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Die Erinnerungen bleiben

„Kieler Hütte“ Die Erinnerungen bleiben

„Wie schade, dass es sie nicht mehr gibt“: Das ist der Tenor vieler Leser-Zuschriften, die die Redaktion nach dem Bericht zum Abriss der „Kieler Hütte“ immer noch erreichen. Außer Wehmut mischen sich in die Berichte über die Schullandheim-Aufenthalte im Harz aber auch noch jede Menge größtenteils schöne Erinnerungen.

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Junge Damen? Unter den Kopftüchern verbargen sich Jungs der Heinrich-von-Stephan-Schule in Friedrichs- ort, die sich 1960 einen Spaß mit dem Geschlechterrollentausch erlaubten.

Quelle: privat/ G. Maeckler

Kiel. Besonders in Erinnerung geblieben sind Martina Schulz zum Beispiel die fast täglichen Disko-Abende im Keller der „Kieler Hütte“ bei der Klassen-Abschlussfahrt im Jahr 1972. Höhepunkt der Festivitäten bildete aber nicht der ausgelassene Schwof auf der Tanzfläche, sondern das abschließende Ausfegen des Kellerraumes: „Dazu haben sich immer sehr viele gemeldet, denn dort wurde dann in aller Ruhe geknutscht.“

Angebändelt wurde im wörtlichen Sinn aber schon vor den Partys. Denn die Mädchen verfassten in ihren Zimmern reichlich Liebesbriefchen, die an Bändern geknotet zu den Fenstern der Jungen der anderen Schule heruntergelassen wurden. Diese Art der Annäherung ans andere Geschlecht hatte auf der „Kieler Hütte“ offenbar schon Tradition. Denn auch die bereits im Juni 1964 von Gisela Mlynek und ihren Klassenkameraden verfassten Briefchen angelten sich die Jungs von den Bindfäden vor ihren Fenstern.

"Jugend trainiert für Olympia"

Besonders in Erinnerung geblieben ist der Kielerin aber der freie Tag, den die Klasse der Goethe-Schule für einen Ausflug nach St. Andreasberg nutzte. Statt eines Eisbechers gab es in der dortigen Kneipe lediglich einen „Eisbrecher“ mit jeder Menge Alkohol – und im Anschluss reichlich Ärger mit den Lehrern inklusive Streichung der Freistunden. Die „Kieler Hütte“ war aber nicht nur ein Ort für Erstkontakte zu Hochprozentigem oder zum anderen Geschlecht. Hier maßen Jugendliche auch ihre sportlichen Kräfte. So berichtet Lutz Kühlmorgen, Sportlehrer und bürgerliches Mitglied der SPD-Ratsfraktion, von einem wahren „Skilanglaufwunder“, das sich dort zu Beginn der 1990er-Jahre anbahnte. Denn das Training für das Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ auf den Pisten rund um das Landschulheim war offenbar so erfolgreich, dass die „Steinis“ (Mädchen der Freiherr-vom-Stein-Schule) und die „Barlachs“ (Mädchen des Ernst-Barlach-Gymnasiums) beim Finale sogar die siegesverwöhnten Teams aus Bayern hinter sich ließen.

„Sehr traurig“ über den Abriss der Hütte ist Martina Schreiber. Denn sie verbrachte dort sogar einen Teil ihrer Jugend, weil ihre Eltern (Günther und und Rosemarie Schild) das Landschulheim von 1980 bis 1998 leiteten. Geblieben sind der Kielerin nicht nur die Bilder des oft hüfthoch aufgetürmten Schnees, durch den sie sich im Winter ihren Weg vom Landschulheim zum Schulbus freikämpfen musste, sondern auch die der berühmt-berüchtigten „Harzer Abende“, zu denen ihre Eltern die Lehrer einmal in der Woche einluden. Gereicht wurde den Pädagogen neben deftiger Harzer Schmorwurst auch „reichlich Schierker Feuerstein“ (Kräuterschnaps, 35 Prozent Alkohol, vom Hersteller beworben mit dem Spruch: „Trink ihn, wenn der Speisen Mengen deinen Magen sehr beengen“). Meist seien es laut Martina Schreiber lange, feuchtfröhliche Abende geworden, an die sich bestimmt viele Lehrer noch erinnern könnten: „Oder vielleicht auch nicht, wegen des Schierker.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kieler Hütte

Der erste Kuss, die erste Liebe, die erste Zigarette, die ersten Berge: Auch wenn die Klassenfahrten zur „Kieler Hütte“ oft schon Jahrzehnte zurückliegen, sind solche Erinnerungen daran offenbar nach wie vor quicklebendig.

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