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Schwentine wuchert immer weiter zu

Dichter Pflanzenteppich Schwentine wuchert immer weiter zu

Jeden Winkel des sechs Kilometer langen Flusslaufs von der Mündung in die Kieler Förde bis zum Bootsanleger „Oppendorfer Mühle“ kennt der Betreiber der Schwentinetalfahrt Hendrik Kühl aus dem Effeff. Seine Beobachtung: In einigen Abschnitten könnte die zunehmende Verkrautung zum Problem werden.

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Verkrautung Schwentine: Hendrik Kühl, Eigentümer der Schwentinetalfahrt, fischt am Steg seines Bootsverleihs an der Schwentinemündung, Mengen von Wasserpflanzen aus dem Fluß. Er befürchtet, dass der Betrieb seiner Ausflugsboote und der Ruderboote in einigen Jahren gefährdet ist.

Quelle: Volker Rebehn

Neumühlen-Dietrichsdorf. Wenn Hendrik Kühl an diesem September-Freitag zum letzten Mal am Steuer sitzt und seine Ausflugsboote anschließend aus dem Wasser holt, blickt der 56-Jährige auf eine durchwachsene Saison zurück. Nur dank des lange ungewöhnlich schönen Septembers habe das verregnete Feriengeschäft etwas ausgeglichen werden können. Mit der Abhängigkeit vom Wetter haben Hendrik Kühl und seine Frau Ute leben gelernt, als sie 1998 den Familienbetrieb übernahmen. Mehr Sorge bereitet ihm aber der Fluss selbst. In einigen Jahren, so seine Vermutung, könnte sich die Pflanzenwelt so weit ausgebreitet haben, dass die Schwentine nicht mehr befahrbar wäre.

„Wenn’s so weitergeht, wird’s schwierig“, sagt Hendrik Kühl und fischt mit einem Rechen Wasserpflanzen nahe seinem Anleger. In dem flacheren Bereich der Flussmündung hat sich ein dichter Pflanzenteppich ausgebreitet. Froschbiss, deren Blätter wie winzige Seerosenblätter aussehen oder Wasserpest haben sich rasant angesiedelt. Pflanzen, so sagt Hendrik Kühl, die lange Zeit am unteren Flusslauf verschwunden waren. Erstmals hat er jetzt auch Fadenalgen entdeckt, die sich an die schmalen Blätter der Wasserpest heften. Wie schwer dieser Pflanzenteppich zu durchdringen ist, zeigt ein Ruderer, der in seinem Boot leicht abgetrieben ist und sich zurück in das tiefere Fahrwasser kämpft.

Hauptstrom muss befahrbar bleiben

Der Betreiber der Schwentinetalfahrt weiß, dass die Hauptvegetationszeit und auch die Bootssaison vorbei sind. Auf die Veränderungen am Fluss wollte er dennoch frühzeitig hinweisen. Wichtig für ihn: Zumindest der Hauptstrom der Schwentine müsse befahrbar bleiben. Besonders problematisch sei der Bereich zwischen der Eisenbahnbrücke und der Weißen Brücke. Gewährleistet müsse zudem sein, dass der Fluss das Wasser auch bei lange anhaltendem Regen abführen kann. Er selbst – und auch sein Vater vorher – haben die Flusspflanzen früher geschnitten. Vor gut acht Jahren wollte die Stadt – die Schwentine liegt bis zur Einmündung der Kiebitzbek auf Kieler Gebiet – das nicht mehr. Der Flusslauf gehört zum europäischen Netz aus zusammenhängenden Schutzgebieten, für die gesetzliche Richtlinien (Fauna-Flora-Habitatrichtlinie, Vogelschutzrichtlinie) gelten.

Im Kieler Rathaus geht man davon aus, dass die Situation unproblematisch ist. „Der Stromstrich wird durch die Strömung und die Schrauben der Ausflugsboote freigehalten“, sagt Carsten Harrje vom Grünflächenamt. Sollten die Pflanzen, vor allem die Fadenalgen, dennoch zu Problemen an den Schiffsschrauben führen und den Betrieb gefährden, werde das Grünflächenamt in Zusammenarbeit mit dem Schwentinetalbetreiber eine Lösung finden und den Stromstrich freihalten. Wie sich der Pflanzenwuchs aber 2017 entwickelt, könne zurzeit niemand voraussehen.

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