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Diese Krankheit ist tückisch

Eierstockkrebs Diese Krankheit ist tückisch

Eierstockkrebs gehört zu den besonders tückischen Krankheiten. Meist wird er erst spät entdeckt, die Symptome werden oft falsch gedeutet. Andrea Krull (49) aus Neumünster kämpft mit ihrer Selbsthilfegruppe für mehr Aufklärung und will den Betroffenen Mut machen – nicht nur am heutigen Welt-Eierstockkrebstag.

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Prof. Felix Hilpert (Foto, UKSH) unterstützt wie Dr. Markus Kuther vom Städtischen Krankenhaus Andrea Krull bei ihrer Aufklärungsarbeit über Eierstockkrebs. Sie hat gerade eine Petition gestartet, damit erkrankte Singles eine Haushaltshilfe erhalten.

Quelle: fpr: Frank Peter

Kiel. Auf den ersten Blick ist die Krankheit nur eine von vielen Krebsarten: Gerade einmal 3,6 Prozent der Krebsdiagnosen bei Frauen betreffen Eierstockkrebs. Doch bei den Sterbefällen gehen 6,4 Prozent auf sein Konto. „Das zeigt die Dramatik, von der die Frauen und ihre Familien meist völlig unvorbereitet getroffen werden“, sagt Andrea Krull. Sie weiß, wovon sie spricht. 2013 wurde bei ihr die Krankheit diagnostiziert.

 „Ich habe nichts gefühlt. Bei einer Routinekontrolle wurde zunächst nur eine Zyste gefunden. Die wurde vier Monate beobachtet. Dann wuchs sie in kurzer Zeit von vier auf zwölf Zentimeter Durchmesser und bildete Kammern. Mein Gynäkologe hat mich daraufhin zur Magnetresonanztomographie geschickt“, erinnert sich die Neumünsteranerin, „als ich die Diagnose bekam, habe ich nichts mehr gedacht. Man ist plötzlich in einem Kokon. Die Welt draußen ist weit weg und fremd und man selbst fühlt sich nur noch leer und allein.“

 Die besondere Problematik bei dieser Erkrankung ist für Dr. Markus Kuther, Chefarzt der Frauenklinik im Städtischen Krankenhaus Kiel, „dass eine Früherkennung aufgrund der praktizierten Vorsorgeuntersuchungen in der Frauenarztpraxis nicht möglich ist“. Bei drei Viertel der Patientinnen wird Eierstockkrebs daher erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. „Es gibt leider noch keine gesicherte Früherkennungsmethode“, bestätigt auch Prof. Felix Hilpert. Der Leitende Oberarzt an der Klinik für Gynäkologie und Geburtskunde am Kieler Uniklinikum leitet das bundesweite Qualitätssicherungsprogramm beim Eierstockkrebs. Häufig, sagt er, werden bei einer Erkrankung die Symptome verkannt, etwa wenn Frauen über unspezifische Bauchsymptome wie einen Blähbauch und Probleme beim Wasserlassen klagen. Aber bei der Behandlung liege noch viel im Argen: „Leider werden viele Patientinnen heute nicht mit der optimalen Standardtherapie versorgt. Und das hängt nicht von der Größe der Klinik ab, sondern von dem Fachwissen und Können des interdisziplinären Teams.“

 Bei Andrea Krull wurde richtig gehandelt: Sie wurde sofort im Städtischen Krankenhaus operiert. „Die Operation ist bei dieser Krebsart der entscheidende Faktor. Mit keiner anderen Therapie können wir so viel für die Patientin erreichen. Aber das genaue Ausmaß sehen wir erst bei dem Eingriff. Wir können also nicht vorher sagen, welche Organe entfernt werden müssen oder ob ein künstlicher Darmausgang gelegt werden muss“, sagt Hilpert. Auch die Frage, ob die Gebärfähigkeit erhalten werden kann oder soll, mache diese Krebserkrankung mit der ungünstigen Prognose ganz besonders belastend für die Frauen.

 Das bestätigt auch Andrea Krull. Gerne hätte sie damals deshalb mit anderen Frauen gesprochen. „Doch eine Selbsthilfegruppe bei Eierstockkrebs gab es nicht. Das war Niemandsland. Dr. Kuther hat mir zum Glück Kontakt zu anderen Frauen vermittelt.“ Mit einer Mitstreiterin hat Andrea Krull die erste Selbsthilfegruppe gegründet. Ein Engagement, das sie inzwischen den ganzen Tag über beschäftigt: 40 Frauen aus Schleswig-Holstein und Hamburg sind in der Gruppe. „Aber die Anrufe kommen aus ganz Deutschland. Der Wunsch nach Austausch und Information ist riesig“, sagt Andrea Krull. Sie sucht deshalb dringend Mitstreiterinnen.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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