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Ein Raum, eine Stunde, eine Mission

Live Escape Game Ein Raum, eine Stunde, eine Mission

Mit viel Kreativität und Liebe zum Detail hat Robert Schneider mit seinem Team in der Faulstraße in Kiel auf 230 Quadratmetern reale Spielszenarien geschaffen, die aus der virtuellen Rätselwelt entliehen sind und den Spielern eines Live Escape Game vollen Einsatz abverlangen.

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60 Minuten Zeit, um ein gestohlenes Kunstwerk zu finden: Robert Schneider hat für Final Escape Kiel eine Galerie gebaut, die ein Geheimnis verbirgt. Das Spiel „The Gallerist“ ist eine Herausforderung für praktische Rätselfans.

Quelle: fpr: Frank Peter

Kiel. Die Tür fällt hart ins Schloss. Aus und vorbei, aus diesem Stasi-Knast gibt es kein Entkommen. Unsere Zukunft wird diese wackelige Holzpritsche, das verdreckte Klo, das blecherne Essgeschirr sein. Dass wir nichts verbrochen haben, interessiert hier niemanden. Doch bevor wir uns mutlos auf die grobe Wolldecke sinken lassen, fällt unser Blick auf einen Gegenstand, der nicht ist, was er scheint. Gibt es doch noch Hoffnung, eine Art „Final Escape“? Mit viel Kreativität und Liebe zum Detail hat der Kieler Robert Schneider mit seinem Team in der Faulstraße in Kiel auf 230 Quadratmetern reale Spielszenarien geschaffen, die aus der virtuellen Rätselwelt entliehen sind und ihren Spielern vollen Einsatz abverlangen.

 In Japan, Russland und den USA sind die sogenannten Live Escape Games bereits ein boomender Freizeittrend. Dort haben Fans der anspruchsvollen Rätsel längst Spielekonsole und PC zur Seite gelegt, um gemeinsam Herausforderungen in eigens konstruierten Szenerien zu bestehen, die raffinierten Filmkulissen gleichen. „Eine Alternative zu Kino, Café oder Bowling“, sagt Kiels Vorreiter Robert Schneider. Aber das stimmt nicht ganz: Im Kino sitzt man bequem im Sessel und lässt sich unterhalten, bei „Final Escape“ dagegen muss man selbst kombinieren, handeln und auch mal auf den Knien rutschen. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten, nur so viel: Wer Kompetenzen wie Teamfähigkeit, strategisches Denken und Kommunikationstalent mitbringt, nicht klaustrophobisch veranlagt ist und Kleidung trägt, die Bodenkontakt aushält, ist schon mal bestens gerüstet. „Die Leute kommen mit einem Grinsen bei uns raus“, sagt Schneider. Auf der Reise-Website „Trip Advisor“ ist „Final Escape“ Kiel im Ranking der besten Escape Games in Deutschland immerhin auf Platz zwei gelandet.

 Wer durch eine unscheinbare schmale Tür die Räumlichkeiten von „Final Escape“ betritt, ist sofort in einer anderen Welt. Bücher, wohin das Auge blickt. Davor eine alte Holztheke, alte Karten an den Wänden und der leicht muffige Geruch nach Papier. Dahinter überrascht eine coole Lounge mit Szene-Limonade und selbst gezimmerten Holzkisten zum Sitzen. Überraschung ist ein wichtiger Aspekt der Live Games. Nichts ist, wie es scheint – nicht einmal am Eingang. Robert Schneider, 30-jähriger studierter Wirtschaftsingenieur, hat den Sprung in die Welt der Spiele gewagt, obwohl er virtuell nie so richtig dort angedockt hatte. „Ich war nie ein Spieler, aber das Konzept hat mich überzeugt“, erzählt der handwerklich und technisch begabte „Game Master“, so die professionelle Berufsbezeichnung. „Man holt die Leute aus der virtuellen Welt und bringt sie ganz real zusammen.“ Sein ehemaliger Kommilitone und „Final Escape“-Partner Alexander Miropolski hat bereits in Berlin einen Nerv getroffen, der Laden brummt. Das erhofft sich Schneider nun auch für Kiel. Das finanzielle Risiko trägt er selbst.

 Mit einem sechsköpfigen Team aus Bastlern und Tüftlern hat er die bis dahin leer stehende Etage in der Faulstraße in eine geheimnisvolle Spielwelt verwandelt, „alles selbst ausgedacht, technisch und elektronisch sehr anspruchsvoll.“ Neben dem Ausbruch aus dem Stasi-Gefängnis „Prison Break“ gibt es noch das Spiel „The Gallerist“, das in der Kunstwelt angesiedelt ist. „Sherlock Holmes“ und ein „Captain’s Room“ sind in Vorbereitung. „Wir haben noch viele Ideen, die Immobilie gibt das her.“ Die Requisiten hat das Team auf Flohmärkten und durch Kleinanzeigen zusammengetragen. Zu jedem Spiel gibt es ein kurzes Briefing, eine Geschichte – und schon sind die maximal vier Spieler allein mit ihrer Aufgabe.

 Allerdings nicht ganz: Der „Game Master“ hat per Kamera alles gut im Blick und gibt verschlüsselte Tipps, wenn die Auflösung ein wenig stockt. „Wir haben tolle Spieler, die die Herausforderung suchen und gerne ihren Kopf benutzen“, schwärmt Schneider. Und damit Ihnen nicht die Lust am Knobeln vergeht, verraten wir nur, dass wir unsere Mission erfüllt haben. Mit Kombinationsgabe, außergewöhnlichen Hilfsmitteln und viel Kommunikation. Und, zugegeben, ein paar wertvollen Tipps aus dem Off.

Live Escape Game

Weitere Infos

 Final Escape, Faulstraße 12-18, Kiel. Geöffnet: täglich 10-22 Uhr. Jedes Spiel dauert eine Stunde und ist geeignet für zwei bis vier Spieler ab 16 Jahre, in Begleitung der Eltern ab 12 Jahre. Kosten: 79-99 Euro pro Gruppe und Spiel. Weitere Informationen und Buchung unter Tel. 0431/90898117, im Internet unter www.final-escape.com. Weitere Angebote finden Sie auch unter www.escape-game.org.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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