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Neues Kraftwerk: Warten auf Brüssel

EU-Notifizierung Neues Kraftwerk: Warten auf Brüssel

Eigentlich sollte es zügig gehen – doch noch immer gibt es kein endgültig grünes Licht für den Bau des Gasheizkraftwerks auf dem Kieler Ostufer. In seiner Sitzung am Freitag hat der Aufsichtsrat der Stadtwerke Kiel den Baubeschluss für das insgesamt rund 290 Millionen Euro teure Projekt vertagen müssen.

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Blick auf die Baustelle am Gemeinschaftskraftwerk: Vor dem endgültigen Baubeschluss für das Gasheizkraftwerk muss Brüssel die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung absegnen.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel/Brüssel. Grund: Erst wenn die sogenannte Notifizierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) vorliegt, können konkrete Projekte genehmigt werden.

 Als Ursache für die Verzögerung nannten die Stadtwerke Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten Direktionen innerhalb der EU-Kommission. „Inhaltlich gibt es aber keine neue Lage“, betonte Stadtwerke-Vorstandschef Frank Meier. Er habe weiterhin „keinerlei Zweifel“ daran, dass das für die künftige Energieversorgung der Stadt zentrale Projekt wie geplant im Herbst 2018 in Betrieb gehen kann.

 Allerdings hat der Aufsichtsrat eine Neustrukturierung der gesamten Unternehmensfinanzierung der Stadtwerke genehmigt. Diese beinhaltet neben der Umschuldung von Altkrediten, der Finanzierung von Investitionen in das Stammgeschäft auch Darlehen für die Finanzierung des Gasheizkraftwerks. Diese Darlehen dürfen jedoch erst in Anspruch genommen werden, wenn die EU-Notifizierung vorliegt und die Bauentscheidung getroffen ist.

 Ende August hatte, wie berichtet, das Bundeswirtschaftsministerium verkündet, dass Brüssel die Novellierung des KWKG genehmigen werde. Hocheffiziente Anlagen, die im Rahmen der Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig Strom und Wärme produzieren, erhalten aus klimapolitischen Gründen eine Förderung. Dies trägt auch zur Wirtschaftlichkeit des geplanten Kieler Gasheizkraftwerks bei.

Zeit drängt

 Eigentlich wollte der Aufsichtsrat der Stadtwerke die offizielle Bauentscheidung längst getroffen haben, doch alle bislang angesetzten Termine waren wegen der unklaren Förderperspektiven verstrichen. So langsam drängt die Zeit, denn Bauunternehmen und Motorenhersteller sind lediglich bis Ende November an ihre Angebote gebunden. Diese Frist war bereits im Sommer einmal verlängert worden. Im August 2015 hatten die Stadtwerke Kiel, die Kraftanlagen München GmbH als Generalunternehmer und ein Tochterunternehmen des amerikanischen Konzerns General Electric (GE) als Motoren-Hersteller die entscheidenden Verträge für den Bau des neuen Kraftwerks unterzeichnet.

 Doch bei aller Unsicherheit gibt es auch eine gute Nachricht: Nach intensiven Gesprächen mit mehreren Banken ist die Finanzierung des Großprojektes in trockenen Tüchern. Meier: „Wir haben die Verhandlungen erfolgreich beendet.“ Wie berichtet, übernehmen die Europäische Investitionsbank und die Investitionsbank Schleswig-Holstein mit zusammen 135 Millionen Euro den größten Batzen der Finanzierung.

 Im Gegensatz zum bisherigen Kohlekraftwerk lässt sich das Gaskraftwerk innerhalb weniger Minuten auf die Nennleistung von 190 Megawatt hochfahren. So können Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen und der Strom in diesen Zeiten gewinnbringend verkauft werden. Zudem werden im Betrieb 192 Megawatt Fernwärme für das Kieler Verbundnetz erzeugt, die rund 70000 Haushalte mit Wärme versorgen. Das neue Kraftwerk soll das in die Jahre gekommene Gemeinschaftskraftwerk (GKK) ersetzen.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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