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Ein kleines Happy End

Fall Sophienhof Ein kleines Happy End

Jetzt ist die Entlastung für drei Afghanen, die am 25. Februar im Sophienhof festgenommen worden waren, offiziell: Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen die jungen Männer eingestellt.

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Sie waren am Mittwoch um 8 Uhr zur Anhörung mit der gesamten sechsköpfigen Familie beim Bundesamt für Migration in Neumünster (von links): die Afghanen Obeydallah (26), Jawid (15) und Bahridin (19) A. aus Felde.

Quelle: Torsten Müller

Kiel/Felde. Sie waren zunächst verdächtigt worden, sich an den Belästigungen der Mädchen im Einkaufszentrum beteiligt zu haben. Doch der Anfangsverdacht hat sich nicht erhärtet. Anders sieht es im Fall der beiden 17-jährigen Afghanen aus Kiel-Gaarden aus. Den mutmaßlichen Haupttätern wird weiterhin vorgeworfen, dass sie die jungen Frauen zunächst belästigt und sich dann der Polizei widersetzt haben. Über eine Anklage wird voraussichtlich Mitte Mai entschieden.

 Obeydallah A. (26) und sein Cousin Bahridin A. (19) aus Felde, die nun entlastet sind, äußerten sich erleichtert über die Nachricht aus Kiel. „Wir sind so froh, dass es in Deutschland nicht wie in Afghanistan zugeht. Hier wird die Gerechtigkeit geachtet“, sagte Obeydallah. Aufgrund der Strafanzeige wurde, wie berichtet, bereits am Tag nach den Ereignissen im Sophienhof das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Neumünster benachrichtigt, das daraufhin das Asylverfahren gegen die beiden Männer aus Felde beschleunigt bearbeitet hat. Bereits am 9. März wurden die Asylanträge abgelehnt.

 Die gesamte sechsköpfige Familie A. war am Mittwoch um 8 Uhr zur Anhörung beim BAMF in Neumünster erschienen – an dem Termin also, der für die Familie lange vor den Ereignissen im Einkaufszentrum vereinbart worden war. Ein Betreuer aus Felde hatte sie dorthin gebracht. Obeydallah A. und sein Cousin Bahridin A. haben mittlerweile Klage gegen die Ablehnung ihres Asylantrags und die Ausreiseverfügung eingereicht, die ihnen nach der vorgezogenen Anhörung zugestellt wurde. Eine kurzfristige Abschiebung steht nicht mehr im Raum. Zumal nach der Berichterstattung in den Kieler Nachrichten auch der Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde, Rolf-Oliver Schwemer, eine Duldung in Aussicht gestellt hat. Der dritte Afghane, gegen den die Ermittlungen jetzt eingestellt worden sind, stammt aus Husum.

 „Wir sind mit Angst aus Afghanistan geflohen und hatten jetzt erneut große Angst, abgeschoben zu werden“, sagten Obeydallah und Bahridin. Sie seien dankbar für die Unterstützung, die sie erfahren haben. „Wir sind schon als Kinder mit Krieg und Gewalt groß geworden. Ein Menschenleben zählt in Afghanistan nichts“, berichtete Obeydallah. In ihrer Heimat fürchteten sie um ihr Leben, nachdem der Vater vor dreieinhalb Jahren von den Taliban umgebracht worden sei. Wegen der persönlichen Bedrohung hätten sie Haus und Land in Badakhsh bei Kundus verkaufen müssen. Aber auch das Leben in der Stadt sei für sie nicht mehr sicher gewesen. „Kundus befindet sich schon zur Hälfte in der Hand der Taliban“, sagte Obeydallah. Die Flüchtlingsinitiative Jägerslust hofft unterdessen, dass die Familie eine Chance bekommt, dauerhaft in Deutschland bleiben zu können. „Sie ist unglaublich anpassungsfähig und willig, sich zu integrieren“, sagte Petra Paulsen, die zweite Vorsitzende der Initiative. Der 15-jährige Jawid lerne mit Deutsch bereits seine fünfte Sprache. Obeydallah und Bahridin wollten unbedingt arbeiten. Unentgeltlich machen sie das bereits: In dem Mehrfamilienhaus, in dem sie wohnen, kümmern sie sich um den Hausmeisterdienst und fegen die Straße.

Von Torsten Müller und Kristian Blasel

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Auf seinen ersten Besuch im Kieler Sophienhof hatte sich Obeydallah A. gefreut. Am 25. Februar fuhr der 26-Jährige aus Felde gemeinsam mit dem minderjährigen Bruder Javid (15) sowie seinem Cousin Bahridin (19) mit der Bahn nach Kiel. Was dann geschah, schilderte er den Kieler Nachrichten mit Hilfe eines Übersetzers.

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