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12 000 Kilometer voller Abenteuer

Die Welt auf Bambusrädern 12 000 Kilometer voller Abenteuer

Manchmal ist es so einfach. Wohnung kündigen, Sonderurlaub einreichen, ein paar Sachen organisieren und los. Nicht einmal 10 000 Euro, ein Zelt, jeweils 25 Kilogramm Gepäck und zwei Fahrräder – mehr brauchten Tim (34) und Karina Poser (29) nicht für das Abenteuer ihres Lebens.

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Viele Eindrücke und gerade einmal sieben Reifenpannen: Karina und Tim Poser unterwegsmit ihren Rädern.

Quelle: Tim Poser

Kiel/Hamburg. Das Hamburger Ehepaar nahm sich eine Auszeit vom Alltag, um nach China zu fahren. Extra langsam mit nachhaltig gefertigten Bambusrädern aus Kiel.

 Es war ein Kaltstart. Mit neuen Rädern, die sie noch keine 100 Kilometer eingefahren hatten, brachen die beiden vor rund einem Jahr in Hamburg auf. Ihr Ziel: immer Richtung Osten. So richtige Fahrrad-Cracks waren sie bis dahin eigentlich nicht. „Vielleicht sind wir mal zum Bäcker oder über die Elbe gefahren. Mehr aber auch nicht“, erinnert sich Tim. Eine gemeinsame größere Tour? Fehlanzeige. Trotz alledem haben sich die gelernte Kinderkrankenschwester und der IT- und Marketingfachmann ins Unbekannte gewagt und sind einfach drauf los geradelt. Ein Trip von 12000 Kilometern, 373 Tage lang, durch 20 verschiedene Länder. Ihr größter Antrieb: die Neugier. „Unser Ziel war es, andere Kulturen, Landschaften und vor allem die Menschen vor Ort kennenzulernen“, sagt Karina.


Über unsere Bambusräder from boo2east on Vimeo.

Und das ist ihnen gelungen: Ihre Route führte über Venedig, entlang der Adria bis nach Griechenland, von dort aus durch die Türkei entlang des Schwarzen Meeres bis hin zum Kaspischen Meer. Später durch den Iran, Turkmenistan und Usbekistan bis in die chinesische Metropole Chengdu – Höhenunterschiede von knapp 5000 Metern inklusive. „Mal fuhren wir 40 Kilometer, am Ende auch bis zu 160 Kilometer am Tag“, erinnert sich Tim. Von China flogen sie Anfang September zurück nach Zürich. „Unsere letzte Etappe führte uns dann von der Schweiz nach Hamburg. Wir wollten unbedingt mit dem Fahrrad wieder zu Hause ankommen.“

 Menschen kennenlernen und etwas erleben – das waren die Hauptbeweggründe für ihren Aufbruch ins Ungewisse. „Wir haben unglaublich viel Gastfreundschaft und Herzlichkeit erfahren“, sagt Karina. Das sei schon etwas ganz Besonderes gewesen. Viele Einheimische entlang der langen Strecke luden das Paar aus dem fernen Deutschland ein, boten Tee an, räumten ihr Schlafzimmer für die Gäste oder ließen sie im Garten zelten. „Im Iran haben wir sogar drei Wochen bei einer Familie übernachtet, weil wir auf unsere Visa für die Weiterreise warten mussten.“ Als Paar hat sie der Trip zusammengeschweißt: „Schlecht geschlafen, hungrig, Gegenwind, Regen – man kann deswegen streiten oder sich zurücknehmen“, sagt Karina.

 Auf einer solchen Reise lerne man viel über sich selbst. Emotionale Tiefpunkte bleiben da natürlich nicht aus. „Eine brenzlige Situation gab es beispielsweise in Tadschikistans. Tim lag dort zwei Tage mit Fieber flach. Irgendwo im Nirgendwo – auf dem Pamir Highway“, berichtet Karina. Das sei schon hart gewesen, da das nächste Krankenhaus mehr als 200 Kilometer entfernt gewesen sei. An Aufgeben hätten sie jedoch nie gedacht.


China from boo2east on Vimeo.

 Unterstützung bekamen die beiden Welt-Radler unter anderem von dem Kieler Startup-Unternehmen Myboo, das Bambus-Rahmen in Ghana herstellen lässt und daraus in der eigenen Manufaktur hochwertig ausgestattete Alltagsfahrräder baut. „Myboo arbeitet ökologisch und sozial nachhaltig; außerdem sind die Bambus-Rahmen besonders stabil und flexibel – deshalb wollten wir unbedingt auf ihren Rädern bis nach China fahren“, sagt Karina. Keine schlechte Entscheidung: „Es gab unterwegs nur sieben Reifenpannen. Lediglich Verschleißteile wie Ketten mussten ausgewechselt werden“, berichtet Felix Habke, einer der drei Myboo-Gründer, stolz.

 Für den Alltag nehmen Tim und Karina vor allem eines mit: „Weniger hetzen, mehr Balance“, sagt Tim. Karina trete im November ihren alten Job im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wieder an, er wolle im Januar beruflich wieder einsteigen, berichten sie. Eine neue Wohnung brauchen sie auch. Aber die Zukunft soll deutlich bewusster werden. „60 Stunden arbeiten, Geld, Auto, Haus – alles nicht so wichtig.“ Soziales Engagement und Reisen stehen künftig im Vordergrund: „Wir haben ja schließlich noch nicht viel von der Welt gesehen. Eigentlich nur die Straße von Hamburg-Finkenwerder nach China.“

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
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