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Ehemaliger pädagogischer Leiter verteidigt Einrichtung

Friesenhof Ehemaliger pädagogischer Leiter verteidigt Einrichtung

Das Konzept des mittlerweile geschlossenen „Friesenhofes“ war gut - sagt der langjährige pädagogische Leiter im Untersuchungsausschuss. Ob es umgesetzt wurde, habe er nicht kontrolliert. Ob es überhaupt ein Konzept gegeben hat — dazu gibt es unterschiedliche Aussagen.

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Die Friesenhof-Einrichtung in Dithmarschen war im Juni 2015 nach massiven Vorwürfen geschlossen worden.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Ob ausgebildetes Personal für die Betreuung schwer verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher wie in den Mädchenheimen Friesenhof wirklich nötig sei? „Die reine fachliche Qualifikation sagt nichts darüber aus, ob jemand für Arbeitsprozesse geeignet ist“, behauptete am Montag Heiner N., der von 2008 bis zur Zwangsschließung pädagogischer Leiter in der Dithmarscher Skandal-Einrichtung zuständig war. Ihm sei es vor allem auf Mitarbeiter angekommen, die ein „Standing im Leben“ gehabt hätten, sagte er im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA). Anderslautende Anweisungen der Landesheimaufsicht habe man jahrelang ignoriert. Personal sei in diesem Bereich ohnehin knapp.

Die Bezeichnung Strafsport wollte der 60-Jährige auch nicht gelten lassen. Sport diene der „Kanalisation von Aggressionen“, und er bedauere bis heute, dass das Landesjugendamt den 4-Uhr-Frühsport untersagte. Gehorsam, Drill und ein minutiös getakteter Tagesablauf: Heiner N. berichtete, dass Lothar Kannenberg, an dessen umstrittener Bootcamp-Pädagogik sich der Friesenhof orientierte, Pläne schmiedete, sich in Dithmarschen einzukaufen. Zumindest ökonomisch ging das Konzept auf: „Es war nicht schwierig, zu 100 Prozent ausgelastet zu sein. Wir hatten Wartelisten.“

Ein ehemaliger Betreuer, von Beruf eigentlich Personenschützer, berichtete später von einem Mädchen, dessen Bauchschmerzen die Kollegen eineinhalb Wochen als Simulation abgetan hatten. Arztbesuche seien unerwünscht gewesen. Als der heute 34-Jährige das Mädchen auf eigene Faust zur Klinik fuhr, rettete man es dort vor einem Blinddarmdurchbruch.

Indes hat Staatssekretärin Anette Langner (SPD) in ihrem Ministerium Optimierungsbedarf eingeräumt. Die derzeitige Praxis, wonach der jeweilige Sachbearbeiter für die korrekte Aktenführung selbst zuständig ist, gelte allerdings seit 1999. Derzeit schule man die Mitarbeiter in Workshops. Das viel zu späte Eingreifen des Sozialministeriums in der Causa Friesenhof hatte zur Einrichtung des PUAs geführt.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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