden Menschen tun und dies mit der Lehre verbinden“, erinnert sich die Doktrorandin an den Beginn. Dabei fangen sie nicht bei Null an: Denn die 20 Männer und vier Frauen, die hauptsächlich aus Syrien und Eritrea nach Europa flohen, haben bereits in ihrer Heimat studiert oder zumindest einen Hochschulzugang erworben und leben schon länger in Deutschland.

Aufenthaltsgenehmigung spricht er flüssig aus

Der junge Syrer Renass Horo zum Beispiel wohnt seit 15 Monaten mit Eltern und zwei Brüdern in Kronshagen, kam aus Aleppo über die Türkei und Bulgarien nach Schleswig-Holstein. Sein größter Kummer ist, dass ihm die Aufenthaltsgenehmigung fehlt und er sich fürchtet, keine zu bekommen, weil man ihn in Bulgarien bereits mit einem Fingerabdruck registriert hat. Sogar das sperrige Wort Aufenthaltsgenehmigung geht dem 27-Jährigen, der so gern Wirtschaft studieren möchte, schon fast flüssig über die Lippen.

Im Raum 234 im Germanistischen Seminar hängen neben Vokabel-Zetteln an der Wand auch Regeln für das Miteinander: „Wir beginnen pünktlich“ ist darauf zu lesen oder „Wir melden uns, wenn wir einen Redebeitrag abgeben wollen.“ Keine der neun Lehrkräfte, darunter studentische Hilfskräfte, Doktorandinnen und ein Privatdozent aus verschiedenen Fachbereichen der Philosophischen Fakultät, kann sich in der Muttersprache mit ihren erwachsenen Schülern und vier Schülerinnen unterhalten. Gleich, welche Lehrkraft man fragt, alle berichten von sehr positiven Erfahrungen. Britta Steinke, Doktorandin der Romanistik, lobt das „sehr dankbare“ Publikum: „Sie sind höflich, freundlich, lachen viel und geben uns positive Rückmeldung, was man sonst bei den deutschen Studierenden nicht so oft kennt“.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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