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Keine Angst vor Neuem oder Fremden

„Dialog mit der Zukunft“ Keine Angst vor Neuem oder Fremden

Vom Sprachunterricht in den Ferien, einem Benefizkonzert bis hin zu Projekten mit Flüchtlingen - die Ricarda-Huch-Schüler haben schon einiges auf die Beine gestellt. Und so traf Ministerpräsident Torsten Albig auf junge Experten, angstfrei und mit selbstbewusster Meinung zum Thema Integration.

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Eine Stunde diskutierte Ministerpräsident Torsten Albig mit Ricarda-Huch-Schülern über die Zukunft der Integration, hier mit Seyran Kömürcüoglu und Stella Binge (links).

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Viele der Schüler haben Kontakte vor allem zu geflüchteten Jugendlichen. „Wir haben gesehen, wie viel Lust sie haben zu lernen und wie sehr sie sich anstrengen“, berichtete Klara Lassen von den Sprachkursen in den Ferien, die ihre Einstellung verändert haben. „Für mich sind Flüchtlinge kein Begriff oder keine Masse mehr, sondern Personen, hinter denen eine Geschichte steckt“, beschrieb sie. Andere Schüler berichteten von dem Benefizkonzert, dessen Erlös in eine Holz-AG einflossen, in der mit geflüchteten Jugendlichen und dem Projekt Dock Kiel Sitzgelegenheiten für den Schulhof gebaut wurden. „Wir haben Jugendliche erlebt, die sich nicht versperrt haben, sondern versuchen sich einzuleben“, berichtete eine andere Schülerin. Jascha Boss begründete es mit den Generationen: „Wir wachsen multikulturell auf und haben keine Probleme mit neuen Kulturen“. Albigs Argument, dass es unter den AfD-Wählern aber viele junge Menschen gebe, begründete eine Schülerin damit, dass die sich wohl noch nicht mit Flüchtlingen beschäftigt hätten.

 Angst vor Neuem oder Fremden zeigte sich bei der Diskussion nicht. Die Schüler scholten mit Albig eher die Medien, die die Vorfälle wie vor dem Sophienhof aufgebauscht hätten. So etwas passiere jedes Wochenende in der Bergstraße, was genau ist jetzt vor dem Sophienhof anders gewesen sei, dass man in den Medien so darüber berichtet hätte, wunderte sich Albig und traf dabei auf die Zustimmung der Schüler. Es würden bei solchen Vorfällen zu große Unterschiede gemacht, bemängelte eine Schülerin und erzählte: „In der Bergstraße ist immer die Hölle los, da wird man viel begrapscht. Es gibt immer ein Risiko“.

"Ausdrücke nicht kritiklos zu übernehmen"

 Die Angst als schlechter Berater: „Ich bin gespannt, wie sich die Debatte nach den Anschlägen in Brüssel wieder verschiebt“, befürchtete Albig. Ihm war auch wichtig, überhaupt einmal das Wort Flüchtlingskrise näher zu betrachten: Es seien die Flüchtlinge, die in einer Krise seien, aber „wenn eine Millionen Flüchtlinge auf 83 Millionen Menschen kommen, ist das dann wirklich eine Krise?“, fragte er und forderte die Schüler auf, solche Ausdrücke nicht kritiklos zu übernehmen.

 Wie Integration in Zukunft besser gelingen kann, dafür hatten die Schüler viele Ansätze parat: Die Flüchtlinge müssten schneller und stärker in Kontakt mit den Deutschen kommen können, ob in der Schule oder im Sportverein. Es müsste mehr Sprachunterricht samt Lehrer geben und das vom ersten Tag in Deutschland an. Das, so Albig, bräuchte jedoch einen Vorlauf von vier bis sechs Jahren, um auszubilden, auch bei den Polizisten. Ebenso schlugen die Schüler vor, unbürokratische Möglichkeiten beispielsweise für Praktika zu schaffen. „Die Bereitschaft der Betriebe ist sehr groß, aber bei uns gibt es unerklärbare Regeln, die das verhindern. Andere europäische Länder sind da entspannter als wir“, kommentierte Albig.

 Bei den Schülern kam die Diskussion gut an. „Torsten Albig hat sehr ehrlich gewirkt. Er hat sich mit diesem Thema auch als Familienmensch auseinander gesetzt“, fand Kester Duckert. Für Jascha Boss hätte das Gespräch noch länger dauern können. Und Klara Lassen hofft, dass beide Seiten viel mitgenommen haben und nun „auch Taten folgen“.

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