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Wenn die Steckdose zugeparkt ist

E-Autos in Kiel Wenn die Steckdose zugeparkt ist

Immer wieder erlebt Jörg Pachaly die gleiche Situation: Er will sein E-Auto an einer der drei Kieler Ladestationen im öffentlichen Raum aufladen, doch der Platz ist besetzt. Weil Autofahrer von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor hier parken.

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So viel Glück wie hier hat Jörg Pachaly selten. Oft parken Autos vor der Ladesäule am Blücherplatz, so dass er sein E-Fahrzeug nicht aufladen kann.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Das nervt“, sagt der Elektrotechnikmeister.

 Seit vier Jahren besitzt Pachaly ein E-Auto, als Firmenwagen. Er repariert Elektrogeräte, oft bei den Kunden zu Hause. Deshalb ist er viel mit dem Auto unterwegs. „Ich hab mich damals bewusst für ein E-Auto entschieden“, erzählt der 49-Jährige. Er sei von der Technik begeistert und auch davon, einen Beitrag für den Umweltschutz zu leisten. „Es ist an manchen Stellen in Kiel wirklich schlimm, wie stark die Luft dort belastet ist.“

 Zu Hause und bei der Firma kann er sein Auto problemlos aufladen. Wenn er unterwegs ist, würde er kurze Parkphasen gerne nutzen, um das Auto an den Strom anzuschließen – gerade wenn eine Ladesäule in der Nähe ist. „Wenn ich Kunden am Blücherplatz habe oder hier auf den Markt gehe, könnte ich die Ladesäule hier gut nutzen.“ Eine Aufladezeit von 20 Minuten würde schon reichen, um mit dem Auto wieder problemlos durch die Stadt zu fahren. „Aber die Ladeplätze sind hier immer besetzt“, klagt Pachaly.

 Dabei sei die Beschilderung eindeutig, und auch die Ladesäule sei nicht zu übersehen. „Ich glaube nicht, dass da jemand parkt, weil er die Schilder nicht gesehen hat. Das ist ja offensichtlich, dass hier eine E-Ladesäule ist.“ Aktiv gegen die Falschparker vorgegangen ist Pachaly bisher allerdings noch nicht.

 Anders Dieter Hartwig. Dem Vorsitzenden des Ortsbeirats Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook fallen jedes Mal, wenn er mit dem Fahrrad am Blücherplatz vorbeifährt, die vielen Autos mit Verbrennungsmotor auf den Lade-Parkplätzen auf. Er versucht nun, die Falschparker auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen. „Ich habe auf meinem Computer einen kleinen Text geschrieben, den drucke ich aus und klemme den Zettel den Autos unter den Scheibenwischer“, erzählt Hartwig. Außerdem hat er noch einen Stempel des Ortsbeirats neben den Text gesetzt. Ihn ärgert das Verhalten der Autofahrer. „Die Bürger mit E-Autos gehen mit gutem Beispiel voran und wollen etwas verändern. Aus Egoismus machen die anderen Autofahrer dann alles wieder kaputt.“ Man könne nur genügend Autos mit Elektroantrieb auf die Straße bekommen, wenn man die Besitzer solcher Fahrzeuge unterstützt.

 Das sieht man bei der Verwaltung der Landeshauptstadt ganz ähnlich. Dem Tiefbauamt ist die Problematik bekannt, immer wieder erreichen die Mitarbeiter Anrufe von betroffenen Autofahrern, die ihr E-Fahrzeug nicht laden können. Deshalb hat man sich in Rücksprache mit dem Bürger- und Ordnungsamt nun entschieden, aktiver als bisher dagegen vorzugehen. Es soll in Zukunft stärker kontrolliert werden – Strafzettel inklusive. Außerdem sollen sich E-Auto-Besitzer bei der Stadt melden können, um belegte Ladesäulen zu melden.

 „Im Rahmen unserer üblichen Erreichbarkeit werden wir Bürgerhinweisen mit Kontrollen und eventuellem Abschleppen nachgehen“, erklärt Wolfgang Röttgers, Dezernent für Finanzen, Personal und Ordnung. Das heißt, wenn das Ordnungsamt nicht besetzt ist, kann auch nicht abgeschleppt werden. Ohnehin wird die Stadt nur abschleppen lassen, wenn sich jemand bei der Stadt meldet, der sein Auto wegen Falschparkern nicht aufladen kann.

 Das ist in Hamburg anders. Hier werden die Parkplätze vor E-Ladesäulen so behandelt wie Behindertenparkplätze oder Feuerwehrzufahrten: Falschparker werden abgeschleppt. Auch dann, wenn sich niemand beschwert hat.

 In Kiel plant das Tiefbauamt zumindest eine optische Gleichstellung der Parkplätze vor den Ladesäulen mit Behindertenparkplätzen: Im Frühjahr plant das Amt, gut sichtbar Piktogramme auf der Parkfläche aufzubringen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass das hilft“, sagt Jörg Pachaly. Viel wichtiger sei aber, dass sich das Bewusstsein der Menschen ändere. „Es muss in den Köpfen ankommen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihr Auto an den Ladesäulen aufladen wollen. Und der Platz deswegen freigehalten werden sollte.“ Wenn das erreicht sei, seien neue Schilder oder Abschleppen gar nicht mehr nötig.

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Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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