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Dicke Luft in der Stadt

Stickoxid-Messungen Dicke Luft in der Stadt

An zwei von drei Stickoxid-Messstationen in der Stadt wurden 2015 die vorgegebenen Grenzwerte der Europäischen Union überschritten. Besonders am Theodor-Heuss-Ring herrscht eine hohe Schadstoff-Belastung. Über die allgemeine Luftqualität müssen sich die Kieler in ihrer Stadt jedoch keine Sorgen machen.

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Feinstaubmessstation am Theodor-Heuss-Ring in Kiel: Hier ist die Luft besonders dick.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel.  „Wir haben insgesamt eine gute Luftqualität“, sagte Dr. Peter Jacobsen vom Umweltschutzamt Kiel. „Da wir eine Küstenstadt sind, wird ein Großteil der Stadt gut durchlüftet“, ergänzte der Umweltplaner.

 514 Messstationen im gesamten Bundesgebiet sammelten im vergangenen Jahr Stickstoffdioxid-Werte. Drei davon stehen in Kiel. Das zuständige Landesumweltamt prüfte, ob an den einzelnen Standorten der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt eingehalten wurde.

 Zwei der drei Messstationen in Kiel erfüllten diese Vorgabe nicht. Besonders schmutzig war die Luft 2015 am Theodor-Heuss-Ring. Hier erreichte der NO2-Wert ein Jahresmittel von 64. Nur fünf Messstationen in Deutschland wiesen eine höhere Zahl auf. Mit einem Wert von 41 lag die zweite Station in der Bahnhofstraße ebenfalls über dem Durchschnittswert. „Es ist aber Quatsch, daraus ein Städteranking zu erstellen, weil es sich um punktuelle Belastungen handelt“, sagte Jacobsen zu Berichten, die der Stadt Kiel eine schlechte Luftqualität attestierten.

 „Die Stationen stehen bewusst an Belastungsschwerpunkten“, erklärte der Umweltexperte. Besonders betroffen seien Räume, an denen die Luft nicht gut durchziehe und gleichzeitig ein hohes Verkehrsaufkommen herrsche, sagte er. „Im Bereich von schmalen Straßen und seitlich hoher Bebauung sammeln sich viele Oxide, die dann nicht abziehen können“, führte Jacobsen fort. Beides gilt für die Station am Theodor-Heuss-Ring.

 Anders liegt der Fall in der Bahnhofstraße. „Dort sind die Werte mal über und mal unter dem Grenzwert“, erklärte Jacobsen. Im Zuge des Luftreinhalteplans hätten Landesumweltamt und die Stadt Kiel hier durch eine neue Einbahnstraßenregelung eine Verbesserung erzielt, erläuterte er. „Der Luftreinhalteplan für die Bahnhofstraße wird nun fortgeschrieben und erweitert, um auch den Bereich des Theodor-Heuss-Rings zu erfassen“, erzählte Jacobsen. Dazu hätte das Landesumweltamt gemeinsam mit verschiedenen städtischen Ämtern bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet.

Grenzwerte unterschritten

Die Müllverbrennung Kiel (MVK) im Theodor-Heuss-Ring 30 In Kiel hat ihre Umweltdaten aus dem Jahr 2015 veröffentlicht und zieht ein positives Fazit. Die gemessenen Werte für Staub, Stickoxide, Schwermetalle und andere Schadstoffe lagen deutlich unter den gesetzlich geforderten Grenzwerten.

„Im Jahresmittel lagen die Emissionswerte bei fünf bis zehn Prozent der genehmigten Emissionsgrenzwerte“, erklärte MVK-Geschäftsführer Frank Ehlers. Seit Januar 2016 gelten nach einer neuen gesetzlichen Vorgabe noch einmal verschärfte Regeln für Müllverbrennungsanlagen. Mit ihrer sechsstufigen Rauchgasreinigung könne die MVK auch die neuen Grenzwerte problemlos einhalten, sagte Ehlers. Kieler Bürger können die Umweltdaten des vergangenen Jahres nach einer telefonischen Anmeldung bei der MVK einsehen und sich erläutern lassen. Mehr Informationen unter www.mvkiel.de

 Die Belastung für die Anwohner am Theodor-Heuss-Ring sei bereits seit Jahren bekannt, kritisierte Ulrike Hunold, BUND-Mitglied der Kreisgruppe Kiel, das späte Eingreifen der Stadt. „Es herrscht ein akuter Notstand. Ich finde es katastrophal, dass erst jetzt über die Situation nachgedacht wird“, sagte die Umweltschützerin. „Das ist nicht nachvollziehbar, wenn es um den Schutz der Bürger geht“, ergänzte sie. Zusätzlich sorge der vorliegende Bebauungsplan für das Möbelzentrum Möbel Kraft für Brisanz. „Dabei wird der Messpunkt am Theodor-Heuss-Ring nicht berücksichtigt, und das erhöhte Verkehrsaufkommen wird außen vor gelassen“, sagte Hunold.

 Bei der Erweiterung des Luftreinhalteplans soll untersucht werden, welche Verkehrsmenge an welchem Punkt welche Emissionen am Theodor-Heuss-Ring erzeuge, erklärte Jacobsen. Aus diesen Informationen könne berechnet werden, wie stark der Verkehr abnehmen müsse, damit die Grenzwerte eingehalten werden. Die Planung sieht eine öffentliche Auslegung des abschließenden Entwurfs vor. „Damit ist sichergestellt, dass von allen Seiten Anregungen und Bedenken eingebracht werden können, die im Verfahren zu berücksichtigen sind“, sagte Jacobsen. „Klar ist, dass man eine solche Situation nicht hinnehmen kann. Die Gesundheit der Bürger ist das höchste Gut, und bei den ermittelten Werten am Theodor-Heuss-Ring kann man keine gesunden Wohnverhältnisse für die Anwohner gewährleisten“, stellte der Umweltexperte klar.

 Im Gegensatz zu den beiden hoch belasteten Stationen bewegt sich die dritte Mess-Einrichtung in der Max-Planck-Straße mit einem NO2-Wert von 16 im unauffälligen Bereich, liegt allerdings auch nicht an einem Belastungsschwerpunkt. „Die Messstation dort ist lediglich ein Referenzpunkt“, erläuterte Peter Jacobsen.

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