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Soziologe: Unklar, ob der Zuzug anhält

Dialogreihe in Kiel Soziologe: Unklar, ob der Zuzug anhält

Stadtbaurätin Doris Grondke hatte zur öffentlichen Diskussion über „Wohnen in der wachsenden Stadt“ eingeladen und musste am Donnerstagabend in der Pumpe etwa 250 Hände schütteln. Passend zur Problemstellung wurde es im großen Saal eng. Das Aufregerthema Wohnraummangel hatte die Bürger mobilisiert.

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Start der Dialogreihe "Kieler Perspektiven" mit rund 250 Besucher in der Pumpe: (v. li.) Moderator Markus Birzer, Stadtbaurätin Doris Grondke und Soziologe Albrecht Göschel stellten sich den Fragen. 

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Nach vier Monaten im Amt wollte Dezernentin Grondke den Kieler die Komplexität des Problems Wohnen und Bauen vermitteln. „Das ist alles nicht so einfach, wie Sie sich das denken“, entfuhr es ihr später. Doch da war ihre Botschaft beim Publikum längst angekommen. Dafür hatte Grondkes Freund, Stadtplaner und Soziologe aus Berlin mit seinem Vortrag über die soziologischen Hintergründe bereits gesorgt. Albrecht Göschel referierte unterhaltsam und aufschlussreich über die „dramatischen Veränderungen im Bereich des Wohnens“ und die Herausforderungen, mit denen er die Großstädte konfrontiert sieht: Reurbanisierung, Polarisierung und Differenzierung.

Der Soziologe räumte ein, dass es die eine große Strategie zur Lösung des Wohnungsproblems nicht gebe und riet davon ab, allein auf Wachstum zu setzen: „In Kiel ist es nicht sicher, ob die Zuwanderung und damit das Wachstum anhält.“ Es sei heikel, jetzt ein Wohnungsbauprogramm aufzulegen. „Ich warne engagierte Bürger, ihre Städte unter Druck zu setzen, radikale Hauruckmaßnahmen in kurzer Zeit umzusetzen, die möglicherweise in zehn, 15 Jahren obsolet sind.“ Doch davon ließen sich die Vertreter des Bündnisses „Wir machen Stadt“ nicht abbringen und forderten die Schließung des Flughafens Holtenau.

Auch andere Funktionsträger meldeten sich zu Wort. „Es ist höchste Zeit, dass die Stadt etwas tut“, forderte etwa Heidrun Clausen vom Mieterverein. „Wir brauchen jetzt Wohnungsbau durch die Kommune.“ Oberbürgermeister Ulf Kämpfer verteidigte die Stadtpolitik: Alle seien sich einig, dass beim sozialen Wohnungsbau und beim bezahlbaren Wohnraum viel getan werden müsse, aber es sei nicht so einfach, „sonst hätten nicht alle attraktiven Städte in Deutschland ganz ähnliche Probleme“. Als flächenarme Stadt mit geringem Wohnungsbestand habe Kiel besondere Schwierigkeiten.

Weitere geplante Veranstaltungen zur Reihe stehen hier.

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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