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Einbrecher niedergestochen - Bewährung

Urteil in Kiel Einbrecher niedergestochen - Bewährung

„Einbrecher nicht stellen!“ – entgegen dem Rat der Polizei griff ein 24-jähriger Kieler in seiner Wohnung zum Kampfmesser, um einen auf frischer Tat ertappten Dieb in seine Gewalt zu bringen. Als der Mann flüchten wollte, stach er ihm in den Rücken.

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Am Freitag verurteilte ein Schöffengericht den nicht vorbestraften Messerstecher.

Quelle: Arne Dedert/dpa (symbolfoto)

Kiel. Am Freitag verurteilte ein Schöffengericht den nicht vorbestraften Messerstecher wegen gefährlicher Körperverletzung zu anderthalb Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung.

In einer Dezembernacht 2015 war der drogenabhängige Einbrecher durch ein Badezimmerfenster in das Gaardener Mehrfamilienhaus eingestiegen, das von der Familie des Angeklagten bewohnt wird. In Socken schlich der 21-Jährige durch das Zimmer des Angeklagten. Nach Überzeugung des Gerichts gab er sofort auf, als er von dem aus dem Schlaf gerissen Bewohner angesprochen wurde. Der Einbrecher habe sich entschuldigt und das Diebesgut – ein Handy und ein Tablet – ebenso widerstandslos abgegeben wie seinen Personalausweis.

 Dagegen behauptet der Angeklagte, er habe den flüchtenden Täter verfolgt, um seinen Besitz wieder an sich zu bringen. Auf der Straße habe der Dieb versucht, ihm das Messer „in den Bauch zu rammen“. Der Angeklagte beruft sich auf Notwehr, sein Verteidiger forderte Freispruch.

 Doch wegen zahlreicher Widersprüche und Ungereimtheiten in den Aussagen des Angeklagten, seines Bruder und seines Vaters, folgte das Kieler Schöffengericht nach dreitägiger Beweisaufnahme der Darstellung des lebensgefährlich verletzten Nebenklägers.

Angeklagte drohte mit Selbstjustiz

 Danach drohte der Angeklagte ihm mit Selbstjustiz: Mit vorgehaltenem Messer kündigte er an, er und sein Bruder würden ihn in den Wald verschleppen. Der Drogenabhängige wurde ins Treppenhaus geführt, geriet in Panik und brach zusammen, heißt es im Urteil. Er habe den Angeklagten geradezu angefleht, die Polizei einzuschalten – ohne Erfolg.

 Vor der Haustür sah der Festgenommene seine letzte Chance in einem Fluchtversuch, befand das Gericht. Es sei zu einem Gerangel gekommen, bei dem der Angeklagte unter den Flüchtenden geriet und um Hilfe rief. Nun habe dessen Vater eingegriffen und den Gegner des Sohnes festgehalten. In diesem Moment habe sich der Angeklagte aufgerappelt und dem Opfer von hinten zwei Stiche in den Rücken und den Oberarm versetzt. Bis heute erinnert eine 4,5 Zentimeter breite Rückennarbe den Verletzten an den Vorfall.

 „Sie waren zu zweit, der Nebenkläger wollte weglaufen“, begründete die Vorsitzende den Ausschluss einer Notwehrsituation. Strafmildernd wertete das Gericht den nachvollziehbaren Erregungszustand des Angeklagten. Dieser muss jetzt als Auflage für die zweijährige Bewährungszeit 2000 Euro an einen gemeinnützigen Verein zur Resozialisierung von Straftätern zahlen.

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