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Kopfschütteln über die Staatsanwaltschaft

Gaardener Fälle Kopfschütteln über die Staatsanwaltschaft

Die Mutter des mutmaßlichen Täters macht Polizei, Gesundheitsamt und dem Zentrum für Integrative Psychiatrie schwere Vorwürfe. Doch die Behörden weisen Versäumnisse von sich.

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Hätte der Missbrauch in Gaarden verhindert werden können? Die Mutter des mutmaßlichen Täters macht den Behörden schwere Vorwürfe.

Quelle: Lukas Schulze/dpa

Kiel. Oliver Grieve vom UKSH bestätigt, dass sich die Mutter hilfesuchend an das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) in Kiel gewendet hatte. Am 5. Januar, einen Tag vor dem Übergriff auf ein fünfjähriges Mädchen, habe sie telefonisch Kontakt aufgenommen. „Das ZIP hat sofort reagiert und die Dame darauf hingewiesen, dass sie die Polizei alarmieren oder einen Krankenwagen rufen möge, wenn akute Hilfe erforderlich ist“, sagt Grieve. Nach KN-Informationen soll die Mitarbeiterin aber kein „akutes Gefährdungspotenzial“ erkannt haben. Auch die Stadt Kiel bestätigt: „Es bestand laufend Kontakt zwischen der Mutter des mutmaßlichen Täters und dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Amtes für Gesundheit.“ Den letzten direkten Kontakt mit dem Sohn habe es im Sommer 2014 gegeben – „wegen erheblicher psychiatrischer Probleme“, so Arne Gloy. Anfang Januar habe sich die Mutter gemeldet: „Dabei ging es allein um die Sorgen der Mutter um das Leben ihres Sohnes“, sagt Gloy und bekräftigt: „Andere Hinweise hat die Mutter nicht gegeben.“

Scharf zurückgewiesen hat der Kieler Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) die Darstellung der Staatsanwaltschaft, wonach das erste Vergehen des am Montag inhaftierten Tatverdächtigen „mit Verzögerung“ gemeldet worden sei. „Die Polizei ist sofort gerufen worden“, betont Kreisgeschäftsführerin Irene Sebens. „Unser Personal hat hochprofessionell reagiert“, sagt die Awo-Geschäftsführerin und zeigt sich befremdet darüber, dass der Verdächtige wieder freigelassen wurde: „Warum hat der Staatsanwaltschaft das nicht gereicht?“ Unverständnis für das Agieren der Staatsanwaltschaft äußert auch die Kieler Kriminologin und Strafrechtsexpertin Monika Frommel. Die Erkenntnisse hätten für einen Haftbefehl ausgereicht. „Ich kann nicht erkennen, was da zweifelhaft gewesen sein soll.“

„Es gab keine Anhaltspunkte, die auf eine Wiederholungstat hätten schließen lassen“, kontert Oberstaatsanwalt Axel Bieler. „Selbst der Besitz von Pornomagazinen hätte nach der ersten Tat ausgereicht, einen Haftbefehl zu beantragen, doch sowas besaß der 30-Jährige nicht.“ Er weist die Vorwürfe zurück: „Wir sind auch Väter und Mütter, und uns alle entsetzt dieser Fall, doch wir sind an Recht und Gesetz gebunden.“

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Für Eltern, Kinder und Beschäftigte des betroffenen Kinderhauses ist die Lage mehr als schwierig. Mütter und Väter üben Kritik, dass sie von der Hausleitung nicht sofort nach dem Missbrauch informiert wurden, die Arbeiterwohlfahrt hält dagegen, dass dem mutmaßlichen Täter auf der Stelle Hausverbot erteilt worden sei.

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