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Ausstellung zu einer genialen Freundschaft

Einstein und Anschütz-Kaempfe Ausstellung zu einer genialen Freundschaft

„Anschütz und Einstein in einem Boot – Zwei Genies und der Kreiselkompass“ heißt die Ausstellung, die ab Mittwoch in der Merkur-Galerie der IHK zu sehen ist. Der Kieler Unternehmer und Wissenschaftler Hermann Anschütz-Kaempfe und Nobelpreisträger Albert Einstein sind die Genies, denen sich die Ausstellung nähert.

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Timo Erlenbusch, Kurator der Ausstellung, fasziniert neben dem Kreiselkompass vor allem der Briefwechsel der beiden Genies.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Repro)

Kiel. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt zwischen der IHK, von Raytheon Anschütz und dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum. Fasziniert habe ihn besonders die Lektüre des Briefwechsels, sagt Timo Erlenbusch, Historiker und Kurator der Ausstellung. „Obwohl beide von Anfang an auf einer Wellenlänge lagen, haben sie sich die ganze Zeit gesiezt und mit „Herr Doktor“ und „Herr Professor“ angesprochen.“ Außerdem hätten beide in ihren Briefen, die für die Ausstellung von der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek zur Verfügung gestellt wurden, immer so schön und ausführlich formuliert, erzählt der Kurator. „Das ist heute ja irgendwie anders.“

In mehr als 30 Fotografien und Texttafeln verfolgt die Kieler Ausstellung die Geschichte dieser Männerfreundschaft und geht auch auf die Arbeiten der beiden Wissenschaftler ein. Exponate der Raytheon Anschütz GmbH zeigen die Entwicklung des von Hermann Anschütz erfundenen Kompasses. In einem kurzen Exkurs wird auch Einsteins Relativitätstheorie erläutert.

Im Streit kennengelernt

Kennengelernt haben sich die beiden Wissenschaftler 1914 im Zuge eines Patentstreits. Anschütz hatte Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst um seinem Ziel, mit einem U-Boot zum Nordpol zu reisen, näher zu kommen, angefangen, einen Kreiselkompass zu entwickeln. Dieser sollte die Richtung unabhängig vom Magnetfeld der Erde anzeigen. Der promovierte Kunsthistoriker orientierte sich an der Rotationsachse der Erde. 1904 meldete er das Patent für seinen Kompass an und gründete ein Jahr später die Firma Anschütz & Co. 1914 klagte er vor dem kaiserlichen Patentamt gegen einen amerikanischen Erfinder und Geschäftsmann, der ebenfalls Kreiselkompasse verkaufte. Als unabhängiger Gutachter wurde der Berliner Professor Albert Einstein hinzugezogen.

„Die beiden haben sich sofort gut verstanden und sich über alles unterhalten. Über Privates, Politisches und auch über die Arbeit“, erzählt Erlenbusch. Zwischen 1915 und 1926 kam Einstein auch mit seiner Familie regelmäßig nach Kiel. Meist wohnte er in einer Werkswohnung von Anschütz direkt an der Schwentine. Er genoss es, beim Segeln auf der Förde abzuschalten und den Kopf frei zu kriegen. Nebenbei hätten die beiden dann auch zusammen gearbeitet. „Ich hatte bei der Vorbereitung der Ausstellung das Gefühl, dass sie sich nicht wirklich zum Arbeiten getroffen haben, sondern einfach im Gespräch Ideen entwickelten“, sagt der Kurator. 1922 konnte Anschütz das Patent für den Kreisel-Kugelkompass anmelden. Anteile am Patent gehörten Albert Einstein. „Über diese Entwicklung haben sie sich in ihren Briefen viel unterhalten“, so Erlenbusch. Ihn überrascht die Intensität, in der sich beide schrieben. „Einstein war da ja schon der Super-Star der Wissenschaft. Dass der überhaupt noch die Zeit hatte, sich mit Anschütz Gedanken über einen neuen Kompass zu machen und regelmäßig nach Kiel zu kommen, finde ich schon erstaunlich.“

Auch Einsteins Beziehung zu Kiel wichtig

Erlenbusch ist es wichtig, die Beziehung Einsteins sowohl zu Anschütz als auch zu Kiel zu zeigen. Denn diese „Kieler Episode“ würde in den meisten Biografien nicht erwähnt. Dabei dachte Einstein sogar darüber nach, Berlin zu verlassen und dauerhaft nach Kiel zu ziehen. „Kiel war für ihn eine Art Zufluchtsort. Berlin wurde im Verlauf der 20er-Jahre politisch immer ungemütlicher“, erklärt Erlenbusch. Zunehmend musste Einstein jedoch feststellen, dass der Antisemitismus überall in Deutschland wuchs und er auch in Kiel nicht willkommen war. 1926 war er das letzte Mal in Kiel.

Eröffnung

Die Ausstellung wird am Mittwoch um 18 Uhr in der Merkur-Galerie eröffnet. Bis zum 26. August ist sie Montag bis Donnerstag von 8-17 Uhr und Freitag von 8-15.30 Uhr zu besichtigen.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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