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Die Kogge gerät in schwere See

Schwimmendes Wahrzeichen Die Kogge gerät in schwere See

2016 jährt sich der Baubeginn der Hansekogge zum 30. Mal. Vorfreude auf einen Geburtstag ist bei den Mitgliedern des Fördervereins Historische Hansekogge jedoch kaum zu spüren. „Wir haben große Probleme“, sagt Wolf-Rüdiger Janzen. Beide Antriebsmotoren sind kaputt und müssen ersetzt werden.

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Die Kieler Hansekogge ist fester Bestandteil der historischen Flotte der Landeshauptstadt. Ihr angestammter Liegeplatz ist beim Schifffahrtsmuseum.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Im Mai kehrt die Hansekogge wieder zur Rathje Werft zurück. Doch diesmal sind die Sorgenfalten beim Vereinsvorstand groß. Die beiden Volvo-Penta-Motoren sind durch Seeschlag mit Salzwasser beschädigt worden. „Sie müssen erneuert werden. Die Kosten dafür summieren sich auf 100000 Euro“, sagt Janzen. Der Verein konnte diese Summe nicht stemmen. „Wir haben im vergangenen Jahr gerade erst 20000 Euro für einen neuen Mast bezahlen müssen“, erklärt Janzen. Da der Betrieb von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern aufrechterhalten wird, sind große finanzielle Sprünge spontan nicht zu bewältigen.

Förderverein nahm Kredit auf

Sogar das Ende des historischen Nachbaus wurde befürchtet. Ohne Motoren hätte die Kieler Kogge in diesem Jahr keine Fahrten machen können – mit der Folge, dass dann wichtige Einnahmen für den Verein ausgeblieben wären. „Wir haben aber zum Glück bei der Förde Sparkasse einen Kredit bekommen. Damit können wir jetzt die neuen Motoren und die Werft bezahlen“, sagt Janzen. Danach muss der Verein alles daran setzen, die Schulden abzuarbeiten. „Wir sind dann auf jede Hilfe angewiesen, damit wir diese einzigartige Kogge in Deutschland erhalten können“, sagt der Vorsitzende.

Bau und Betrieb als wissenschaftliches Projekt

Es gibt zwar an der deutschen Küste mehrere Koggen, doch nur das Kieler Exemplar wurde als wissenschaftliches Projekt nach dem Vorbild eines 1962 bei Bremen in der Weser gefundenen Wracks nachgebaut. Vier Jahre dauerte der Bau, der seinerzeit als Qualifizierungsmaßnahme für arbeitslose Jugendliche gestartet wurde. „Damals konnten 80 junge Menschen in Arbeitsverhältnisse gebracht werden“, sagt Janzen. Zunächst war dabei kein Motor vorgesehen. Bau und Betrieb waren als wissenschaftliches Projekt konzipiert, bei dem Erkenntnisse über die Segeleigenschaften und den Schiffbau der Hansezeit gewonnen werden sollten.

Planbarkeit durch Motor

Erst nach dem Abschluss der Erprobungen wurde der Hilfsantrieb eingebaut – zwei Volvo-Penta-Motoren mit Schottel-Pumpjets. „Das ist notwendig, damit unsere Kogge auch ohne Schlepper am Seeverkehr teilnehmen kann. Wenn wir beispielsweise durch den Nord-Ostsee-Kanal fahren wollen, müssen wir mit Motor und ohne Segel fahren“, sagt Janzen. Aber auch für Charterfahrten ist eine gewisse Planbarkeit erforderlich. Die beiden Antriebe geben dem Schiff eine Geschwindigkeit von sieben Knoten. Durch diesen Antrieb wurden die historischen Rumpfformen so gut wie gar nicht verändert. „Das ist auch der Grund, weshalb die Kieler Kogge so einzigartig ist“, erklärt Janzen.

Seit der Fertigstellung 1991 hat die Kieler Hansekogge ihren Liegeplatz vor dem Schifffahrtsmuseum. Der Förderverein „Historische Hansekogge Kiel e.V.“ ist Eigner des Schiffes, seine rund 160 Mitglieder stellen die Crew für die Segelreisen, die Reparatur- und Verwaltungsaufgaben.

Spendenkonto

VF Hist. Hansekogge Kiel e. V.

IBAN: DE26 2105 0170 1002 4969 23  

BIC: NOLADE21 KIE.

Weitere Informationen erteilt Charlotte Hamann ( segeln@hansekogge.de, Tel. +49 431 21 90 250).

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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