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Von Kiel hinaus in die Welt

Diplomatie Von Kiel hinaus in die Welt

Junger Kieler übernahm bereits mit 27 Jahren in Venezuela den ersten diplomatischen Posten. Jetzt berichtete Moritz Jacobshagen von seinen Erfahrungen in der Uni.

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Moritz Jacobshagen informierte am Montag in einem Vortrag an der Kieler Uni über Berufsperspektiven im höheren diplomatischen Dienst.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Wenn sich venezolanische Studenten mit einem deutschen Diplomaten verabreden, rechnen sie wahrscheinlich mit einem ergrauten älteren Herren mit Einstecktuch. Entsprechend groß war die Verwunderung, als Moritz Jacobshagen einer Gruppe junger Südamerikaner vor zweieinhalb Jahren die Tür zu seinem Haus in der Hauptstadt Caracas öffnete. Der in Kiel aufgewachsene junge Mann, heute 31 Jahre alt, war damals Erster Sekretär an der deutschen Botschaft in Venezuela – protokollarisch die Nummer drei.

Diese und andere Anekdoten erzählte Jacobshagen am Montag im Audimax der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vor knapp 90 Studenten. Das Team für Akademische Berufe der Agentur für Arbeit und das Career Center der Universität hatten den Diplomaten zu einem Vortrag in seine alte Heimat eingeladen. „Zu Beginn war es eine große Rolle, in die ich hineinwachsen musste“, blickt Jacobshagen auf seine erste Station in diplomatischer Mission zurück. „Aber nach den drei Jahren war ich traurig, zu gehen.“

Schon als 16-Jähriger will er Diplomat werden

Den Wunsch, Deutschland beruflich auf internationaler Bühne zu vertreten, verfolgt Jacobshagen bereits seit seinem 16. Lebensjahr. „Damals habe ich einen Schüleraustausch nach Brasilien gemacht. Die Bewohner im Dorf meinten, ich sei ja ein kleiner Botschafter meines Landes“, erklärt der gebürtige Heikendorfer. „Nachdem ich mich ein wenig über das Berufsbild informiert hatte, wollte ich in den diplomatischen Dienst“, sagt Jacobshagen. Nach dem Abitur arbeitete er zunächst in Brasilien für eine Austauschorganisation und studierte dann Internationale Beziehungen in St. Gallen und Paris.

„Um mir meinen Berufswunsch zu verwirklichen, musste ich unbedingt Sprachen lernen und Auslandserfahrungen sammeln“, hebt er hervor. Heute beherrscht Jocobshagen mehrere Fremdsprachen, darunter Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch. Mit 25 hatte er nach einem Wirtschaftsstudium in London seinen zweiten Masterabschluss in der Tasche, sah aber keinen günstigen Moment, um sich für eine diplomatische Karriere zu bewerben. „Ich hatte damals keine nennenswerte Berufserfahrung“, erläutert er seine Wahl, zunächst einmal als Unternehmensberater zu arbeiten.

Ers spät wagt er die Bewerbung

Doch eineinhalb Jahre später wagte er den Versuch und setzte sich schließlich im Mai 2011 nach einem langen Bewerbungsprozess beim Auswärtigen Amt durch. Nach 14 Monaten Vorbereitungsdienst auf der Diplomatenakademie in Berlin übernahm der damals 27-Jährige in Venezuela seinen ersten diplomatischen Posten, der ihn vor viele Herausforderungen stellte. Am stärksten bleibt Jacobshagen die Rede in Erinnerung, die er am Holocaust-Gedenktag vor der jüdischen Gemeinde in Caracas halten durfte.

Der dreijährige Rhythmus aus Auslands- und Inlandsdienst führte Jacobshagen im vergangenen Jahr wieder in die Heimat. Die Arbeit in der Onlineredaktion des Auswärtigen Amts gestaltet sich ebenfalls abwechslungsreich. Vor kurzem begleitete er den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf einer Auslandsreise. Im Gepäck hatte er eine Videokamera, um den Besuch des Chefdiplomaten festzuhalten. „Wenn man dann gemeinsam mit dem Minister aus dem Flugzeug steigt, und einem der rote Teppich ausgerollt wird, bekommt man noch immer Gänsehaut“, beschreibt Jacobshagen das Gefühl, seinen Berufswunsch verwirklicht zu haben.

Von Florian Sötje

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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