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Kieler Forscher leiten Quallen-Projekt

EU gibt Millionenspritze Kieler Forscher leiten Quallen-Projekt

Für Badegäste sind sie eklige Glibbertiere, für Forscher verkannte Schönheiten. Mit sechs Millionen Euro fördert die EU ein Forschungsprojekt über Quallen, dessen Leitung in Kiel liegt. Demnach könnten Menschen von ihnen profitieren: als Dünger, als Biowaffe gegen Plastikmüll oder als Fischfutter.

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Auch die Kompassqualle, das Wappentier der Biologischen Anstalt Helgoland, ist auf dem Vormarsch.

Quelle: ZDF/Florian Graner

Kiel. Quallen haben kein Rückgrat, bestehen zu 99 Prozent aus Wasser und zählen mit mehr als 500 Millionen Jahren zu den ältesten Tieren. Dass sie zunehmend in Schwärmen auftreten, liegt am Klimawandel, aber auch an der Überfischung der Meere. Denn mit den Fischen verschwinden die Nahrungskonkurrenten von Quallen – mit zum Teil verheerenden Folgen: So haben die Nesseltiere an europäischen Küsten nach Mitteilung vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Geomar bereits Fischfarmen vernichtet und Kühlsysteme von küstennahen Kraftwerken verstopft. Ein Konsortium von 15 wissenschaftlichen Institutionen aus acht europäischen Ländern will jetzt in dem Projekt „Gojelly“ über vier Jahre der Frage auf den Grund gehen, wie die Menschen mit diesen Umweltfolgen in Europa am sinnvollsten umgehen können.

Biomasse gegen Plastikmüll und als Futter für Zuchtfische

„Wir neigen dazu, die Quallen so weit wie möglich zu ignorieren. Doch es muss andere Lösungen geben“, mahnt die Geomar-Meeresbiologin Dr. Jamileh Javidpour, die das Projekt koordiniert.  Die Kieler Wissenschaftlerin kündigt zwei Schwerpunkte an: Zum einen wollen die beteiligten Forscher  die Lebensweise vieler Quallenarten näher erkunden, zum anderen Vorschläge erarbeiten, was mit der abgefischten Biomasse passieren soll. Konkrete Ideen gibt es einige: Quallen könnten mit ihrem Schleim Plastikmüll im Meer binden, als Futter für Zuchtfische und als Collagenlieferant für Kosmetikartikel dienen oder sogar auf unserem Speiseplan landen. Die gesammelten Informationen sollen dazu beitragen, eine interaktive Online-Karte und eine App zu erstellen, um künftig Prognosen über das Auftreten von Quallenblüten treffen zu können.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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