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Unterschrift mit Herzbeben

Ehe für alle seit Montag Unterschrift mit Herzbeben

Fünf gleichgeschlechtliche Paare nutzten Montagvormittag den erstmöglichen Termin und ließen sich trauen. Tanja Röttger (47) und Sabine Walbert-Röttger (45) mussten beim Ja-Wort mit den Tränen kämpfen. Als „Herzbeben“ beschrieben sie nach der Zeremonie ihren emotionalen Ausnahmezustand.

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Nutzten gleich den erstmöglichen Termin, um in Kiel zu heiraten: Tanja Röttger (links) und Sabine Walbach-Röttger.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Dieser 2. Oktober hat es aber auch mehrfach in sich. Er ist nicht nur Tanjas und Sabines Hochzeits-, sondern auch ihr persönlicher Kennenlerntag (wir berichteten). Und dieses Datum wird in die Geschichtsbücher der Stadt eingehen – als erster Tag, an dem Frau mit Frau und Mann mit Mann als Eheleute das Standesamt in Kiel verließen. Einen Tag zuvor, am Sonntag, waren schon die Standesämter in Berlin, Hamburg und Hannover geöffnet, um gleichgeschlechtliche Paare zu trauen. Der Bundestag hatte im Juni die historische Gesetzesänderung zum 1. Oktober beschlossen und damit die volle Gleichstellung in der Ehe, etwa bei der Adoption von Kindern.

In Kiel war das Interesse zunächst begrenzt und eine Sonntagsöffnung kein Thema, wie Standesamtsleiter Nils-Helge Reinert berichtete. Bisher liegen dem Kieler Standesamt 20 Anmeldungen auf Eheschließungen gleichgeschlechtlicher Paare mit Terminen in diesem Jahr vor. Vier lesbische und ein schwules Paar nahmen gleich am Montag die Chance zur Eheschließung wahr. Genauer: Sie ließen ihre eingetragene Lebenspartnerschaft zur Ehe umschreiben.

Seit 2001 gibt es die eingetragene Lebenspartnerschaft. Seither wurde die Möglichkeit 3500-mal in Schleswig-Holstein genutzt, berichtet Reinert. Wie viele Partnerschaften davon noch bestehen, wisse er nicht, aber er rechne damit, dass die meisten von ihnen in den nächsten Jahren in die Ehe gehen. „Es ist keine Automatik, sondern ein bewusster Schritt mit Anmeldung und Eheschließung“, so Reinert. „Wer ihn nicht geht, der bleibt verpartnert.“

Das kam für Tanja und Sabine nicht infrage. Sie sind überzeugt, dass die Ehe folgen musste: „Es gibt jetzt keine Hürden mehr, es ist jetzt alles gleich, wie bei allen anderen auch“, freuten sie sich nach der Eheschließung. Auch bei den Mitarbeitern des Standesamtes herrschte gute Laune: „Die gesamte Standesbeamtenschaft ist heilfroh, dass es jetzt die Ehe für alle gibt. Ganz eindeutig“, sagt der Standesamtsleiter. „Es war diskriminierend. Aus meiner Sicht hätte es sofort passieren sollen. Dass es sich so lange hingezogen hat – von 2001 bis heute –, ist schade.“

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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