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Intelligentes Design für Milchkühe

Diagnosegerät für Euterentzündung Intelligentes Design für Milchkühe

Mit 24 Jahren hat Muthesiusstudentin Janina Hünerberg den nationalen James Dyson Award 2016 und den Muthesius Preis in der Kategorie Raum/Design gewonnen. Bei der Auswahl zu den international besten Projekten des James Dyson Awards ist sie von über 1000 Einsendungen unter die besten 20 gekommen.

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Viele Modelle führen zum Ziel: Janina Hünerberg wurde für ihren Entwurf der Mamelle, einem Diagnosegerät für Mastitis bei Kühen, ausgezeichnet.

Quelle: Kerstin Tietgen

Kiel. Die gebürtige Hamburgerin hat für ihre Bachelorarbeit in drei Monaten ein Modell entwickelt, das vor allem im landwirtschaftlich geprägten Schleswig-Holstein gut ankommen dürfte: Ein Diagnosegerät für Mastitis, Euterentzündungen, bei Milchkühen. Die Idee für Mamelle (französisch für Euter) wurde von einer Milchlandwirtin an die Studentin herangetragen. Am 27. Oktober wird bekanntgegeben, ob sie zu den Platzierten gehört.

 „Die Diagnose einer Mastitis im Labor dauert zu lange, denn bei akutem Verlauf kann sie innerhalb von zwei Tagen tödlich sein“, sagt Hünerberg. Daher geben Tierärzte prophylaktisch ein Antibiotikum, bevor der Keim in einer Laboranalyse genau bestimmt wurde. Erst später zeigt sich, ob das Medikament bei dieser Form von Mastitis greift. Bei über hundert Keimarten ist das ein Ratespiel. Die Folge: Das Tier stirbt oder ein zweites Antibiotikum muss zusätzlich gegeben werden. „Das Tier wird doppelt belastet.“, sagt Hünerberg.

 Ihr röhrenformiges Modell soll die Analyse vor Ort ermöglichen. Über einen Touchscreen kann der Tierarzt zunächst den Transponder am Ohr der Kuh auslesen und damit das Tier unverwechselbar zuordnen. Dann wird Mamelle direkt über eine der Zitzen gestülpt. Durch die weichen Wände des Gerätes kann direkt hineingemolken werden. Über die Raman-Spektroskopie sollen Keim und Keimbelastung festgestellt werden. Da jede Zitze als eigenes System verstanden werden muss, verfügt das System über vier kleine Kammern – eine pro Zitze. Die Kammern mit der keimbelasteten Milch sind im unteren, austauschbaren Teil des Geräts, der nach der Analyse entsorgt wird. Dadurch kommt sie nicht Berührung mit gesunden Tieren. Bei der Berücksichtigung der medizinischen Aspekte wurde Hünerberg von Dr. Friedrich Stampa, einem renommierten Tierarzt, der ein Buch zum Thema Mastitis verfasst hat, unterstützt: „Er hat mir sehr viel Input gegeben und mega viel Erfahrung.“

 Es scheint, als hätte Hünerberg an alles gedacht. Doch der Weg dahin war nicht leicht. Zunächst übte die Studentin an einem selbst gebauten Kuhmodell mit Gummieuter, dann direkt im Kuhstall. „Gut, dass es hier so viel Landwirtschaft gibt, so hatte ich viele Testkandidaten“, sagt die 24-Jährige. Zum einen sollte das Modell angenehm für die Kühe mit empfindlichen, entzündeten Euter sein. Zum anderen soll Mamelle einfach in der Handhabung sein: „Es soll nicht mehr können, als es muss. Die Handhabung muss auch ohne seitenlange Anleitung klar sein.“ Immer wieder konstruierte Hünerberg neue Modelle, testete sie im Kuhstall, besserte nach. „Ich hatte eine Reihe von Entwürfen, die gut waren, aber so ganz perfekt war es das dann doch nicht“, sagt die Studentin, „Am Ende eines Projekts wird es immer eng und man arbeitet mehr, als der Tag Stunden hat.“ Mit dem Endmodell sei Hünerberg nun so zufrieden, wie sie es als selbsternannte Perfektionistin sein kann.

 Noch ist Mamelle nur ein Modell. Janina Hünerberg hofft, dass durch den Dyson Award Firmen oder andere Geldgeber auf das Projekt aufmerksam werden und es realisieren. So oder so ist es für die 24-Jährige, die sich nun im Masterstudium auf medizinisches Design spezialisiert, ein großer Erfolg.

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