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„Übergriffe und Überfälle passieren überall“

Dunkles Kiel „Übergriffe und Überfälle passieren überall“

Eine unzureichende Straßenbeleuchtung ist nicht automatisch eine Einladung für Sexualstraftäter, aber das subjektive Sicherheitsempfinden – vor allem von Frauen – beeinflusst sie doch. Das ist die Kernaussage der meisten Kommentare unserer Leser zur Berichterstattung über Kiels dunkle Straßen.

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Schlecht beleuchtete Angsträume wie in der Blücherstraße sind in Kiel ein viel diskutiertes Thema.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Nicht nur in Kiel lässt die Beleuchtung immer mehr zu wünschen übrig“, schreibt Facebook-Userin Dorothea Samelowsky. „Es ist richtig gruselig und teilweise nur mit Taschenlampe zu meistern.“ Caddy Rosè würde sich auch über eine lückenlose Beleuchtung freuen: „Erst recht in den Parks und in den Seitenstraßen.“ Vivian Sonnenblume fühlt sich von dem Thema besonders angesprochen, weil sie selbst schon angegriffen worden ist. „Ich wurde im Februar 2011 mitten am Ostring überfallen, an einer Stelle, die definitiv zu dunkel ist“, schreibt sie auf Facebook. Trotz Beschwerde sei dort bis heute keine zusätzliche Beleuchtung angebracht worden. „Es wird immer alles nur belächelt.“

Gibt es Gewalt vor allem auf dunklen Straßen? Natürlich nicht, sagen viele Leser. „Gewalt wird längst nicht nur im Dunkeln ausgeübt“, ist User Jonas Dingeskirchen überzeugt. Und Sabine Umrau fragt: „Ist jetzt die Dunkelheit in den Straßen schuld, dass Frauen belästigt werden?“ Nicht wirklich, sagt Jasmine Patzer, aber die Täter hätten im Dunkeln schon „ein leichteres Spiel.“ Auf KN-online schreibt User kn2015: „Übergriffe und Überfälle passieren überall – ob hell oder dunkel.“ Wer aufmerksam die Berichte verfolge, müsse erkennen, dass angstmachende Gewalt überall und unmittelbar drohe.

Grüne wollen Antrag einreichen

Fördeschwabe bezweifelt auf KN-online, dass mehr Licht das Sicherheitsempfinden verbessert. „Es gibt eine ganze Latte an Untersuchungen, die zeigen, dass mehr Beleuchtung nicht zu mehr Sicherheit führt – im Gegenteil.“ Starke Beleuchtung erhöhe die Kontraste und sorge dafür, dass Übeltäter oder Hindernisse im Schatten noch später erkannt würden.

Der Kieler Kreisverband der Grünen will bei der heutigen Kreismitgliederversammlung über einen Antrag abstimmen lassen, der die Stadt Kiel dazu auffordert, „aktiver gegen Angsträume im Stadtbild vorzugehen.“ Zur Begründung heißt es: „Der öffentliche Raum sollte für jeden frei zugänglich sein, ohne dass man Angst vor einer Bedrohung vor Gewalt und kriminellen Übergriffen haben muss.“ Die Bewältigung von Angsträumen sei eine klassische und wichtige Aufgabe der kommunalen Sicherheitspolitik. Außerdem fordert der Kreisverband eine „prominentere Möglichkeit“ zur Meldung dunkler Ecken.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Beleuchtung in Kiel
Foto: Das Smartphone als einzige Lichtquelle: Yvonne Blust (26) ist froh, dass sie in der schlecht beleuchteten Projensdorfer Straße nicht komplett im Dunkeln steht.

Die Berichte von sexuellen Übergriffen auf junge Frauen in der Wik haben heftige Diskussionen darüber ausgelöst, wie sicher man sich in Kiel bewegen kann. Dabei steht nicht nur die Angst vor möglichen Angriffen im Vordergrund, sondern auch die als unzureichend empfundene Beleuchtungssituation.

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