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Die „Borowski-Fliese“ (k)lebt weiter

Kiel Die „Borowski-Fliese“ (k)lebt weiter

Kommissar Borowskis Fall der Fliesen-Rettung im Maritim-Hotel ist abgeschlossen. Wie berichtet, hatte sich „Tatort“-Ermittler, TV-Star und Hotel-Stammgast Axel Milberg vehement für die Erhaltung der 70er-Jahre-Kult-Fliesen eingesetzt, die der Sanierung von 88 Bädern im Maritim fast zum Opfer gefallen wären.

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Ein Stück Kieler Hotelgeschichte klebt bei Familie Articus in Wisch nun an der Küchenwand. Maritim-Hoteldirektor Joachim Ostertag freute die Rettung der 70er-Jahre-Kultfliesen ebenso wie ihre neuen Besitzer Arne Articus-Roth, Ehefrau Franziska Articus sowie die Kinder Ida (8) und Ebba (6, von rechts).

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Jetzt lebt ein Stück Kieler Hotelgeschichte an ganz neuen Stellen weiter – zum Beispiel hinter dem Herd von Familie Articus in Wisch.

Wenn Arne Articus-Roth am Küchentisch sitzt, hat er seinen Schatz bestens im Blick. Fein säuberlich hat der Augenoptiker-Meister vor ein paar Wochen die 50 Villeroy&Boch-Fliesen als Spritzschutz hinter dem Herd befestigt. Aber zuvor musste sich der Vater zweier Töchter noch beim Hersteller vergewissern, dass von den ehemaligen Badfliesen wirklich keine Gesundheitsgefahren ausgehen. Denn der Sammler von 70er-Jahre-Mobiliar wie Lampen, Vorhängen oder Vasen kennt sich aus: „In dieser Zeit wurde manchmal noch Uranglasur verwendet. Und mit dem Geigerzähler wollte ich natürlich nicht in der Wohnung herumlaufen.“ Doch die Bedenken erwiesen sich in diesem Fall als grundlos.

Nicht nur die Küche, auch ein Bad der Familie soll noch mit der angesagten Ex-Hotel-Keramik veredelt werden, von der noch weitere 50 Stück übrig sind. Insgesamt 1000 von ihnen, die bei den Sanierungsarbeiten erhalten blieben, hatte Maritim-Hoteldirektor Joachim Ostertag schon innerhalb weniger Tage den unerwartet vielen Interessenten zugesagt. Nach Erscheinen des Artikels über die Aktion in dieser Zeitung wurde der Hotelchef von einer Flut von Anfragen förmlich überrollt. Jetzt sind alle Fliesen gegen eine Spende von einem Euro für eine Stiftung zur Unterstützung von Unfallopfern vergeben. Nach Aufrundung der Summe durch das Hotel gehen nun 1500 Euro an die Stiftung.

Manche Interessenten wollten lediglich eine Fliese als Erinnerung an ihre Hochzeitsnacht im Maritim. Nicht ganz so glückliche, dafür umso intensivere Erlebnisse verbindet eine Dame mit den Fliesen, die davon einen ganzen Stoß als hintersinniges Geburtstagsgeschenk erhielt: Sie hatte bei einem großen Fest im Hotel vor einigen Jahren offenbar zuerst ziemlich tief ins Glas geschaut und anschließend den größten Teil der Nacht im Bad verbracht, die Fliesen aber wohl noch in bester Erinnerung.

Offensichtlich wirkt die 1972 zur Hotel-Wiedereröffnung eingebaute Wandkeramik sogar inspirierend. Gleich zwei Künstler holten sich Scherben für ihre Mosaikarbeiten. Eine weitere Künstlerin erstellte in dem speziellen Retro-Ambiente der Bäder kurz vor den jetzt endgültig abgeschlossenen Sanierungsarbeiten eine Fotoserie für eine Ausstellung, die demnächst im Atelierhaus im Anscharpark zu sehen sein wird.

Auch Axel Milberg hatte sich eigentlich eine stattliche Anzahl der von ihm so geschätzten Fliesen für das Bad in der Wohnung seiner Wahlheimat München reservieren lassen, die Keramik dann aber später wieder in die Spendenaktion zurückgegeben. Ob vielleicht seine Frau doch einen anderen Bad-Stil favorisierte, kann Joachim Ostertag zwar nicht sagen. Eines aber schon: „Ohne seine Unterstützung hätte die Spendenaktion, die zudem noch ein schönes altes Stück Kieler Hotelgeschichte bewahren hilft, nie so einen großen Erfolg gehabt. Dafür gebührt ihm Dank.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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