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Riesen-Zoff um "Luxus-Tablets"

Digitale Ratsunterlagen Riesen-Zoff um "Luxus-Tablets"

Am Donnerstag fliegen aller Voraussicht nach die Fetzen in der Ratsversammlung – aber keine aus Papier. Denn dessen Verbrauch wollen die Ratsleute durch die Anschaffung neuer iPads deutlich senken. Über deren Ausstattung ist jetzt aber ein Riesen-Streit entbrannt.

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Die Kieler Ratsversammlung möchte Papier einsparen und Unterlagen digital auf dem iPad lesen. Jetzt gibt es Streit um die dafür nötige technische Ausstattung.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Kiel. Im Grundsatz sind sich die Fraktionen über die Digitalisierung ihrer Arbeit zwar einig. Allerdings nicht über die technischen Details der dazu nötigen Geräte und der damit verbundenen Anschaffungskosten, die entweder 43000 Euro oder auch doppelt so hoch ausfallen könnten.

Für die Verwaltung ist die Sache klar: Sie will die Anschaffungskosten möglichst niedrig halten und plädiert für die Beschaffung von 120 iPads „Apple Standard, 9,7 Zoll“, Stückpreis: 360 Euro, Gesamtkosten: rund 43000 Euro. Auch mit diesem Standard-Modell könnten die Sitzungen „ausreichend gut und schnell“ vorbereitet und mitverfolgt werden.

Was das Standard-Modell allerdings nicht bietet: Ratsleute könnten in den digitalisierten Sitzungsvorlagen keine Notizen anbringen. Dies sei nur in dem doppelt so teuren iPad-Modell „Pro“ (720 Euro pro Stück) möglich, dazu müsse aber ein Spezialstift mit angeschafft werden. Welche der beiden Geräte-Varianten gewählt würden, entscheide die Selbstverwaltung (also die Fraktionen).

Die CDU hat sich bereits klar entschieden, sie will auf jeden Fall die teurere „Pro“-Version. „Manchmal sind höhere Anschaffungskosten effektiver, wenn dadurch eine größere Akzeptanz und ein wesentlich effizienteres Arbeiten erreicht werden kann“, argumentiert CDU-Fraktionschef Stefan Kruber. Denn die von Kruber durch die iPad-Nutzung erwarteten (Papier-)Einsparungen in Höhe von 40000 Euro im Jahr seien nur dann zu erzielen, wenn die neuen Geräte auch wirklich verwendet würden und nicht zu viele seiner Kollegen zur Papiervariante zurückkehrten.

Die Fraktionen von SPD und SSW halten Krubers Forderung dagegen für völlig überzogen: „Schwarze Spendierhosenträger wollen Luxus-Tablets für Ratsmitglieder“, ätzten sie per Pressemitteilung Richtung Christdemokraten. Dass ausgerechnet der „schwarze Sparkommissar“ Kruber doppelt so viel Geld wie erforderlich ausgeben wolle, sei „ungeheuerlich“. Die Variante für 43000 Euro sei für die Gremienarbeit völlig ausreichend. Stattdessen 86000 Euro für „überflüssigen Luxus“ ausgeben zu wollen, grenze aus Sicht der SPD „an Selbstbedienung“. Zudem sei es „bedauerlich“, dass auch die Grünen diese „überflüssige Ausgabe“ unterstützten.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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