27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Ein Projekt mit Spaß und Sinn

Eiderbad in Kiel Ein Projekt mit Spaß und Sinn

Es waren aufgeregte Zeiten, als die Kieler Kommunalpolitik Mitte der 2000-er Jahre das Kienbaum-Gutachten zur Neuordnung der städtischen Aufgaben diskutierte. Auf der Liste der potenziellen Grausamkeiten stand damals auch die Schließung des Eiderbades in Hammer. Doch es ist anders gekommen.

Voriger Artikel
Studenten bringen Staaten auf Kurs
Nächster Artikel
Motorradfahrer stirbt nach Unfall

An schönen Tagen ist das Eiderbad ein Anziehungspunkt für alle Generationen. Dann sind es nicht nur die Jüngeren, die Abkühlung im Wasser suchen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Hoher Sanierungsbedarf, gewaltige Betriebskosten, kein Geld in der Kasse. Für den damaligen Stadtrat Adolf-Martin Möller war klar: „Das Ding wird dichtgemacht“. An diesen Wortlaut erinnert sich CDU-Ratsherr Michael Frey. Und erst recht erinnert er sich an den „unheimlich großen Aufschrei“, den die Pläne der Verwaltung im Stadtteil auslösten.

 Dass sich in Hammer schon recht bald unheimlich große Erleichterung breitmachte, ist einem durchaus ein bisschen historischen Telefongespräch zu verdanken. Frey beklingelte Klaus Teske, den Chef der Stiftung Drachensee, und fragte, ob er sich vorstellen könnte, sich mit seiner Einrichtung im Eiderbad zu engagieren. „Das gab es ja damals noch gar nicht so häufig“, sagt Teske, der nicht spontan zustimmte, sondern erst einmal kritisch prüfte. Würde die Trägerschaft eines Freibades Teilhabe und Arbeit für Menschen mit Behinderung schaffen? Wäre die Aufgabe fachlich zu leisten? Und würde sich die Sache zumindest kostendeckend rechnen? Die Antwort fiel jeweils positiv aus, und so startete die Stiftung Drachensee am 11. Juni 2005 in ihre erste Badesaison. Bei sportlichen 14 Grad Wassertemperatur. Heute, zum zehnten Jahrestag, könnten es mit etwas Glück 20 Grad werden. Und überhaupt entwickelte sich die zunächst auf ein Probejahr befristete Aktion Badespaß sehr gedeihlich. Der zuvor mangels städtischen Personals gar zu naturnah daherkommenende Grünbereich präsentiert sich dank fleißiger Drachenseer gepflegter denn je. Die Ausstattung wurde von nostalgischen Umkleidehäuschen bis zu kleinen Strandkörben aus hauseigener Produktion jedes Jahr etwas schöner. Und die Bedeutung des Eiderbades für die Sicherheit nahm stetig zu. Waren es im ersten Jahr acht Kinder, die einen Schwimmkursus absolvierten, sind es inzwischen teilweise mehr als 100.

 „Es ist ein kleines Schmuckstück geworden“, freut sich Michael Frey über die Früchte, die seine Idee getragen hat. Und Gerwin Stöcken, der Nachfolger von Adolf-Martin Möller, spricht nicht zuletzt in seiner Eigenschaft als Sozialdezernent von einem „Glücksgriff“. Geradezu ideal sei es gelungen, in Hammer acht „sinnstiftende Arbeitsplätze“ für Menschen mit Behinderung zu schaffen, betont Stöcken, der zugleich ebenso wie Klaus Teske betont, dass dieses Modell kostenmäßig keineswegs Wunderdinge bewirkt. Zwar steuern Stadt und Stiftung jeweils überschaubare 50.000 Euro zum Jahresetat bei, doch die acht Arbeitsplätze per Werkstattvertrag werden nach dem Sozialgesetzbuch 12 ebenfalls von der Stadt bezahlt. „Hier geht es ums Menschliche und nicht um die Zahlen“, befindet Stöcken vor diesem Hintergrund.

 Ortsbeiratsvorsitzender Winfried Jöhnk (SPD) ist unterdessen rundum glücklich mit dem Lauf der Dinge. „Ohne die Stiftung Drachensee hätten wir diese Einrichtung heute nicht mehr“, ist er überzeugt. Vieles deutet darauf hin, dass das Eiderbad noch lange erhalten wird. Der vor einem Jahr verlängerte Vertrag läuft noch bis 2019, und rein gar nichts spricht aus Sicht aller Beteiligten dagegen, dass es noch lange über dieses Datum hinaus weitergehen wird.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3