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Spätestens am Tresen ist Schluss

Eigene Kaffeebecher Spätestens am Tresen ist Schluss

Wenige Bäckereien und Cafés füllen Espresso, Cappuccino oder Kaffee in mitgebrachte Porzellanbecher ab. Nach der städtischen Lebensmittelverordnung ist es aus Hygienegründen verboten, mitgebrachte Tassen oder Gefäße über den Tresen entgegenzunehmen.

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Auch in den Filialen der Campus Suite können Kaffeefans ihre eigenen Becher mitbringen. Preisnachlass gibt es allerdings nur, wenn man einen Campus-Suite-Becher hat – und zwar zehn Cent.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Der Koffein-Kick ist für viele Kieler morgens unverzichtbar. Wohin man schaut: Allerorten hasten Menschen mit ihrem Pappbecher durch die Stadt – Müllvermeidung hin oder her. Gibt es eine umweltfreundliche Lösung?

 Starbucks am Berliner Platz wirbt offiziell auf einer Tafel mit einem Preisnachlass von 30 Cent auf alle Getränke, wenn man seinen eigenen Becher mitbringt – der Filterkaffee kostet statt 1,95 dann 1,65 Euro. Das komme schon vor, dass Kieler ihren eigenen Becher mitbrächten, die Regel sei das allerdings nicht, sagte eine Mitarbeiterin. Die Campus Suite füllt auch in fremde Behältnisse ab. „Bei uns gibt es leider keinen Nachlass“, sagte Storemanagerin Jeanette Schneider. Wer sich dort allerdings einen Plastik- oder Porzellanbecher mit Logo kaufe und ihn wieder mitbringe, zahle für flüssige Produkte zehn Cent weniger. „Davon machen aber nur wenige Kunden Gebrauch“, so Schneider.

Hat kein Problem mit der mitgebrachten KN-Tasse: Meik Ehlers.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

 Dass ein Gast mit dem eigenen Gefäß kommt, erlebt Meik Ehlers, Inhaber des Cup&Cino am Bootshafen und des Pantiamo an der Kehdenstraße, selten. „Ich habe aber keine Bedenken, den eigenen Becher eines Kunden zu füllen“, sagte er. Dafür gewähre er auch 30 Cent Nachlass. Generell sei der sogenannte Coffee to go (Kaffee zum Mitnehmen) günstiger, weil der Service seiner Mitarbeiter wegfalle. „Wer eine Tasse hier trinkt, zahlt 2,50 Euro, wer einen Pappbecher mitnimmt 2,30 Euro, mit eigenem Becher 2 Euro“, erzählte Ehlers.

Umweltfreundliche Lösung contra Lebensmittelverordnung

 Mit ihrem umweltbewussten Service laufen diese Betriebe allerdings Gefahr, gegen die Lebensmittelverordnung der Stadt Kiel zu verstoßen. „Grundsätzlich ist von außen nicht erkennbar, ob mitgebrachte Gefäße wie Frischhaltedosen oder Kaffeebecher hygienisch einwandfrei sind“, sagte Christoph Cassel, stellvertretender Leiter des für Lebensmittelkontrollen zuständigen Bürger- und Ordnungsamtes. Daher dürften diese nicht in den Hygienebereich eingebracht werden: Der Ausgabetresen sei die Hygienegrenze. „Also dürfen mitgebrachte Gefäße nicht hinter dem Tresen befüllt werden, um die Hygiene-Anforderungen zu wahren“, sagte Cassel. Sollte ein Lebensmittelkontrolleur sehen, dass eine Tasse hinter dem Tresen eingeschenkt wird, folgt zunächst ein ernstes Gespräch. Zeigt sich der Gastronom uneinsichtig, kann die Stadt ein Verwarngeld von 55 Euro verhängen.

 „Aus diesem Grund gehen wir das Risiko auch nicht ein, obwohl wir wegen der Müllvermeidung gerne abfüllen würden“, sagte Inga Günther, Sprecherin der gleichnamigen Bäckereikette. 800 Becher im Jahr gingen über die Tresen der Filialen. Wer einen leeren Becher kaufe, zahle 30 Cent. Möglich sei allerdings, dass Mitarbeiter einen Kaffee im Becher über den Tresen reichen, den sich der Kunde dann ins eigene Gefäß kippt. „Das macht aber kaum jemand. In Hamburg zum Beispiel nehmen immer mehr Betriebe einen Preisaufschlag, wenn man einen Coffee to go bestellt“, sagte sie. Die Lebensmittelverordnung mit dem Hygieneargument führt auch die Kette Steiskal an. Wie eine Mitarbeiterin sagte, kämen morgens oft Kieler mit dem eigenen Becher. So gerne sie ihnen entgegenkommen würde – befüllen dürfe sie den Becher der umweltbewussten Kundschaft nicht.

 Das findet Marie Delaperrière schade. „Die Becher der Cafés und Bäckereien stehen offen in den Geschäften, sind vor der Umwelt ungeschützt“, sagte die Inhaberin des Kieler Ladens Unverpackt, der auf Einweg- und Plastikverpackungen komplett verzichtet. Und wer bringe schon einen dreckigen Becher mit? Käme ein Kunde mit Tasse oder anderem Gefäß, könne der doch von den Mitarbeitern schnell ausgespült und somit gesäubert werden, findet sie. „Zudem könnten die Geschäfte sich Kannen anschaffen und den Kaffee über den Tresen in mitgebrachte Becher ausschenken“, so Delaperrière.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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